Otto E. Rössler, Chaosforscher, Universität Tübingen
“Wer als erster Ihr die Gefahr beweisendes Theorem widerlegt, bekommt eine
Million“, sagte ein Unbekannter zu mit. Die zugrundegelegte Währung blieb
ungenannt. Ich bin mir aber sicher, dass sie in den nächsten Tagen immer härter
werden wird. Denn keinem helfen seine Millionen mehr, wenn es zu spät ist.
Mein “gotisches-R Theorem“ ist seit 2½ Jahren unwiderlegt. Vor 1½ Jahren
wurde deshalb weltöffentlich eine wissenschaftliche Sicherheitskonferenz vor
dem CERN-Start verlangt. Das CERN startete ohne sie am 10. September 2008.
Ein glückliches Geschick verhinderte 9 Tage später das Kritischwerden des
Experiments. Der zweite Start erfolgte vor wenigen Tagen – heimlich. Sobald
das Experiment kritisch wird, ist es zu spät zum Handeln. Doch keiner regt sich
öffentlich auf. Alle Weltorganisationen und Presseorgane sind eingebunden.
Irgendjemand in der Wissenschaft, dem alle vertrauen, muss gesagt haben:
“Ich garantiere, dass nichts passiert“. Das ist wunderbar. Nur: warum dürfen
wir nicht seinen Namen erfahren und in sein Gesicht sehen? Wer ist der
Weltweise, der mit seinem Wort und seinem Leben für uns alle einsteht als der
neue wissenschaftsgetragene Messias? Wenn Du es bist, Stephen Hawking:
bitte gib es zu. Ein Papst ist schon vor Dir niedergekniet, um Dich zu bitten,
weiter die katholische Big-Bang-Theorie zu unterstützen. Nun brauchst Du nur
ein Wort zu sagen, und die Welt wird auch Dein zweites Postulat – dass
Schwarze Löcher verdampfen – als Dogma akzeptieren.
Warum hast Du Dich geweigert, mit mir zu sprechen? So muss es die ganze
Welt miterleben, wenn Du – der unbestritten tapferste und klügste Mensch der
Welt – ausnahmsweise Unrecht haben solltest. Unser Gespräch mit offenem
Ausgang muss nun weltweit vor Fernsehkameras stattfinden. Der Papst darf
moderieren.
Denn nur so kann die Tatsache gerechtfertigt werden, dass das CERN – die
Europäer – zweimal versucht haben, die Sicherheitsvorschriften des gesunden
Menschenverstands zu umgehen: Das erste Mal öffentlich, das zweite Mal
heimlich. Obwohl in beiden Fällen – und vor allem beim zweiten Mal –
genügend Zeit für eine vorherige Sicherheitskonferenz gewesen wäre. Die
Frage, ob die im Experiment möglicherweise entstehenden kleinen Schwarzen
Löcher den Planeten in kurzer Zeit von innen auffressen können, muss vor dem
Experiment ausdiskutiert werden. Selbstaufopfernde Gläubigkeit ist schön,
Ehrlichkeit ist besser. Die Demut verlangt Offenheit, wenn das Leben in Gefahr
ist.
Für J.O.R.
01.11.09