Bitte an Herrn Dr.Plaga mit Interessierten in einen klärenden Dialog zu treten.

Eigentlich ist dieser Beitrag nicht als Blog auf der sonst üblichen Ebene eines emotional-rhetorischen Schlagabtausches zwischen LHC Befürwortern und LHC-Gegnern gedacht.

Es ist ein Versuch, auf der Basis von sachorientierten Informationen in einen gesellschaftwissenschaftlich und allgemeinwissenschaftlich orientierten Dialog mit Dr. Rainer Plaga zu treten.

Vorbild für dieses kommunikative Anliegen ist die Art und Weise, mit der der Jura-Professor Eric Johnson versucht hat, aus nichtfachphysikalischer Sicht Sachinformationen zu dem Pro und Contra der Cern-Physik zusammenzustellen und sie zusammen mit bestimmten fachjuristischen und gesellschaftswissenschaftlichen Schlussfolgerungen der Öffentlichkeit zu präsentieren http://www.technologyreview.com/blog/arxiv/24611/

Es wird zunächst ein gekürzter ´Mittschnitt´ einer e-mail Unterhaltung Dr.Plaga mit einem LHC interessierten Mail-Partner über das bekannte Sicherheitspapier von Giddings & Mangano (http://arxiv.org/abs/0806.3381) wiedergegeben

//…./// EDIT 21.02.2010 - censored due to Dr.Plaga’s explicit disagreement of of republishing this information dated 21.january 2009 ///….///

Auch der Nichtfachphysiker kann erkennen: In dem Basis-Sicherheitspapiers von Giddings & Mangano (Grundlage für die späteren LSAG Ausführungen), welches sich vermutlich in der Beherrschung des aktuellen Methodenarsenals auf hohem wissenschaftlichen Niveau befindet, sind deutliche Risikoszenarien erkennbar.
Und jeder von uns, der sich traut, die Presse davon in Kenntnis zu setzen, bekommt treuherzig zur Antwort: „aber die LSAG -Physiker haben uns doch versichert, dass eventuell gebildete Schwarze Löcher sich sofort auflösen würden und dass die Schwarze Löcher Bildung doch ständig durch die energiereichen Partikel der kosmischen Strahlung in unserer kosmischen Umgebung passiert – seit Milliarden von Jahren -. und die Erde steht immer noch!“ Was wollen wir darauf antworten? Auf das hoch anerkannte wissenschaftlichen Papier von Giddings & Mangano verweisen?

Es gilt hier der Satz von Prof. Eric Johnson (gegenüber PhysOrg.com Jan.22.Jan. 2010 ):
Many of the physicists quoted in the media on LHC safety issues seem not to have engaged with the literature in any depth,
http://www.physorg.com/news183380986.html

Sehr geehrter Herr Dr.Plaga, es ist sicherlich begründbar, sich sehr zurückhaltend mit Nichtfachleuten über LHC-Risikoszenarien zu unterhalten. Ebenso ist es einsichtig, wenn Fachleute in dieser wichtigen Angelegenheit den öffentlichen Blogs - so gut es geht - aus dem Wege gehen.
Aber es gibt Situationen, wo dieses Verhalten nicht sinnvoll ist, sogar kontraproduktiv gegenüber der Zielsetzung einer sachbetonten Vermittlung schwieriger wissenschaftlicher Sachverhalte zu einem hochbrisantem Thema.

Es bestehen zahllose Möglichkeiten, bestimmte Passagen und Ausdruckweisen im G&M Papier oder in dem bekannten Risikopapier von Ihnen selbst, Herr Plaga, (siehe 9 Aug 2009: http://arxiv.org/abs/0808.1415) dem interessierten und vorinformierten Laienpublikum allgemeinverständlich zu erläutern.

Zum Beispiel ist im G&M Papier mehrmals die Rede von „precise form of the evolution in this regime is not completely understood.
Wie ist der wissenschaftliche Stellenwert eines solchen Satzes zu werten?

Natürlich: Hauptaugenmerk wird der geradezu reißerische Abschnitt finden, in welcher auf eine doomsday Spekulation aufmerksam gemacht wird:
//…./// EDIT 21.02.2010 - censored due to Dr.Plaga’s explicit disagreement of of republishing this information dated 21.january 2009 ///….///

Trotz spekulativen Charakters beruht dieser Hinweis doch offensichtlich auf seriöser wissenschaftlicher Analysearbeit und zeigt bei aller Unwahrscheinlichkeit doch die Dimension auf, in der wir uns befinden: es ist die ungewollte Option auf eine unbarmherzige sofortige Totalvernichtung allen Lebens und aller terrestrischen Geologie!

Ich habe noch zwei Einzelfragen zu dem fachlichen Inhalt der obigen Mail-Unterhaltung:
Stimmt es, dass sich die wirklich griffigen Beweise für die LHC Sicherheitsdiskussion einzig und allein auf die Existenz des Sternentyps ´Weiße Zwerge´ konzentrieren?

Ist es richtig, dass stringtheoretische Alternativen zu dem von Cern bislang favorisierten 10 -dimensionalen heterotischen Stringmodell in der internationalen Forschung nur noch wenig Beachtung finden? Gemeint sind Alternativen wie z.B.: D=5, D=6 (jeweils Version G&M) oder D=5 (nach dem RS2 Modell).

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Sehr geehrter Herr Plaga, in gesellschaftspolitische und wissenschaftspolitische Erörterungen werden Sie vermutlich nicht einsteigen wollen? Diejenigen, die dazu berufen wären, sind allerdings noch nicht auf dem Bewusstseinsstand, bei dem LHC Thema mehr als nur eine der üblichen Foren-Diskussionen im Internet zu sehen.
Ein renommierter Professor für Sozialpsychologie hat mir unlängst gestanden „..da ich in der CERN-Angelegenheit kaum mehr weiss, als das was Dan Brown in seinem Vatikanthriller geschrieben hat, sehe ich mich noch überfordert zu der Angelegenheit Stellung zu beziehen“ – also das kann dauern bis dieser eigentlich „zuständige“ Personenkreis an der gesellschaftspolitischen Risikodiskussion über Cern teilnimmt und von seiner politischen Verantwortung Gebrauch macht.

Wir LHC Kritiker haben uns fast alle über das Internet-Bloggen kennengelernt. Sollte es ja in Bälde zu einer deutlich vorsichtigeren Gangart der LHC Betreiber kommen, dann verdankt das die Welt zu einem guten Teil der kommunikativen Aktivität der Blogger!
Einige von uns müssen die notwendige Kärnerarbeit tun (an möglichen und unmöglichen Stellen anrufen, Flugblätter erarbeiten und verteilen, und sich häufig ´zum Affen´ machen). Der nicht sensibilisierte Normalbürger sieht in uns Kritikern eine durchgedrehte Weltuntergangssekte.

Den möglichen Stellenwert des Cern in dem weltweiten Wissenschaftsmanagement-Gerangle möchte ich durch ein gestückeltes Zitat aus Martin Bojowald (Zurück vor den Urknall, Frankfurt 2009, S.328 ff) wiedergeben:

Die Wissenschaft kann die Möglichkeit eines Fehlweges nie ausschließen, wohl aber dessen Wahrscheinlichkeit reduzieren…. Es ist schädlich, wenn die Gesamtheit aller Wissenschaftler eines Gebietes, wie zum Beispiel der Quantengravitation, kritiklos an den gleichen Verfahren arbeitet….
Eine zu starke Herausbildung von wissenschaftlichen Bünden – geheim oder offen – ist sicher von Nachteil, da individuelles Forschen zu leicht unterdrückt wird. Am Ende einer Wissenschaft, so hofft man, steht die Wahrheit.…Gelangt eine bestimmte Forschungsrichtung einmal zu einer einflussreichen Position, was oft von Zufällen oder Modeerscheinungen bestimmt wird, so wird sie durch Einwerben von Geldmitteln und die Einflussnahme auf die Neubesetzung von Stellen leicht noch stärker…..Forschungspolitisch ist es geradezu von Interesse für ein aufstrebendes Gebiet, die unmittelbare Konkurrenz von alternativen Zugängen zu unterdrücken…
Trotz der berauschenden Fortschritte der Wissenschaft muss man sich immer deren Limitierungen bewusst sein, … Beispiele hierfür haben wir gesehen: die weite Landschaft von Lösungen in der als eindeutig verkauften String-Theorie …

In der Hoffnung auf ein Antwortzeichen
Verbleibe ich mit herzlichen Grüßen

Dr.phil. Georg Petera
51465 Bergisch Gladbach
Bergstr.18
Georg.petera AT web DOT de

2010-02-14 | achtphasen | 19:57:50 | Email | 2 comments




 

Comment from: Dr.Georg Petera [Visitor]
Der Schweige-Bann soll gebrochen werden. Als Blogautor möchte ich nun selbst kommentieren. Von Herrn Dr. Plaga wird vermutlich keine Antwort mehr eintreffen – aus welchem Grund auch immer. Einige interessierte Personen wollten vermutlich die Plaga Antwort abwarten – das entnehme ich den Mails, die bei mir (georg.petera@web.de) eingetroffenen sind.

Im deutschen (z.T. auch angelsächsischen) Sprachraum sind zwei Wissenschaftler, nämlich Prof. Rössler und Dr.Plaga mit Warnungen vor einem möglicherweise schlechten Ausgang der LHC Teilchenforschung an die Öffentlichkeit getreten (Dr.Plaga hauptsächlich in Form eines wissenschaftlichen Aufsatzes http://arxiv.org/abs/0808.1415.)

Der Astrophysiker Dr.Plaga hat unter den LHC Kritikern eher den Ruf eines übervorsichtig, streng sachlich auftretenden Wissenschaftlers. Trotz der Horrorbotschaft einer baldigen Unbewohnbarkeit der Erde (immer unter der Voraussetzung, dass das Modell die Wirklichkeit richtig beschreibt) spricht Plaga zurückhaltend von einem ´Restrisiko´ und plädiert für ein vorsichtiges (stufenweises) Hochfahren des LHC.

In der Befragung zum G&M Papier (Giddings & Mangano) wird offenbar, dass auch bei G&M Risiken diskutiert werden (jeweils für die Fälle D=5 , D=6), -d.h. Erde-Vernichtungszeiten anskizziert werden, die deutlich unterhalb des anzunehmenden geologischen Zeitalters liegen!

Grundsätzlich wird zwischen zwei qualitativ unterschiedlichen Entwicklungsphasen unterschieden: Phase I geschieht unter Umständen sehr schnell, d.h. das Wachstum des Schwarzen Loches ist exponentiell. Der Übergang zu Phase II hat etwas mit dem Verhältnis der Länge der Extradimension zu der Größe (Horizont, Radius) des Schwarzen Loches zu tun. Phase II dauert wesentlich länger und bewegt sich in der Größenordnung von mehreren hunderttausend Jahren. Im Zusammenhang mit Phase I hat Dr.Plaga auf eine weitere Möglichkeit hingewiesen, die vermutlich bei einigen LeserInnen zu alptraumhaften Schlafzeiten geführt hat.

Es ist in der Tat der absolute Mega-Horror! Und zwar für den Fall, dass Phase II gar nicht zustande kommt, sondern es bei ´Größengleichstand´von Dimensionslänge und SL-Größe zu einem Zerfall in kleinere Schwarze Löcher käme.
Viele LeserInnen werden sich nicht damit beschwichtigen lassen, dass dies ja „nur“ eine Spekulation sei. Es scheint im Bereich des Möglichen zu liegen, was Plaga in dem Interview ausführt:

„…in diesem Fall wäre die Akkretion IMMER exponentiell und die Erde würde praktisch auf der dynamischen Zeitskala (Zeit, die es braucht in sich zusammenzufallen) also ca. eine Stunde vernichtet“ http://arxiv.org/abs/hep-th/0207084

Diese night mare Vision muss erst einmal verdaut werden!
Das ist noch stärkerer Tobak als die Warnungen von Prof. Rössler. Und man muss dabei auch sehen, dass Prof. Rössler seine Angaben nicht mit einem durchformalisierten Modell belegen kann (das oft zitierte R-Theorem bezieht sich nicht auf die SL-Wachstumszeit, sondern auf die hypothetische Beweisführung, dass es keine Teilchen-Abstrahlung - d.h.Hawking-Strahlung - bei einem SL geben könne).

Natürlich muss man bei einer allgemeinwissenschaftlichen Bewertung (eine streng fachwissenschaftliche Begutachtung ist Fachleuten der Teilchenphysik vorbehalten) berücksichtigen, dass hier von Dr. Plaga eigens auf den spekulativen Charakter dieser Studie hingewiesen wird, der neben dem hypothetischen Charakter des Zutreffens der Stringtheorie und - damit auch des Bestehens von Extraräumen - auch die weitere Hypothese ´Zerfall in noch „kleinere Schwarze Löcher“´ mit einschließt.

Auch der Physiklaie kann nun schlussfolgern: dass der Zerfall in noch kleinere Schwarze Löcher eine Art Lawineneffekt bedeutet, also die ´Wucht´ der exponentiellen Zunahme sich auch auf das exponentielle Anwachsen der Zahl der mikrokleinen Schwarzen Löcher bezieht.

Alles in allem der Riesenhorror und es wäre eigentlich angebracht, dieses schreckliche Vernichtungspotenzial, welches den LHC Experimenten innewohnt, in der Öffentlichkeit zu diskutieren.

Das zu vermutenden Gegenargument der LHC Befürworter, dass hier Panik ausgelöst würde, gilt nicht. Feuerpolizeiliche Schutzverordnungen könnten nie in Anspruch genommen werden, kein Feuer jemals gelöscht werden, wenn die Angst vor der Panik größer wäre als die Angst vor dem Eintrittsfall, also die Angst vor der Katastrophe selbst.
Die durch berufsständische Sorgen motivierten Cern-Physiker haben es irgendwie fertig gebracht, die Aufsichtspflicht der beteiligten Länder zu lähmen. Es gibt auch keine normale Berichterstattung über das Thema. In den Redaktionsstuben der großen Zeitschriften hat sich kollektive Dummheit breitgemacht. Das straffe neoliberale Regiment in den großen Redaktionen unterdrückt offensichtlich die kritischen Impulse der Wissenschaftsjournalisten. Man möchte um keinen Preis den Unfall der schlampig recherchierten Hitler-Tagebücher (Zeitschrift Stern in den 80 -iger Jahren) wiederholen. Aber auch die Wiedergabe der Cern-Verlautbarungen sind schlampig recherchiert – wie beispielsweise das unkritisch bis falsch wiedergegebene Moskito-Argument (nicht nur Spiegel-Online hat sich hier im Frühjahr 2008 blamiert) zeigte.
Es ist vor allem notwendig, den gesellschaftlichen Ansatz bei dieser schrecklichen Thema weiter zu verfolgen. Vielleicht fällt hierzu einem anderen Kommentator etwas Nützliches ein?
PermalinkPermalink 2010-02-19 | 17:50
Comment from: Alf Pretzell [Visitor]
Vielen Dank für den Aufruf!

Wie Sie vielleicht wissen Herr Dr. Petera habe ich Beruf und Ruf in die Waagschale geworfen und so einiges unternommen - Ihnen sicher auch durch die email-Korrespondenz bekannt.

Es hat nur zu weiterer persönlicher Einsicht geführt, nicht zu verändertem Verhalten meiner Kollegen. Dies ist nicht nichts, aber in diesem Falle nahezu nutzlos. Ich stimme Ihnen daher zu

"Es ist vor allem notwendig, den gesellschaftlichen Ansatz bei dieser schrecklichen Thema weiter zu verfolgen."

... denn wir sind einfach zu wenige um einen solch epochalen Fehler austarieren zu können - unter uns befindet sich sogar kein einziger Teilchenphysiker. Meine Gedanken hierzu

http://www.achtphasen.net/index.php/2010/04/13/p1640

... mit ähnlichem Ergebnis.

Versuche starte ich dennoch täglich.
PermalinkPermalink 2010-04-30 | 18:17
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