Eine Studentin der US-amerikanischen Elite-Universität Princeton hat den Entwicklern des Compact Muon Solenoid (CMS)-Experiments, einer der wichtigsten Komponenten des weltgrößten Teilchenbeschleunigers LHC (Large Hadron Collider), fehlerhafte Berechnungen der Detektor-Hardware nachgewiesen. Wie die Universitätszeitung The Daily Princetonian am Montag berichtete, entdeckte die College-Studentin Xiaohang Quan im Rahmen ihrer Abschlussarbeit, dass ein CMS-Element fälschlicherweise Spuren sogenannter Teilchen-Jets doppelt aufzeichnet, was wiederum zu Fehlinterpretationen der Ergebnisse der Kollisionsexperimente führen kann.

Teilchen-Jets entstehen unter anderem, wenn Quark-Paare bei Kollisionen auseinandergerissen und anschließend neue Quark-Antiquark-Paare erzeugt werden. Die bei den Prozessen erzeugte Materie fliegt in Form eines Strahls (Jets) davon, dessen Form wiederum Aufschlüsse hinsichtlich des ursprünglichen Kollisionspartners erlaubt. “Wenn weitere Analysen gut verlaufen, kann die Entdeckung den Physikern helfen, die richtigen Auswahlkriterien zu treffen", erklärt Quan, die bei Professor Chris Tully studiert, einem renommierten Teilchenphysiker, der lange Jahre am LHC-Vorgänger LEP (Large Electron-Positron Collider) forschte.

Der Large Hadron Collider, der im September vergangenen Jahres wegen eines Schadens am Kühlsystem nach nur zehn Betriebstagen abgeschaltet werden musste und frühestens im Oktober wieder den Betrieb aufnehmen kann, soll dabei helfen, das sogenannte Standardmodell der Teilchenphysik, das den innersten Aufbau der Materie beschreibt, zu bestätigen oder zu erweitern. Das Modell ist unvollständig, weil es von einem masseerzeugenden Mechanismus ausgeht, der in Versuchen noch nicht abgesichert werden konnte. Deshalb ist eines der Hauptziele des LHC, die Existenz dieses sogenannten Higgs-Feldes zu beweisen – oder aber einen alternativen Mechanismus aufzudecken.

http://www.heise.de/newsticker/Studentin-spuert-Fehler-im-Large-Hadron-Collider-auf–/meldung/135014

2009-03-24 | achtphasen | 19:14:54 | Email | 3 comments




 

Comment from: ralfkannenberg [Visitor]
Hallo zusammen,

ich überlasse es den Lesern dieses Forums, einmal die teuersten Software-Fehler der Geschichte zusammenzustellen; da dürfen dann der fehlende Bindestrich in einem Fortran-Programm einer Mariner-Sonde zur Venus ebensowenig fehlen wie der Absturz einer NASA-Sonde auf dem Mars, weil man vergessen hatte, Inches in Meter umzurechnen. Bislang teuerster war meines Wissens ein Programm in der Steuerung der Ariane 5, bei dem es einen numerischen Überlauf gab, der aufgrund einer völlig falschen Bahnneigung die Rakete zur Selbstsprengung veranlasste.

Der nun entdeckte Fehler im LHC dürfte allerdings nicht den Sprung in die Top Ten schaffen, weil er ja vor der vollen Inbetriebnahme entdeckt wurde.

Freundliche Grüsse, Ralf Kannenberg
PermalinkPermalink 2009-03-24 | 19:55
Comment from: achtphasen [Member] Email
Sehr geehrter Herr Kannenberg, ich danke herzlich für die Listung weiterer Menschlichkeiten - Irren ist menschlich !!!

Sympathisch an der jungen Studentin aus Uebersee ist doch, dass sie das Wissen um den Fehler nicht für sich behalten hat um dem Tevatron im heissen Rennen um die Erstentdeckung des Higgs-Partikel samt zugehörigem Felde (- vor der neuen Sprachregelung wurde das HiggsPartikel, wie alle wissen, ja GodPartikel genannt -) weiteren Vorsprung zu verschaffen.

"Der Blinde muss den Lahmen führen" - von wem stammt dieser schöne Satz zur Wissenschaftlichkeit schon wieder?

Aber ich schweife ab, und von Belang ist der CMS-Detektor für die Entdeckung des HiggsFeldes ja wohl auch nicht?

Letztlich bleibt nur dem CERN ToiToiToi! zu wünschen - und dem Rest des Planeten, dass wirklich alle Risikoberechnungen so ganz auf der sicheren Seite zutreffend sein werden wie die Propagatoren der Weltmaschine sich sicher zu sein den Anschein machen.

freundliche Grüsse, Marc Fasnacht

p.s. ich bitte die LHC-Befürworterschaft mir meine Heiterkeit nachzusehen.
PermalinkPermalink 2009-03-24 | 20:12
Comment from: Kondensat [Visitor]
offenbar wird hier dieser vorgang zum anlass genommen, die kompetenz der CERN-mitarbeiter,-konstrukteure,-physiker in frage zu stellen.....wieder typisch für die hier vorherrschende meinung.

ich hingegen sehe in diesem vorgang eine wunderbare bestätigung des wissenschaftlichen prinzipes! es ist NICHT von belang, WER etwas publiziert, sondern WAS!

fazit: wenn eine studentin etwas richtiges formuliert, wird sie gehört. wenn ein professor falsches publiziert, wird es ignoriert.

ich finde das toll :-)
PermalinkPermalink 2009-03-24 | 20:28
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