Sh. Dokument CERN-PH-TH/2008-025
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Im Folgenden wird Bezug genommen auf die dem LSAG-Report angegliederten
Expertisen von Giddings & Mangano [1] sowie Koch & Stöcker & Bleicher [2].
Eine Übersichtstabelle der Akkretionszeiten soll helfen, die in [1] und [2]
getroffenen wissenschaftlichen Aussagen besser verständlich zu machen
(Details sh. bitte diese
Arbeitstabelle).
In einer Facharbeit zu einer Wahrscheinlichkeitsanalyse - kosmische Katastrophen betreffend -
von N. BOSTROM und M. TEGMARK aus Dezember 2005 finden sich folgende Ausführungen:
“One might think that since life here on Earth has survived
for nearly 4 Gyr (Gigayears), such catastrophic
events must be extremely rare.
Unfortunately, such an
argument is flawed, giving us a false sense of security.
It fails to take into account the observation selection effect
[5, 6] that precludes any observer from observing
anything other than that their own species has survived
up to the point where they make the observation. Even
if the frequency of cosmic catastrophes were very high,
we should still expect to find ourselves on a planet that
had not yet been destroyed. The fact that we are still
alive does not even seem to rule out the hypothesis that
the average cosmic neighborhood is typically sterilized
by vacuum decay, say, every 10000 years, and that our
own planet has just been extremely lucky up until now.
If this hypothesis were true, future prospects would be
bleak.
We propose a way to derive an upper bound on cosmic
catastrophe frequency that is unbiased by such observer
selection effects.”
Übersetzung (des Autors der Akkretionszeitentabelle / Übersicht):
‘Man könnte denken, dass, da das Leben hier auf der Erde für fast 4 Milliarden Jahre
erhalten geblieben ist, solche Katastrophenereignisse äußerst selten sein
müssen.
Leider ist solch ein Argument fehlerhaft und vermittelt uns ein falsches Gefühl
der Sicherheit.
Es versäumt, den Beobachtungsauswahleffekt mit zu berücksichtigen,
welcher jeden Beobachter davon ausschließt, irgendetwas außer dem zu beobachten,
- nämlich, dass seine eigene Art erhalten geblieben ist - ,
bis genau zu dem Zeitpunkt, wo die Beobachtung getätigt wird.
Selbst wenn die Häufigkeit von kosmischen Katastrophen sehr hoch wäre,
sollten wir uns immer noch auf einem Planeten wiederfinden,
der noch nicht zerstört worden ist.
Die Tatsache, dass wir immer noch lebendig sind, erscheint nicht einmal
die Hypothese auszuschließen, dass die durchschnittliche kosmische Nachbarschaft
normalerweise alle 10000 Jahre vom Vakuumverfall ’sterilisiert’ wird und
dass unser eigener Planet bis zu jetzigem Zeitpunkt gerade äußerst glücklich gewesen ist.
Wenn diese Hypothese zutreffen würde, wären zukünftige potentielle
Aussichten ziemlich freudlos.
Wir schlagen eine Vorgehensweise vor,
eine obere Beschränkung zu einer kosmischen Katastrophenhäufigkeit
abzuleiten, die erwartungsgetreu durch solche
Auswirkungen der Beobachtungsselektion unbeeinflusst ist.’
Nun, Adrian KENT hat noch im Dez. 2005 die Arbeit
“How Unlikely is a Doomsday Catastrophe” v. Bostrom u. Tegmark
kritisch kommentiert - demnach muß der mathematische Ansatz dieser
hochinteressanten Expertise überdacht werden. Nichtsdestotrotz
wird hier ein Beispiel dafür geliefert, mit welcher scharfsinnig ausgedachten Methodik
scheinbar nicht zu erhaltene Daten dennoch gewonnen werden können - und dies auf
einer astronomischen Datenbasis (Lineweaver et al.).
Die Auswertung der G&M-Arbeit in Form einer vorläufigen tabellarischen Übersicht
ergibt nach Meinung des Tabellenautors für Weisse Zwerge Akkretionszeiten
im Bereich von ü b e r 1,8 Milliarden Jahre und
für Neutronensterne von ü b e r 300000 Jahren.
Für andere interessante Sternklassifikationen wäre die Tabelle ggf. noch erweiterbar
(Daher wurden beispielhaft die Himmelskörper mit hineingenommen, welche in
der Arbeit [2] erwähnt sind.).
Im Sinne des Denkansatzes von Bostrom/Tegmark wären vorhandene Stellarstatistiken
zu analysieren, um Schranken der Akkretionszeiten zu ermitteln
(um kritische Akkretionsfälle letztendlich auszuschließen).
Eine derartige Untersuchung mittels eingehender Stellarstatistiken
kann der Tabellenautor im CERN/LSAG-Report nicht vorfinden.
Auch wäre z.B. die räumliche Verteilung besonders alter stellarer, kompakter Objekte interessant.
In der Arbeit [1] von G&M verläßt man sich auf das Vorhandensein alter, kompakter
stellarer Objekte und schöpft das übrige vorhandene astronomische Datenmaterial
nicht abschließend aus.
Bei G&M [1] wird der Begriff Beobachtungsauswahleffekt erst gar nicht benutzt!
Die Arbeitstabelle der Akkretionszeiten (Vers. 17 mit Stand v. 7.6.2009)
möge weiter ergänzt oder berichtigt werden - im Sinne der
Herbeiführung einer überzeugenden Klarheit der Sicherheitsargumentationen.
R.U., 7.6.2009