1. Warum hat sich das CERN juristische Immunität verleihen lassen?
2. Warum wird das CERN von nicht-unabhängigen Physikern supervisioniert?
3. Wie nehmen die beteiligten Staaten (die das CERN finanzieren) ihre politische Verantwortung wahr? Und wie machen sie diese Verantwortung gegenüber der Bevölkerung transparent?
4. Warum verweigert das CERN und das KET und sämtliche politischen Verantwortungsträger (und Galileo) das persönliche Gespräch mit den Kritikern? (bis auf das einmalige Gespräch zwischen Herrn Landua und Herrn Rössler am 4. Juli 2008) Und das seit Monaten?
5. Warum wird die ethische Dimension im Zusammenhang mit dem Experiment in keinem Safety - Report auch nur ansatzweise diskutiert? Warum wird z.B. der Ansatz von Hans Jonas ("Das Prinzip Verantwortung", Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation) schlicht ignoriert, dass es, begründet durch nicht mehr sicher zu prognostizierende, machtvolle Wirkungen moderner Technologien, ethisch verantwortungsvoller sein kann, der “Heuristik der Furcht” zu folgen, also der “Unheilsprognose” vor der “Heilsprognose” den Vorrang zu geben (weil hier die Priorität des Überlebens gegenüber dem Erkenntnisgewinn bestehen könnte) ?
6. Worin besteht die vorrangige Dringlichkeit und Ungeduld der Betreiber des Experimentes - in Anbetracht der gesellschaftlichen Irritation, die eine weitere, vehemente Verweigerung einer Sicherheitskonferenz hervorrufen könnte?
7. Warum erlaubt es sich das CERN, nach jahrelanger Bauzeit die Öffentlichkeit vor vollendete Tatsachen zu stellen?
8. Wo ist ein detallierter Kosten/-Nutzenplan einzusehen?
9. Existieren Mitschriften über die Verfahren der institutionellen Bewilligungsvorgänge (Ministerium für Bildung und Forschung) ?
10. Wie ist anschaulich zu machen, dass die im Folgenden diskutierten Einwände gegen die Vergleichbarkeit von Partikelkollisionen kosmischer Höhenstrahlung mit denen im LHC wirklich sämtlich substanzlos sind?
Aus dem wikipedia Artikel “LHC Sicherheit” ( http://de.wikipedia.org/wiki/LHC_Sicherheit )
2. Gegen die Behauptung, dass schwarze Minilöcher die Erde aufgrund der Existenz der Höhenstrahlung längst ausgelöscht hätten, wenn sie denn eine Gefahr darstellten, wenden die Kritiker ein, dass diese beiden Szenarien nicht vergleichbar seien. Im Gegensatz zu eventuell durch die Höhenstrahlung erzeugter schwarzer Minilöcher würden solche im LHC erzeugte teilweise nur einen sehr geringen linearen Impuls aufweisen. Während die von der Höhenstrahlung erzeugten schwarzen Minilöcher ähnlich wie ein Neutrino ereignislos durch die Erde hindurchfliegen würden, könnten einige der am LHC produzierten langsamer sein, im Schwerefeld der Erde verbleiben und sich allmählich mit Materie anreichern.[29] In welchem Zeitrahmen diese Anreicherung für den Planeten gefährlich werden könnte, ist umstritten. Während Rössler den Zeitraum von 50 Monaten in den Raum wirft [30]gehen die meisten Wissenschaftler von Zeiträumen von mehr als fünf Milliarden Jahren aus[31].
Im Juni 2008 ist eine Studie von Giddings/Mangano erschienen, die argumentiert, dass zwar die kosmische Strahlung hinsichtlich der Erde die Befürchtungen nicht widerlegt (da die Erde eine zu geringe Masse hat, um diese schwarzen Minilöcher abzufangen), dass aber Weiße Zwerge und Neutronensterne ebenfalls der kosmischen Strahlung ausgesetzt seien. Diese jedoch könnten schwarze Minilöcher aufgrund deren weitaus höherer Dichte nicht durchdringen. Dass besagte kosmische Objekte zweifellos existieren, wird als Beweis gesehen, dass von schwarzen Minilöchern keine Gefahr ausgeht[32].
Die Ergebnisse dieser Studie zieht eine am 10. August 2008 erschienene Arbeit von R. Plaga teilweise in Zweifel[33]. Plaga diskutiert, basierend auf einem Modell von Casadio/Harms[34], die Möglichkeit von “metastabilen” schwarzen Minilöchern, die zwar Hawking-Strahlung aussenden, dennoch über einen längeren Zeitraum stabil blieben. Deren vergleichsweise geringe Wirkung wäre auf weit entfernten Weißen Zwergen nicht nachweisbar, aber für irdische Verhältnisse würden sie trotzdem extrem große Energiemengen freisetzen, die entweder die Erde als Ganzes oder zumindest die unmittelbare Umgebung von Genf bedrohen könnten. Plaga schlägt deshalb konkrete Sicherheitsvorkehrungen für den Betrieb vor.
11. Woher legitimieren die Physiker ihre Sicherheit einer Vergleichbarkeit von Partikelkollisionen der Höhenstrahlung mit denen im LHC, da selbst Martin Rees diese in Zweifel zog: “Schnell fliegende Kerne treffen jedoch direkt auf die feste Oberfläche des Mondes, die solche Atome enthält. Solche Kollisionen haben sich während seiner ganzen Existenz ereignet. Der Mond ist aber trotzdem noch da, und aus dieser unbestreitbaren Tatsache zieht der Brookhaven-Bericht die tröstliche Schlussfolgerung, dass das geplante Experiment uns nicht auslöschen kann. Aber auch diese Kollisionen unterscheiden sich in einer möglicherweise bedeutsamen Hinsicht von denen, die sich im Brookhaven-Beschleuniger abspielen würden. Schlägt ein schnelles Teilchen auf die Mondoberfläche auf, so trifft es auf einen Kern, der sich nahezu im Ruhezustand befindet, und verpasst ihm einen „Stoß“ oder Rückstoß. Die Strangelets, die bei der Kollision als Trümmer entstehen, würden an dieser Rückstoßbewegung teilhaben und von ihr durch das Mondmaterial geschickt werden. Bei den Beschleuniger-Experimenten kommt es dagegen zu symmetrischen Kollisionen, bei denen zwei Teilchen frontal aufeinander prallen. Es gibt daher keinen Rückstoß: die Strangelets haben keine Eigenbewegung, wodurch es unter Umständen wahrscheinlicher wird, dass sie Material aus ihrer Umgebung reißen.“
Martin Rees, Unsere letzte Stunde, München 2005, S. 132)
12. Warum werden die philosophischen Argumente von Martin Rees, ebenfalls im Kapitel 9 dieses Buches dargelegt (S. 124 – 143), bagatellisiert oder ignoriert? Warum wird jeder Kritiker, der auf zwar unwahrscheinliche, aber nicht wieder gut zu machende Schäden aufmerksam macht, mit dem lapidaren Argument „beiseite geschoben“, dass er ein „Maschinenstürmer“ sei oder – nach seiner Logik - ebenso gut morgens nicht mehr aufstehen könne, weil sein Aufstehen den Weltuntergang herbeiführen könne? Warum wird hier übersehen, dass es einen fundamentalen Unterschied gibt: Das LHC - Experiment ist das bisher technisch größte und komplexeste Experiment der Menschheit und überschreitet durch seinen Betrieb ganz bewusst Grenzen der Vorhersagbarkeit – in einem Maße, wie es bisher noch niemals der Fall gewesen ist. (vgl. das Interview mit Herrn Dr. Jacobs ( http://www.youtube.com/watch?v=HN0s3eL-dAw ): Diese Grenzen seien aufgelistet: Neue Energiebereiche, neue Materieformen, Dunkle Materie. Über all diese Bereiche - so hier zugegeben – bestehen keine Erfahrungen, physikalische Modelle nur bruchstückhaft. Wie kann bei solcher offenbaren Unkenntnis dennoch den Kritikern gegenüber glaubhaft gemacht werden, dass auf keinen Fall und unter keinen Umständen Gefahren von diesen bewusst durch das Experiment herbeigeführten Phänomenen ausgehen können? („Wir wissen über all diese Phänomene nicht eben vie l– aber wir wissen, dass sie sämtlich ungefährlich sind“)
13. Warum heben die Befürworter des Experimentes bei dem erwarteten Erkenntnisgewinn die Sonderstellung und Einmaligkeit des Experimentes hervor – und leugnen sie gleichzeitig, wenn Kritiker gerade diese Sonderstellung in ihrer Argumentation gebrauchen?
Hier einige Fakten zum „größten Experiment der Menschheit“
Temperaturen
Der kälteste Ort im Universum wurde vom Hubble-Teleskop im Bumerang-Nebel im Sternbild Zentaur fotografiert: Mit Minus 272 Grad Celsius ist er nur 1 Grad Celsius wärmer als der absolute Nullpunkt. (Quelle:3sat.online)
Noch nie wurde auf der Erde soviel Masse auf so extrem niedrige Temperaturen heruntergekühlt: mit superflüssigem Helium (rund hundert Tonnen, 1 Kilogramm superflüssiges Helium kostet 40 € (Quelle focus.online), 1 Tonne sind 1000 kg, Kosten also für 100 Tonnen:4.000.000 €) soll der 27 km lange unterirdische Ring auf 271 Grad Celsius unter Null gekühlt werden. (Quelle: Spiegel, 30.06.08)
Gleichzeitig werden bei den Protonenkollisionen Temperaturen von „einigen Billionen Grad Celsius“ erwartet. (Quelle: Spiegel, 30.06.08)
Wie kann man sich eine Billion, geschweige denn „einige Billionen Grad Celisus“ vorstellen? (Auf der Oberfläche der Sonne herrschen – zum Vergleich - Temperaturen von „nur“ 5.500 Grad Celsius)
1 Billion = 1.000.000.000.000 oder 10 hoch 12
oder 1000 x 1 Milliarde
1 Milliarde = Tausend Millionen (10 hoch 9)
1 Million = 1.000.000
Temperatur: „Je höher die Temperatur eines Körpers, desto größer das mittlere Geschwindigkeitsquadrat aller Teilchen des Stoffes, aus dem der Körper besteht.“
14. Wenn der Urknall durch Protonenkollisionen simuliert werden soll, würde sich nach Ihren Ausführungen dieser Quasi-Urknall oder Beinahe-Urknall in jeder Sekunde ungefähr 100 000 Mal beim Zusammenstoß von Protonen und Erde ereignen, umso mehr, wenn beim LHC nahezu Lichtgeschwindigkeit erreicht wird und Sie verlautbaren, dass die “Protonen mit einer Energie auf die Erde treffen, die mindestens der entspricht, die am LHC bei
Teilchenkollisionen erzeugt wird”.
Sie wissen es doch, beim LHC herrschen andere Bedingungen als bei den auf die Erde treffenden Protonen. Die Erde fliegt ihnen nicht mit gleicher Geschwindigkeit entgegen.
15. CERN selbst geht davon aus, dass MBHs entstehen können. Schwarze Löcher - große oder kleine - sind ein Deutungsmodell, eine Theorie. Kein Test und kein Experiment hat sie bisher verifiziert. Auch das wissen Sie, dass deswegen die Hawking-Strahlung diese Bedeutung hat, weil man damit Energiepotentiale, die mit dem Zerfall der Schwarzen Löcher frei werden sollen, messen zu können glaubt oder hofft. Bisher konnte die Hawking - Strahlung nicht nachgewiesen werden. Wie Sie von “äußerst gut getesteten physikalischen
Theorien” sprechen können, ist mir ein Rätsel.
16. Nehmen wir an, es entstehen MBHs. Ihre Ungefährlichkeit kann mit der Hawking-Strahlung, die kein Faktum, sondern nur eine vage Theorie ist, nicht plausibel gemacht werden.
Nehmen wir an, MBHs sind stationär, auch das wird ja theoretisch für möglich gehalten, dann stellt sich nur die Frage der Bedingungen und der Geschwindigkeit des Fressens von Masse. Und darauf gibt es bis jetzt keine überzeugende Antwort.
17. Was sie zu den kosmischen Beobachtungen sagen, ist wenig und vage. Wie sollte es auch anders sein. Denn auch das wissen Sie: Die Beobachtungen und Berechnungen hier lassen sich nicht mit denen im Quantenbereich in Einklang bringen.
Ich fühle mich mit meinen Fragen nicht ernst genommen. Beschwichtigung ist unwürdig. Ihre Stellungnahme vermittelt leider diesen Eindruck.
18. Wie legitimieren die Betreiber der Anlage in einer Zeit ökologischer und sozialer globaler Krisen, in denen ein sparsamer Umgang mit Energien und Ressourcen die vordinglichste und überlebenswichtigste Aufgabe unserer Spezies ist – den gigantischen Energieverbrauch eines auf Jahre und Jahrzehnte angelegten Experimentes?
Stromverbrauch / Ökologische Dimensionen
Der „Large Hadron Colliders“ benötigt gewaltige Energiemengen, hauptsächlich für die Kühlung
( Quelle: http://www.textdirekt.de/downloads/powered106endversionklein.pdf )
„Nach Inbetriebnahme des LHC rechnet man ab 2008 mit einem Jahresverbrauch von 1.200 Mio.kWh. Dies entspricht dem Stromverbrauch von 400.000 Zweipersonenhaushalten oder in etwa der jährlichen Stromproduktion der Wasserkraftwerke Laufenburg, Rheinfelden und Wyhlen zusammen.“(Quelle: ebd.)
Das LHC ist „der größte und kälteste Kühlschrank der Welt“ (R. Landua, Am Rand der Dimensionen, Suhrkamp 2008, S. 58)
Hans-Peter Dürr, Quantenphysiker und Träger des Alternativen Nobelpreises beschreibt als hauptsächlichen Grund für die globale ökologische Krise den maßlosen Energiehunger der Menschheit. Unser hoher „Energieumsatzes“ bringe die Balance der Biosphäre aus dem Gleichgewicht:
„Wir verbrauchen mindestens drei Terawatt zu viel Energie. Das sind 30 Milliarden Energiesklaven zu viel. Um die Grenzbelastung nicht zu überschreiten, dürfte jeder Erdenmensch heute maximal 15 Energiesklaven beschäftigen, sprich höchstens 1,5 Kilowattstunde pro Stunde verbrauchen.“ (Interview in: P.M., Ausgabe Mai 2007)
„Wir haben begonnen, bei diesem prekären Balanceakt mit der Biosphäre zu konkurrieren. Das ist das Entscheidende. Unsere rücksichtslos arbeitenden 130 Milliarden Energiesklaven bringen das Biosystem in ein Ungleichgewicht. Die menschengeschaffenen Energiesklaven haben keinerlei Gefühl dafür, dass sie in einem System arbeiten, das nicht beliebig robust ist. Die rütteln sozusagen an der natürlichen Gesamtarchitektur und wirken wie eine Infektion in einem Organismus, der über dreieinhalb Milliarden Jahre hinweg sorgsam aufgebaut wurde. Die Frage lautet: Wie sehr darf man ein lebendiges System stören, ehe die Infektion lebensgefährlich wird?“ (P.M., Mai 2007, ebd.)
2008-08-29 | achtphasen | 14:00:07 |
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