sh. bitte Frankfurter Allgemeine Zeitung NR. 71 - SEITE N1 MITTWOCH, 25. MÄRZ 2009
Ein Geschlecht
Einem massereichen Stern ist den Erkenntnissen der Astronomen zufolge ein dramatisches Ende beschieden. Er explodiert als Supernova, und zurück bleibt ein extrem dichter Neutronenstern. Die Rechenmodelle liefern den Forschern zusätzliche Informationen. Eine Supernova des Typs II beispielsweise, so lehrt der Computer, kann nur aus einem Stern entstehen, der mindestens acht- oder neunmal so viel Masse wie die Sonne hat, und zwar aus einem Roten Überriesen. Das müsste sich eigentlich leicht überprüfen lassen, braucht man doch nur zu schauen, was für ein Stern an der Stelle der Supernova gestanden hat, bevor diese aufgeleuchtet hat. Doch gemach, die exakte Übereinstimmung der Positionen ist kaum zu belegen. in der Praxis findet das Ereignis dafür meist in zu großer Distanz statt. Als gesicherter Vorläuferstern wird deshalb im Allgemeinen nur jenes Objekt anerkannt, das nach der Explosion definitiv verschwunden ist — was man erst nach Jahren erkennt, wenn der sich ausbreitende Supernova Überrest die Himmelsregion nicht mehr überstrahlt. In der jüngsten Aus gabe der Zeitschrift „Science” haben nun zwei Astronomen das Verschwinden der Vorläufersterne der Supernovae 2003gd und 1993J verkündet und behauptet, ihre Beobachtungen belegten definitiv, dass Supernovae des Typs II tatsächlich aus Roten Überriesen entstünden. Für die Supernova 1993J hatten sie allerdings schon im Jahr 2004 das Verschwinden des roten Vorläufers bemerkt, und auch sonst scheinen ihre Ergebnisse recht luftig zu sein. Dass die 1987 in, der Großen Magellanschen Wolke beobachtete Supernova des Typs II — die erste, deren Vorläufer anhand seines Verschwindens sicher identifiziert wurde — aus einem Blauen Überriesen entstanden war und damit die Modelle erschütterte, verschweigen sie. Und sie weisen nur am Rande auf die Supernova 2005gl hin, deren Vorläufer — offenbar ein leuchtstarker blauer Stern mit rund hundert Sonnenmassen — erst recht kein Roter Überriese war und somit ebenfalls die Supernova-Modelle in Frage stellte, wie zwei andere Autoren in einem am Sonntag von der Zeitschrift „Nature” freigegebenen Artikel berichten. Womit von allen vier identifizierten Vorläufern, die den Astronomen bekannt sind, zwei — also fünfzig Prozent — zu den Ausnahmen zählen. Ein wunderbares Ergebnis, gleichwertig der Aussage, alle Menschen seien Männer. Oder hieß es, alle Menschen seien Frauen? G.P.”Hervorhebungen vorgeschlagen von R.U.
2009-03-28 | achtphasen | 03:36:40 |
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