Laughlin studierte Physik an der University of California in Berkeley und am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge und promovierte dort. Seit 1989 ist er Physikprofessor an der Stanford-Universität in Kalifornien, wo er u. a. zum fraktionierten Quanten-Hall-Effekt forschte. Die Physiker Daniel Tsui und Horst Ludwig Störmer hatten 1982 den gebrochenzahligen Quanten-Hall-Effekt in zweidimensionalen Elektronensystemen bei sehr tiefen Temperaturen und starken Magnetfeldern entdeckt. Laughlin fand die Erklärung für die unerwarteten Bruchteile von Elektronenladungen: Eine Quantenflüssigkeit war entdeckt worden, deren Anregungszustände so genannten Quasiteilchen mit gebrochenzahliger Ladung entsprechen. 1998 erhielt er gemeinsamen mit den Entdeckern des Effekts den Nobelpreis für Physik. Laughlins Erkenntnis gilt als Durchbruch beim Verstehen makroskopischer Quantenphänomene.
Laughlin vertritt Thesen über Gegenwart und Zukunft der Physik, die sich beträchtlich von der sonstigen wissenschaftlichen Meinung unterscheiden. So verurteilt er spekulative Theorien, insbesondere solche, die sich auf die Existenz einer Weltformel oder den Urknall beziehen, als “quasireligiös", da sie sich nicht auf messbare Fakten stützten. Die Urknalltheorie bezeichnet er als “nichts als Marketing". Die zukünftige Physik würde sich verstärkt mit makroskopischen Phänomenen wie der Selbstorganisation der Materie befassen, die nicht durch atomare oder subatomare Vorgänge erklärbar seien. Diese Auffassung führt Laughlin in seinem 2007 erschienenen Buch Abschied von der Weltformel aus.
SPIEGEL: Aber wird in der Wissenschaft nicht letztlich jede Idee einem solchen Test unterzogen, wie Sie ihn fordern?
Laughlin: Von wegen. Nehmen Sie nur den Fall des Wissenschaftsbetrügers Jan Hendrik Schön …
SPIEGEL: … dessen Betrug ja aufgeflogen ist.
Laughlin: … aber nur, weil jemand in seinem Labor geplaudert hat. Es gab da ein Problem, und das hatte absolut nichts mit ihm zu tun. Es ist das Problem von Firmen, die unter wirtschaftlichem Druck stehen. Da tun oder sagen Leute praktisch alles, nur um nicht gefeuert zu werden. Denn die Wahrheit kann beruflicher Selbstmord sein. Deshalb darf man wissenschaftlichen Aussagen, die in einer solchen Situation gemacht werden, niemals trauen.
SPIEGEL: Jetzt reden Sie von einem sehr kleinen Teil des Wissenschaftsbetriebs …
Laughlin: Überhaupt nicht. Meine persönliche Erfahrung sagt mir, dass wir es hier mit einem erschreckend weitverbreiteten Phänomen zu tun haben. Und es gibt sehr viele Wege, die Unwahrheit zu sagen. Zum Beispiel kann es reichen, wahre Dinge zu sagen, die aber irrelevant sind. Es gibt Massen von Experimenten, die schlicht nicht testen, was sie zu testen vorgeben. Oder man behauptet, herausgefunden zu haben, was alle ohnehin glauben. Dann können Sie ziemlich sicher sein, dass es niemand in Zweifel ziehen wird.
http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=55231886&top=SPIEGEL
2008-09-14 | achtphasen | 23:17:20 |
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