von Otto E. Rossler, Universität Tübingen
Vier einfache Resultate, lassen zusammengenommen das LHC-Experiment hochgefährlich erscheinen. Die dadurch gewonnene Aktualität hat ihre wissenschaftliche Akzeptanz behindert, da die Zeit für die Ausbildung eines wissenschaftlichen Konsenses von Haus aus länger dauert.
Ihre Einfachheit macht die Tübinger Resultate zusätzlich suspekt in einer Zeit, wo die Wissenschaft immer abgehobener wird. Ein Aufbruch junger Männer erweckt leicht Ängste - wie die tapferen Boat-People, deren Initiative nicht als Zukunftschance eines vergreisten Kontinents erkannt wird.
Das ERSTE Tübinger Physikresultat lautet: Die Oberfläche eines Schwarzen Loches (der sogenannte Horizont) ist immer unendlich weit weg - auch wenn man um es herumfliegen kann.
Das ZWEITE lautet: Schwarze Löcher sind ungeladen.
Das DITTE: Supraflüssigkeiten sind reibungsfrei für schnellfliegende Mikroteilchen.
Das VIERTE: Alle Quasare sind rotationssymmetrische Kleiner-Attraktoren.
Ich gehe in der Besprechung der 4 Punkte rückwärts, da nur der erste Punkt schwierig ist..
Punkt VIER heißt, dass es so wie im Weltall auch in der Erde zur “Quasarbildung” (im Mikroformat) kommt, wenn sich in ihr ein stabiles Mini-Schwarzes Loch einnistet. Die Folge ist dasselbe exponentielle Wachstum wie bei den großen Cousins - den aus Milliarden Sonnenmassen bestehenden Quasaren und den aus einer einzigen Sonnenmasse bestehenden Mikroquasaren. Die behauptete Fortsetzung dieser Hierarchie nach unten ist nichts als angewandte Chaostheorie.
Punkt DREI besagt, dass Neutronensterne (die supraflüssig sind) durch die einschlagenden Mini-Schwarzen Löcher aus der Höhenstrahlung nicht gefährdet sind. Herr Kollege Landua vom CERN stellte am 4. Juli 2008 hierzu ein spezielles Experiment am CERN (wo es die weltweit grössten Mengen an supraflüssigem Helium gibt) in Aussicht.
Punkt ZWEI (Ungeladenheit) widerspricht dem Gauss-Stokes-Theorem der Elektrostatik, das besagt, dass die aussen spürbare Gesamtladung einer Hohlkugel nicht durch Veränderungen in ihrem Innern beeinflussbar (im voriegenden Fall: verminderbar) ist. Die bisher problemlose Verknüpfung von Allgemeiner Relativitätstheorie und Elektromagnetismus wäre aufgehoben. Etwas so Weitgehendes passiert nur ganz selten in der Wissenschaft..
Die Beweislast liegt nun bei Punkt EINS. Mit diesem Resultat steht und fällt der Rest. Die Tübinger Chaos-Schule (Fröhlich, Kuypers, Kleiner, Argyris) hat im Lauf der Jahre einiges darüber publiziert, dass sich Grössen und Entfernungen proportional zur beobachteten Rotverschiebung verändern, was unbeachtet blieb. Erst als es gelang, das Resultat in der Schwarzschildmetrik - einer anerkannten Lösung der Einsteingleichung selbst - wiederzufinden, ging der gegenwärtige Sturm los.
Dabei ist das Resultat der rotverschiebungsproportionalen relativen Abstandsvergrösserung wohlbekannt. Es ist nur seit neun Jahrzehnten in Vergessenheit geraten. Licht, das vom Horizont aufsteigt, ist nicht nur unendlich frequenzverlangsamt (rotverschoben), sondern braucht auch unendlich lang, um die Aussenwelt zu erreichen. Im Einklang damit braucht Licht auch unendlich lang, um von aussen nach unten zum Horizont zu gelangen. Das heisst, die “Radarentfernung” des Horizonts von der Aussenwelt ist unendlich.
Wo liegt dann das Problem? In Wirklichkeit gibt es keins. Aber ein berühmtes zweites Resultat über Schwarze Löcher übt - sozusagen vom Unterbewusstsein aus - fälschlich eine ausradierende Wirkung auf das erste aus. Es wurde 1939 von Oppenheimer und Snyder entdeckt und besagt: Man kann als Astronaut in ein grosses Schwarzes Loch in endlicher Zeit hineinfallen! (Und wenn am Horizont ein genügend elastisches Trampolin aufgespannt wäre, käme man auch ebenso schnell wieder hoch.) Also haben sich alle beruhigt: Es ist alles wieder normal mit der Entfernung eines Schwarzen Loches, um das man ja auch herumfliegen kann, wie wir sahen, oder das man, wenn es genügend klein und manipulierbar wäre, sogar in der Hand halten könnte. Dieser wiedergewonnene Glaube an die im Effekt endliche Entfernung des Horizonts von der Aussenwelt ist unberechtigt.
Die Wahrheit ist, dass auf jedem der beiden vom Astronauten so elegant bewältigbaren Schenkel seiner Reise zu einem großen Schwarzen Loch und zurück in der Aussenwelt unendlich viel Zeit vergeht! Die Erklärung für den Widerspruch: Die Uhren des Astronauten waren unendlich verlangsamt! Igor Novikov drückt es so aus: “Radiowellen werden unendlich weit zum Gravitationsradius [Horizont] herunterwandern und werden niemals zu dem Beobachter, der sie ausgeschickt hat, zurückkehren” ("Black Holes and the Universe", 1990, Seite 24). Und Kip Thorne sagt: “Wenn eine unendliche Menge an äusserer Zeit verstrichen ist, hat das [fallende] Teilchen nur eine endliche und sehr kurze Zeitspanne erlebt” ("Black Holes and Time Warps", 1994, S. 292). Das gilt jeweils für beide Schenkel der Reise. Wenn das nicht so wäre, wäre der Astronaut ja schneller als das Licht (er braucht insgesamt doppelt so lang).
Das geschilderte in keiner Weise neue (nur aus dem Bewusstsein geschwundene) Resultat hat drei sekundäre Konsequenzen:
a) Die Bildung des Horizonts eines Schwarzen Loches dauert notwendig unendlich lang von aussen gesehen, bis er ganz fertig ist. Trotzdem sind die meisten der Eigenschaften eines SchwarzenLoches (wie Schwärze und riesige effektive Entfernung) schon vorher in guter Näherung erreicht..
b) Keine Strahlung kann in effektiv endlicher Zeit aus der Umgebung des Horizonts entweichen.
c) Unten ankommende Ladungen sind nach aussen wegen der großen Entfernung unwirksam.
Die geschilderten Befunde sind unpopulär. Der Versuch, sie zu publizieren, stösst auf grossen Widerstand. Ein Herausgeber wurde nach der Zusage vorläufig seines Postens enthoben und das sonst unparteiische “arxiv” macht Schwierigkeiten, den Vorabdruck aufzunehmen. Das CERN lässt sich zwar vom Inhalt der Arbeit anregen, gegenteilige Behauptungen aufzustellen (Neutronensterne bewiesen die Sicherheit des Experiments) und seinen früheren Glauben an die mögliche Bildung von Schwarzen Löchern zu dementieren, vermeidet aber jede Zitation. Woher dieser Boykott eines neuen uralten Befundes?
Es könnte damit zusammenhängen, dass der Befund suggeriert, dass man sich ein anschauliches Bild von den Vorgängen um ein Schwarzes Loch machen kann. Und dass neue differentialgeometrische Strukturen benötigt werden (nicht nur Krümmung, sondern auch relative Streckung bzw. Stauchung). So etwas ist seit über 9 Jahrzehnten nicht vorgekommen. Und dass die Verbindung zur Elektrodynamik wieder neu aufgerollt werden muss. Auch die Existenz von Gravitationswellen wird erneut fraglich und der Big Bang müsste umgeschrieben werden. Das alles nur, weil die Verlangsamung der Armbanduhren von Astronauten im gravitativen Zwillingsparadoxon des jungen Einstein aus dem Bewusstsein verschwunden ist? Obwohl es sich hier um das schönste Beispiel überhaupt handelt: unendlicher Altersunterschied nach der Rückkehr des verlorenen Zwillingsbruders.
Erst jetzt ganz am Ende folgt der Bezug zum geplanten LHC-Experiment am CERN: Die neue Ungeladenheit von Schwarzen Löchern bedeutet, dass die bekanten geladenen “Punktteilchen” (wie Elektronen) nicht maximal kompakt sein können, sondern “stringförmig” sein müssen. Es gäbe also schon Strings! Mini-Schwarze Löcher wären dann auf einmal nichts Exotisches mehr: Die Wahrscheinlichkeit, dass sie im LHC entstehen, würde dramatisch anwachsen. Dazuhin würde die Ungeladenheit ihre natürlichen Cousins (aus der mit örtlichen Protonen zusammenprallenden Höhenstrahlung) ungefährlich machen: Nicht nur für die Erde, sondern für alle Himmelskörper (einschließlich der Neutronensterne dank eines speziellen Quanteneffektes, wie wir sahen). Solch eine “Verschwörung” der Natur gegen die Menschen - dass ein einziges in Vergessenheit geratenes Resultat eine so raffinierte Gefahrenbündelung nach sich ziehen sollte - ist a priori fast unendlich
unwahrscheinlich.
Durch das Denken entstehen bekanntlich die ganzen Irrtümer. Die Rückkehr zum Einsteinschen “Grübeln” ist ein ausserordentlich mühsames Geschäft. Nur junge Menschen (und uralte wie der späte John Argyris) haben dabei eine Chance. Deshalb wage ich es hiermit, die jungen Wissenschaftler der dritten Welt zu bitten, die bereits am 18. April 2008 weltöffentlich aufgestellte Forderung nach einer wissenschaftlichen Sicherheitskonferenz zum LHC-Experiment durch einen Aufruf zu unterstützen. Vor wenigen Tagen bot mir eine hoffnungsvolle wissenschaftliche Zeitschrift aus ihrer Mitte an, meine Arbeiten bei ihr zur Publikation einzureichen. Das war die grösste Ehre, die ich mir vorstellen kann. Denn Wissenschaft ist Freundschaft. Sie ist das Gegenteil von Krieg, solange sie nicht missbraucht wird.
Als Tagungsort schlage ich erneut die Sommeresidenz des Papstes vor.
Zusammenfassung: Es ist möglich, mit mentalen Bildern Physik zu machen. Einstein nannte das “Grübeln". Inzwischen haben sich so viele rein formale Resultate angesammelt, dass eine “Rückkehr zu den Bildern” lebenswichtig wird. Die derzeitige LHC-Krise - dass mit allen Mitteln vollendete Tatsachen geschaffen werden sollen, bevor ein theoretischer Konsens bezüglich der Sicherheit erzielt ist - zeigt, dass die Umkehr im Denken überlebensnotwendig ist. Die Einfachheit und die hoffnungsvolle Begeistertheit einer jugendgetragenen “Barfussphysik” wird eingefordert.
Für J.O.R. (2. April 2009)
2009-04-02 | achtphasen | 19:42:15 |
| 10 comments
ich bin sehr erfreut einen mir stringent erscheinenden Widerlegungsansatz des revidierten R-Theoremes veröffentlichen zu dürfen!
Ich habe soeben (- vielleicht etwas voreilig, weil ohne mich mit Ihnen zu besprechen? -) Ihre sehr geschätzte Arbeit auch auf ac publiziert, dies weil Sie dort ja keine Schreiberechte mehr haben.
Ich freue mich sehr, dass gerade Sie, als von Galileo aus alpha-centauri weggesperrter Sachverständiger, zumindest potentiellerweise DER Widerleger Professor Rösslers R-Theoremes sind!
Ich freue mich auf die Reaktion Professor Rösslers und werde gerne eine möglichst faire Debatte ermöglichen.
Falls sich erweisen sollte, dass Sie Herrn Rösslers Theorem erfolgreich widerlegt haben - ich kann das so schnell nicht abschätzen - bin ich auch aus persönlichen Gründen sehr erfreut; ich kann mich dann beruhigt endlich wieder anderem widmen.