Wenn der Mensch in Selbstsucht, Gier und Leidenschaft verstrickt ist, vergißt er Gott natürlich ganz. Er denkt ständig an seinen Körper, seine Familie und seine Kinder. Er kümmert sich nur um sein Essen, Trinken und um seine Bequemlichkeit. Er ertrinkt im Meer von Geburt und Tod (Samsara). Materialismus und Skeptizismus beherrschen ihn. Er läßt sich von Kleinigkeiten aus der Ruhe bringen und fängt an zu streiten. Überall herrscht Ruhelosigkeit, Elend, panische Angst und Durcheinander. Die Welt scheint derzeit im Griff rein materialistischer Denk- und Handlungsweisen zu sein. Die Erfindung neuer Bomben ruft überall Schrecken hervor. Die Menschen haben den Glauben an die heiligen Schriften und die Lehren der Weisen und Heiligen verloren. Aufgrund falscher Erziehung und schlechter Einflüsse sind sie gottlos geworden.
Die ersten Seher, die die Wahrheit erkannten, erklärten den kosmischen Fortschritt als das Wirken von Maya, der unergründlichen Kraft des höchsten Geistes. Durch das Wirken dieser verhüllenden Kraft wird das ungeteilte, absolute und wonnevolle Eine veranlaßt, sich in einer unendlichen Vielzahl von Namen und Formen widerzuspiegeln. Wie im 6.Vers, Kapitel IV der Gita beschrieben, erschafft Maya diese Existenz des Wahrnehmbaren mit ihrer Dualität und Mannigfaltigkeit. Jedes Bewußtseinszentrum, das so vom Unendlichen einbezogen ist, muß daher Maya transzendieren, um seine eigentliche Identität mit dem höchsten Wesen zu verwirklichen.
Maya ist die ewige Verneinung, die sich von der letztendlichen Wirklichkeit unterscheidet, die als das ewige „Ich bin“ erstrahlt, als das ewige ›SAT‹. Maya wird dazu benutzt, um die Summe der negativen Kräfte auszudrücken. Unwissenheit, Schwanken, Täuschung, Verhaftung, Egoismus, Unstimmigkeit, Zwietracht und Sinnlichkeit sind einige der wesentlichen Formen, in denen sie auf der menschlichen Ebene Ausdruck findet. Yoga macht es sich zur Aufgabe, die Individuen in die Lage zu versetzen, mit den genannten Faktoren, die in dieser Existenz des Wahrnehmbaren festhalten, wirkungsvoll umzugehen und sie zu überwinden. Ein Zustand der Erkenntnis durch ständiges Unterscheiden zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen, verbunden mit ständiger Identifikation mit den Gedanken von Allwissenheit und Vollendung, ein Zustand von unerschütterlichem Gleichgewicht und Einpünktigkeit, Verhaftungslosigkeit gegenüber allem Weltlichen, gekoppelt mit einer intensiven, unverminderten Verhaftung an bestimmte Aspekte des Göttlichen, eine vollständige Selbstauslöschung und aktive Selbstlosigkeit stellen daher die wichtigsten Mittel dar, um Maya zu besiegen. Eine entschlossene Entwicklung auf jeder dieser Linien, oder auf mehreren, wird die Wege von Erkenntnis, okkulter Meditation, Gebet, Frömmigkeit, göttlicher Liebe und selbstlosen Handelns bilden.
Der Prozeß des Yoga stellt den Aufstieg zu Reinheit dar, zu jener absoluten Vollendung, die der Urzustand des Menschen ist. Er setzt daher das Entfernen der umhüllenden Unreinheit voraus, die Beruhigung des ungleichmäßigen Schwingungstaktes der niederen Koshas und die Errichtung eines Zustandes von perfektem Gleichgewicht und vollkommener Harmonie.
Man sieht, wie alle genannten Faktoren, die den Jiva festhalten, auf breiter Skala in allen Menschen wirken. Das gegenwärtige Zeitalter ist verstrickt in Unwissenheit, gekennzeichnet durch Rastlosigkeit, ein blindes Hängen an irdischer Existenz; falsch verstandener Individualismus, wollüstige Hingabe an Fleischesgelüste und Gewalt, Kampf und Zwietracht in allen Lebensbereichen.
Das moderne Zeitalter ist das Maschinenzeitalter. Daher ist es machtbesessen. Die Entdeckung neuer Methoden der Krafterzeugung, die Ausbeutung neuer Aspekte bekannter Kräfte, die Erfindung von Maschinen, um Maschinen herzustellen, sind nun die Manie des Menschen, die der Mensch zu beherrschen vermag, der Mensch selbst hingegen hat weder Sinne noch Verstand unter Kontrolle. Dies resultiert in Mißbrauch und Ausbeutung der Früchte von Zivilisation und Wissenschaft, denn alle Macht korrumpiert. Wenn ein yogischer Lebensstil angenommen wird, bedeutet das, einen derartigen Machtmißbrauch und die sich daraus ergebende Katastrophe aufzugeben und sich dagegen abzusichern. Die Schulung im Yoga bringt dem Menschen bestimmte übernormale Kräfte, die keine Maschine jemals produzieren kann. Aber die Disziplin, die der Weg erfordert, sichert gegen Mißbrauch ab.
Alle Yogamethoden haben ethische Ausbildung und moralische Vollkommenheit zur Grundlage. Die Beseitigung von Lastern und die Entwicklung bestimmter Tugenden stellen die ersten Stufen auf der Yogaleiter dar. Disziplinierung des Wesens und Bildung eines festen und reinen Charakters durch eine Anzahl richtiger Gewohnheiten und regelmäßiger täglicher Disziplin ist der nächste Schritt. Das ist Yama Niyama im Raja Yoga; das Erlangen von Sadhana Chatushtaya durch den Anfänger auf dem Pfad der Erkenntnis und das Festhalten an Sraddha, Sadachara, Hingabe seiner selbst, Wunschlosigkeit und Opfer für den Gläubigen und für den Karma Yogi in gleicher Weise haben dementsprechend Charakterbildung und ethische Vollkommenheit zum Ziel. So wird eine neue Welt von Liebe und Opfer, Zusammenarbeit und Brüderlichkeit eingeläutet, und die Verwirklichung der Ideale universeller Vollendung kann durch bewußtes und uneingeschränktes Engagement schon in den Anfangsphasen des Yoga bewirkt werden. Auf dieser soliden Basis eines fest verankerten und tugendhaften moralischen Charakters werden alle weiteren Strukturen des Yoga errichtet.
Die dem Geist innewohnende Ruhelosigkeit ist das größte Problem des Yogaschülers. Die eigentliche Natur des Geistes ist es, immer nach außen zu gehen. Und er ist auch immer unstet. Das entschiedene sich Abwenden von irdischer Verhaftung, das entschlossene Tilgen des Egos, das bewußte Anhalten aller unharmonischen geistigen Vorgänge und das ständige Beharren auf einem einzigen Gedanken, alle diese Methoden erfordern eine feste Kontrolle des Geistes und die bewußte Ausrichtung seiner Kräfte auf das erhoffte Ziel.
Die größte äußere Manifestation der geistigen Impulse ist physisches Handeln. Wenn sich Handlungen wiederholen, kristallisieren sie sich zu Gewohnheiten. Im Laufe der Zeit werden Gewohnheiten, wenn man ihnen nachgibt, zu deutlichen Charakterzügen der Persönlichkeit. Der Plan der Wissenschaft des Yoga bei der Erlangung von Meisterschaft über den Geist ist es, äußerst systematisch Schritt für Schritt vorzugehen, zunächst die grobstofflicheren und dann die subtileren Manifestation zu regulieren und zu beherrschen. Yama überwindet alle Laster und pflanzt Tugenden ein. Es schwächt alle schlechten Charakterzüge ab und pflanzt göttliche Eigenschaften ein. Niyama reguliert die Gewohnheiten und zielt darauf ab, dem Sadhaka Herrschaft über sein Verhalten zu geben. Anstatt Sklave von Gewohnheiten zu sein, kontrolliert der Suchende jetzt sein Verhalten und entwickelt durch entschlossenen Willen bestimmte Gewohnheiten. Als nächstes wird der angeborene Drang nach Aktivität durch Asanalogie gezügelt. Durch Übung eines Systems von unbeweglichen Stellungen wird die Tendenz zu unbeherrschten und ziellosen Bewegungen im Zaume gehalten und überwunden. Nachdem der Charakter entwickelt, edle Züge erworben, alte Gewohnheiten überwunden und durch neue ersetzt, und Aktivität reguliert und gezügelt wurden, werden nun die Launen des Geistes als nächstes durch Kontrolle seines Gegenstücks, des Atems, bezähmt. Dieses Studium ist Pranayama. Obwohl die Gedanken gezügelt werden, bleibt der Geist in Form von Wünschen und Sehnsüchten weiterhin aktiv. So ist das fünfte Glied von Yoga das Abziehen aller zentripetalen sinnesgerichteten Bewegungen des Wunschbereiches im Geist, das sich Abwenden von der äußeren Welt und das Abziehen der Sinne von den Objekten. Pratyahara ebnet den Weg für die sechste Stufe auf der Leiter des Yoga, Dharana, Konzentration des Geistes auf einen einzigen Punkt. Der nach innen gezogene Geist wird dazu gebracht, sich auf irgendeinen Gedanken oder ein Bild zu heften, das technisch als Lakshya, Objekt der Meditation, bezeichnet wird. Wenn Dharana vertieft und verlängert wird, wird es zu Meditation. Wenn Dhyana (Meditation) intensiviert und anhaltend gemacht wird, ist Samadhi das Ergebnis. Ein Zustand wonnevoller Vereinigung mit dem unendlichen Bewußtsein, der Überseele, befreit ihn aus der Knechtschaft von Geburt und Tod. Diese transzendentale Erfahrung formt ihn um zu einem Wesen mit kosmischer Vision, das überall göttliche Einheit hinter scheinbarer Mannigfaltigkeit wahrnimmt. In der Folge wird sein ganzes Leben zu einem spontanen Ausdruck des ungehinderten Fließens höchster Energie durch jede Handlung. Er lebt und handelt rein zum Nutzen aller Menschen und bringt dadurch den göttlichen Plan zu seiner glorreichen Erfüllung.
2009-01-01 | achtphasen | 00:00:00 |
| comment
“Tat tvam asi” means “That art thou.” It is found in the Upanishads, and refers to our experience of “identity” with Brahman. We see Brahman in all things, and the basis for our love of others is that they also are one with Brahman. Vivekananda spoke of the need for a “Practical Vedanta."This was using the principles of advaita in a practical way to achieve moral results. This was the basis of the Ramakrishna Mission which he founded. In support of this Practical Vedanta, Vivekananda referred to the mahavakya (great saying) tat tvam asi in the Upanishads. If we are identical with the other and with Brahman, then we will want to do good to the other. This mahavakya is therefore the foundation for morality. It is not that we do good to our neighbour out of altruism, but because the neighbour is identical to our self.
Some Indologists have said that the use of “tat tvam asi” in ethics is only relatively recent within Hinduism, and that in fact neo-Hinduism was influenced by Western interpretations of itself in coming to this viewpoint. Paul Hacker said that traditional Hinduism did not relate “tat tvam asi” to ethics. Hacker points to the German philosopher Schopenhauer, and to Schopenhauer’s student, Paul Deussen for this usage. Because of Schopenhauer’s world-denying philosophy, he himself did not advocate this morality. Deussen took the principle further and actually advocated it as the basis for how we should act. Deussen gave a lecture in Bombay on February 25, 1893 concerning the tat tvam asi theory of the foundation of ethics. He went again to India in 1896 and there met Vivekananda. Hacker says it is not until after this meeting that Vivekananda’s writings included the principle as a basis for ethics. Prior to this time, Vivekananda’s ethics were based on the idea of disinterested action. In fact, in his book Karma-Yoga Vivekananda said that it was foolish talk to speak of doing good to the world.
http://www.members.shaw.ca/jgfriesen/Definitions/Tattvamasi.html
2008-12-11 | achtphasen | 14:48:04 |
| comment
Das philosophische System, das Sri Krishna Caitanya Mahaprabhu (1486-1534) als höchste Schlussfolgerung aller vedischen Erkenntnisse lehrte. Gemäss dieser Lehre sind Gott und die individuellen Seelen qualitativ gleich (sat-cit-ananda; ewig, voller Wissen und Glückseligkeit), quantitativ jedoch verschieden (Gott ist unbegrenzt gross, die Atmas winzig klein). Diese Philosophie erklärt, dass die Seele nach ihrer Befreiung in die spirituelle Welt eingehen kann, dass sie jedoch ewig ihre Individualität behält und dass ihre Vollkommenheit darin besteht, der vollkommene Diener Gottes zu werden.
2008-12-01 | achtphasen | 18:55:53 |
| comment
Wer die große allgemeine Harmonie durchdringt, hält sich zurückgezogen wie einer, der von einem edlen Weine trunken ist und sich in freundlichen Gefühlen niederlegt. Er bewegt sich in dieser unermeßlichen Harmonie als wäre er nie aus dem Schöpfungsgrunde der Wesen gegangen. Dieses nennt man die große Durchdringung.
Dieses ist das Tun der Heiligen. Es regt sich der vollkommenen Leere zu. Er ergeht sein Herz in dem unbedingten Nein. Er schreitet aus allem Raume hinaus. Er nimmt seinen Weg, wo keine Pforte ist. Er hört was keinen Klang hat. Er sieht, was keine Gestalt hat. Er haftet nicht an der Zeit. Er hat keine Gemeinschaft mit den Ungeweihten. So bewegt er die Welt.
2008-11-27 | achtphasen | 16:41:43 |
| comment

2008-10-29 | achtphasen | 13:14:18 |
| comment
Ist es möglich, jedem Problem ohne dieses Raum-Zeit-Intervall entgegenzutreten, ohne Kluft zwischen sich und dem, wovor man sich fürchtet? Es ist nur möglich, wenn der Beobachter nicht fortbesteht, der Beobachter, der die Bilder schafft, der eine Kollektion von Erinnerungen und Ideen ist, ein Bündel abstrakter Begriffe.
Wenn Sie auf die Sterne schauen, sind Sie es - ein Mensch, der auf den Sternenhimmel schaut. Der Himmel ist überflutet mit leuchtenden Sternen, kühl ist die Luft, und da stehen Sie, der Beobachter, der Erfahrende, der Denker, Sie mit Ihrem sehnsuchtsvollem Herzen, Sie, das Zentrum, das den Zwischenraum erzeugt. Sie werden nichts von dem Raum zwischen sich und den Sternen verstehen, zwischen sich und Ihrer Ehefrau oder dem Ehemann oder dem Freund, weil Sie niemals ohne das Bild geschaut haben. Und darum wissen Sie nicht, was Schönheit ist, was Liebe ist. Sie sprechen darüber, Sie schreiben darüber, aber Sie haben sie niemals erfahren, ausgenommen vielleicht in seltenen Augenblicken völliger Selbstpreisgabe. Solange ein Zentrum besteht, das den Abstand erzeugt, gibt es weder Liebe noch Schönheit.Wenn kein Zentrum da ist und kein trennender Umkreis, dann ist Liebe da. Und wenn Sie lieben, sind Sie Schönheit.
Wenn Sie auf ein Gesicht Ihnen gegenüber schauen, tun Sie es von einem Zentrum aus, und dieses Zentrum erzeugt die Distanz zwischen Mensch und Mensch. Darum ist Leben so leer, darum sind wir so gleichgültig. Sie können Liebe und Schönheit nicht entwickeln, Sie können auch die Wahrheit nicht einladen; aber wenn Sie jederzeit dessen gewahr sind, was Sie tun, können Sie das Gewahrsein verfeinern, und in diesem Gewahrsein fangen Sie an einzusehen, was es mit der Freude, dem Verlangen und dem Leid auf sich hat. Sie sehen die unsägliche Einsamkeit und Langeweile des Menschen, und dann werden Sie auf das treffen, das “Raum” genannt wird.
Solange ein Abstand zwischen Ihnen und dem Objekt, das Sie betrachten, besteht, werden Sie erleben, dass keine wahre Liebe möglich ist, und ohne Liebe - wie sehr Sie sich auch anstrengen mögen, die Welt zu reformieren oder eine neue soziale Ordnung hervorzubringen, wieviel Sie auch über Verbesserungen sprechen mögen -, ohne Liebe werden Sie nur weiteres Elend erzeugen. Darum liegt es an Ihnen! Es gibt keinen Führer, es gibt keinen Lehrer, es gibt niemanden, der Ihnen sagt, was zu tun ist. Sie sind allein in dieser verrückten, brutalen Welt.
2008-10-09 | achtphasen | 13:48:34 |
| comment
Gewaltlosigkeit
Wenn eine Person behauptet, gewaltlos zu sein, wird von ihr erwartet, auf keinen, der sie verletzt, zornig zu sein. Sie wird ihm nichts Böses wünschen, sondern nur Gutes; sie wird ihn nicht verfluchen; sie wird ihm keine physischen Schmerzen zufügen. Sie wird alle Verletzungen erdulden, denen sie durch Peiniger unterworfen ist. Mithin ist Gewaltlosigkeit vollkommene Unschuld. Vollkommene Gewaltlosigkeit ist die vollkommene Abwesenheit von Uebelwollen gegen jedwedes Leben. Dies schliesst sogar nicht-menschliches Leben ein, selbst lästige Insekten oder Tiere. Sie wurden nicht geschaffen, um unsere zerstörerischen Neigungen zu befriedigen. Wenn wir nur den Geist des Schöpfers verstünden, würden wir ihren richtigen Platz in der Schöpfung erkennen. Gewaltlosigkeit in ihrer aktiven Gestalt ist demnach Wohlwollen gegenüber allem was lebt. Sie ist reine Liebe. Ich lese sie in den heiligen Schriften, in der Bibel, im Koran.
Gewaltlosigkeit ist ein vollkommender Zustand. Sie ist das Ziel, auf das die ganze Menschheit naturgemäss, wenngleich unbewusst, zustrebt. Wenn der Mensch die Unschuld in sich verkörpert, wird er nicht göttlich, sondern erst wahrhaft menschlich. In unserem gegewärtigen Zustand sind wir teils Mensch und teils Tier und behaupten in unserer Unwissenheit und sogar Arroganz, uns unserer Spezies entsprechend zu verhalten, wenn wir einen Schlag mit einem Schlag erwidern und das für diesen Zweck erforderliche Ausmass von Zorn entwickeln. Wir reden uns ein, Vergeltung sei das Gesetz unseres Daseins, wohingegen wir in jeder Schrift finden, dass Vergeltung nicht Pflicht ist, sondern bestenfalls zulässig. Beherrschung ist Pflicht. Vergeltung ist eine Schwäche, die genaue Regulierung verlangt. Beherrschung ist das Gesetz unseres Dasein. Denn höchste Vollkommenheit ist ohne äusserste Beherrschung nicht erreichbar. Mithin ist Leiden das Kennzeichen des menschlichen Geschlechtes.
Die Sünde der Unberührbarkeit
Unberührbarkeit ist kein heiliges religiöses Gebot, sondern eine Erfindung des Satans. Der Teufel zitiert immer die Schriften. Doch Schriften reichen nicht über die Vernunft und die Wahrheit hinaus. Sie sind dazu gedacht, die Vernunft zu reinigen und die Wahrheit zu beleuchten. Ich werde kein makelloses Pferd verbrennen, nur weil die Veden dieses Opfer angeblich anrieten, duldeten und billigten. Für mich sind die Veden göttlich und ungeschrieben. “Buchstaben töten.” Es ist der Geist, der das Licht bringt. Und der Geist der Veden ist Reinheit, Wahrheit, Unschuld, Keuschheit, Demut, Einfachheit, Vergebung, Frömmigkeit und alles, was Männer und Frauen edel und tapfer macht. Es ist jedoch weder edelmütig noch tapfer, die grosse und klaglose Masse der Kastenlosen unserer Nation übler zu behandeln als Hunde, sie zu verachten und anzuspeien.Young India, 19. Januar 1921
2008-10-03 | achtphasen | 12:28:12 |
| comment
Nur wenn wir ohne jede vorgefasste Meinung, ohne Leitbild sehen, sind wir fähig, mit allen Gegebenheiten des Lebens unmittelbar Kontakt zu haben. Unsere ganzen Beziehungen sind in Wirklichkeit nur eingebildete, das heisst, sie basieren auf Vorstellungen, die vom Denken ausgehen. Wenn ich von Ihnen ein Bild habe, und Sie ein Bild von mir, so sehen wir einander natürlich nicht so, wie wir wirklich sind. Was wir sehen sind die Bilder, die wir voneinander geschaffen haben und die uns verhindern, miteinander in Kontakt zu kommen; und aus diesem Grunde klappt es mit unseren Beziehungen nict.
Wenn ich sage: “Ich kenne Sie", meine ich damit, dass ich Sie gestern kannte. Ich weiss nicht, wie Sie jetzt sind. Alles was ich kenne, ist meine Vorstellung von Ihnen. Dieses Bild setzt sich zusammen aus dem was Sie zu meinem Lob oder meinem Tadel gesagt haben, wie Sie sich mir gegenüber benommen haben. Das Bild ist zusammengestückelt aus alten Erinnerungen an Sie - und Ihr Bild von mir ist auf die gleiche Art entstanden. Und diese bildbedingten Beziehungen hindern uns an einer wirklichen gegenseitigen Verständigung.
Zwei Menschen, die lange Zeit zusammen gelebt haben, tragen ein Bild voneinander in sich, das eine echte gegenseitige Beziehung verhindert. Wenn wir das Problem der Beziehungen verstehen, können wir miteinander arbeiten; eine Zusammenrbeit wird aber durch Bilder, durch Symbole, durch ideologische Vorstellungen unmöglich. Nur wenn wir um echte gegenseitige Beziehung wissen, ist Liebe möglich, und Liebe wird durch Bilder, die wir uns schaffen, verneint. Darum ist es wichtig, dass wir erkennen - nicht mir dem Verstand, sondern als Tatsachen unseres täglichen Lebens -, wie wir Bilder von unserer Ehefrau, unserem Ehemann, unseren Nachbarn, unserem Kind, unserem Vaterland, unseren Führern, unseren Politikern, unseren Göttern aufgebaut hben - wir haben nichts als Bilder.
Diese Bilder erzeugen den Abstand zwischen Ihnen und dem was Sie beobachten, und in diesem Raum liegt der Konflikt. Wir wollen daher jetzt herausfinden, ob es möglich ist, von dem Raum frei frei zu sein, den wir nicht nur ausserhalb von uns sondern auch in uns schaffen, von der Distanz, die die Menschen in allen ihren Beziehungen trennt.
Nun, die tiefe Aufmerksamkeit, mit der Sie sich einem Problem zuwenden, ist die Kraft, die dieses Problem löst. Wenn Sie voller Achtsamkeit sind, das heisst, mit allem was in Ihnen ist, dann gibt es keinen Beobachter mehr. Dann ist nur der Zustand der Achtsamkeit da - eine totale Energie, und diese Energie ist höchste Intelligenz. Natürlich muss der Geist in diesem Zustand vollkommen ruhig sein, und dieses Schweigen, diese Stille kommt mit der völligen Achtsamkeit; es ist nicht eine Stille, die durch Schulung gewonnen wurde. Dieses völlige Schweigen in dem es weder den Beobachter noch den beobachteten Gegenstand gibt, ist die höchste Form des religiösen Geistes. Was sich aber in diesem Zustand erignet, kann nicht mit Worten gesagt werden; und das, was mit Worten gesagt wird, ist nicht die Tatsache. Um es zu entdecken, müssen Sie es selbst erleben.
Jedes Problem ist mit jedem anderen Problem verknüpft. Wenn Sie ein Problem vollkommen lösen können - es kommt nicht darauf an, welcher Art es ist -, werden Sie sehen, dass Sie fähig sind, allen anderen Problemen mühelos zu begegnen und sie zu lösen. Wir sprechen selbstverständlich von psychologischen Problemen. Wir haben bereits gesehen, dass ein Problem nur in der Zeit existiert, das heisst, wenn wir das Problem nicht sogleich und richtig anpacken. Darum müssen wir nicht nur der Natur und der Struktur des Problemes gewahr sein und es ganz und gar sehen, sondern müssen es erfassen, da es auftaucht, und es augenblicklich lösen, so dass es im Bewusstsein keine Wurzeln schlagen kann. Wenn man duldet, dass ein Problem einen Monat oder einen Tag oder auch nur ein paar Minuten andauert, dann zerstört es den Geist. Ist es nun möglich, einem Problem unmittelbar entgegenzutreten, ohne jede Verdrehung, und sich augenblicklich und vollkommen von ihm zu lösen, ohne das Erinnerung, eine Schramme zurückbleibt? Diese Erinnerungen sind die Bilder, die wir mit uns herumtragen, und mit diesen Bildern treten wir diesem Ungewöhnlichen, das wir Leben nennen, entgegen; daraus entsteht dann Widerspruch und folglich Konflikt. Das Leben ist äusserst real, es ist keine Abstraktion, und wenn Sie ihm mit Bildern begegnen, entstehen Probleme.
2008-09-28 | achtphasen | 21:07:05 |
| comment
…
Während der ganzen theologischen Vergangenheit ist uns von religiösen Lehrern versichert worden, dass wir, wenn wir bestimmte Riten verrichten, bestimmte Gebete oder Mantras wiederholen, uns gewissen Normen anpassen, unsere Wünsche unterdrücken, unsere Gedanken kontrollieren, unsere Leidenschaften sublimieren, unsere Triebe eindämmen und uns sexueller Ausschweifungen enthalten, dass wir - wenn Geist und Körper ausreichend gefoltert sind - dann etwas jenseits dieses bedeutungslosen Lebens finden werden. Und das haben Millionen sogenannter religiöser Menschen Jahrhunderte hindurch getan, entweder in der Abgeschiedenheit, indem sie in die Wüste oder in die Berge oder in eine Höhle gingen oder mit der Bettelschale von Dorf zu Dorf wanderten oder sich in einem Kloster als Gruppe zusammenfanden und ihren Geist zwangen, sich einem festgelegten Vorbild anzupassen. Aber ein gequälter Mensch mit einem zerbrochenen Geist, ein Mensch, der diesem ganzen Tumult zu entrinnen trachtet, der der äusseren Welt entsagt hat und durch Disziplin und Anpassung abestumpft wurde, solch ein Mensch, wie lange er auch suchen mag, wird nur finden, was seinem irregeleiteten Geist entspricht.
Um nun zu entdecken, ob es tatsächlich etwas jenseits dieses unruhigen, schuldvollen, furchterfüllten, ehrgeizigen Daseins gibt oder nicht, scheint es mir, dass man einen ganz anderen Weg gehen muss. Nach der traditionellen Einstellung geht man von der Peripherie nach innen, um im Laufe der Zeit durch Übung und Verzicht allmählich zu jenem inneren Erblühen, jener inneren Schönheit und Liebe zu kommen - in Wirklichkeit aber tut man alles, um engherzig, unbedeutend und minderwertig zu werden. Man löst Schicht um Schicht ab, man lässt sich Zeit, man erwartet alles vom Morgen, vom nächsten Leben - und wenn man schliesslich zum Zentrum gelangt, entdeckt man, dass dort nichts ist, weil unser Geist unfähig, stumpf und unempfindlich gemacht worden ist.
Wenn man diesen Prozess wahrgenommen hat, fragt man sich, ob es nicht einen ganz anderen Weg gibt, ob es nicht möglich ist, vom Zentrum her durchzubrechen.
Die Welt akzeptiert den traditionellen Weg und folgt ihm. Die eigentliche Ursache der Unordnung in uns ist das Suchen nach einer Realität, die uns von einem anderen versprochen wurde. Wir folgen mechanisch dem, der uns ein wohltuendes spirituelles Leben zusichert. Es ist höchst seltsam, dass, obgleich wir uns der politischen Tyrannei und Diktatur widersetzen, wir innerlich die Autorität, die Tyrannei eines anderen hinnehmen, die unseren Geist und unser Leben verwirrt. Wenn wir nun jede sogenannte spirituelle Autorität mitsamt allen Zeremonien, Riten und Dogmen verwerfen, nicht intellektuell, sondern tatsächlich, bedeutet das, dass wir allein stehen und uns damit bereits in Konflikt mit der Gesellschaft befinden. Für die Gesellschaft hören wir auf geachtete Menschen zu sein. Doch ein von der Gesellschaft geschätzter Mensch kann unmöglich dieser unendlichen, unermesslichen Realität näherkommen.
Sie haben nun damit begonnen, etwas absolut Falsches zu verneinen, den traditionellen Weg. Doch wenn diese Ablehnung eine Reaktion ist, werden Sie eine andere Schablone geschaffen haben, in der Sie wie in einer Falle festgehalten werden. Wenn Ihnen Ihr Verstand sagt, dass diese Ablehnung ein guter Gedanke ist, Sie aber daraus nichts machen, kommen Sie nicht weiter. Wenn Sie das Falsche jedoch verneinen, weil Sie den Stumpfsinn, die Unreife der gesellschaftlichen Konvention verstehen, wenn Sie aus tiefer Einsicht verwerfen, weil Sie frei sind und sich nicht fürchten, werden Sie eine grosse Unruhe in sich und um sich hervorrufen; aber Sie werden aus der Falle konventioneller Ehrbarkeit herauskommen. Dann werden Sie entdecken, dass Sie nicht länger suchen.
Und das ist das erste, das zu lernen ist; nicht suchen! Solange Sie suchen, machen Sie nur einen Schaufensterbummel.
Die Frage ob es einen Gott gibt oder die Wahrheit oder die Realität oder wie Sie es sonst benennen mögen, kann niemals durch Bücher, Priester, Philosophen oder Erlöser beantwortet werden. Niemand und nichts kann diese Frage beantworten als Sie selbst; und darum müssen Sie sich kennen. Wenn man sich nicht kennt, ist man unreif; sich selbst zu verstehen ist der Anfang der Weisheit.
Und was ist dieses Selbst, das individuelle Wesen? Ich glaube, es besteht ein Unterschied zwischen dem Menschen an sich und dem Individuum. Das Individuum ist örtlich gebunden, lebt in einem bestimmten Lande, gehört einer bestimmten Kultur, Gesellschaft und Religion an. Der Mensch als solcher ist jedoch keine lokal gebundene Einheit. Er ist überall. Die Handlung des Individuums, das nur in einem begrenzten Winkel des weiten Lebensgebietes wirkt, ist ohne jede Beziehung zum Ganzen. Darum müssen wir daran denken, dass wir von dem Ganzen und nicht von einem Teil sprechen, weil sich im Grösseren das Geringere findet, aber im Geringeren nicht das Grössere. Das Individuum ist das unbedeutende, eingeengte, elende enttäuschte Wesen, zufrieden mit seinen kleinen Göttern und seiner engen Tradition, während ein wahrer Mensch am Wohlergehen, dem Elend und der Verwirrung der ganzen Menschheit Anteil hat.
…
2008-09-27 | achtphasen | 14:33:31 |
| comment
dṛg-darśana-śaktyor ekātmatā iva asmitā ॥ II.6 ॥
Das Ich-Bewusstsein (entsteht aus der Vorstellung, dass) die Kraft, welche wahrnimmt, gleichsam eines Wesens mit der Kraft der Wahrnehmung (ist).
(Das Ich-Bewusstsein ist das Ergebnis der irrtümlichen Gleichsetzung von Selbst (Puruṣa) und Geist (Citta))
Die Kraft welche wahrmimmt, sieht (dṛg-śakti) = der Puruṣa, das Selbst | Das Instrument der Wahrnehmung, des Sehens (darśana-śakti) = der Geist
Das Wörtchen iva (wie, gleichsam, als ob) ist bedeutsam: Puruṣa und Prakṛiti, oder das Selbst und der Geist (es gibt noch andere Synonyme dafür) sind nur gleichsam eins; in Wahrheit sind sie streng getrennt.
…
Die Prakṛiti ist entweder im Zustand der Involution (Auflösung, Gleichgewicht) oder, durch den Einfluss des Puruṣa, im Prozess der Evolution (Schöpfung). Warum der ewig reine und vollkommene Puruṣa sich mit der Prakṛiti verbindet und dadurch in die Welt des Leidens gerät, kann ncht beantwortet werden. In der Evolution entstehen durch die Aktivität der drei Gunas die reine kosmische Intelligenz (buddhi); das Ich-Bewusstsein (asmitā oder ahamkāra); der Geist (manas oder citta); die subtilen und groben Sinne; die potentiellen Elemente; die feinstofflichen Atome und die dichte Materie.
…
2008-09-07 | achtphasen | 21:32:51 |
| 2 comments
Meditation zu verstehen heisst zu lieben, und Liebe ist nicht das Produkt von Systemen, von Gewohnheiten; sie wird nicht durch das Befolgen einer Methode erzeugt. Liebe kann nicht durch Denken entwickelt werden. Liebe kann vielleicht im vollkommenen Schweigen entstehen, in einer Stille, in der der Meditierende gänzlich fehlt. Und der Geist kann nur still sein, wenn er die Regungen seines Denkens und Fühlens versteht. Um diese Regungen zu verstehen, dürfen wir sie nicht verurteilen, während wir sie beobachten. In dieser Weise zu betrachten, ist wahre Disziplin, und diese Art der Disziplin ist beweglich, frei, es ist nicht die Disziplin der Gleichförmigkeit.
2008-08-28 | achtphasen | 15:11:16 |
| 2 comments

2008-08-27 | achtphasen | 12:58:47 |
| comment