Wer die große allgemeine Harmonie durchdringt, hält sich zurückgezogen wie einer, der von einem edlen Weine trunken ist und sich in freundlichen Gefühlen niederlegt. Er bewegt sich in dieser unermeßlichen Harmonie als wäre er nie aus dem Schöpfungsgrunde der Wesen gegangen. Dieses nennt man die große Durchdringung.

Dieses ist das Tun der Heiligen. Es regt sich der vollkommenen Leere zu. Er ergeht sein Herz in dem unbedingten Nein. Er schreitet aus allem Raume hinaus. Er nimmt seinen Weg, wo keine Pforte ist. Er hört was keinen Klang hat. Er sieht, was keine Gestalt hat. Er haftet nicht an der Zeit. Er hat keine Gemeinschaft mit den Ungeweihten. So bewegt er die Welt.

Mystische Zeugnisse (Hrsg. Peter Sloterdijk), gesammelt von Martin Buber, Diederichs Gelbe Reihe, München 1993, ISBN 3-424-01156-8, S.275

2008-11-27 | achtphasen | 16:41:43 | Email | comment




 

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