Wer derzeit in deutschsprachige Blogs hineinschaut, könnte den Eindruck gewinnen, meine Warnung vor dem LHC-Experiment, das gerade am CERN anläuft, sei von Kritikern als gegensandslos widerlegt worden. Nur wenige geben sich noch die Mühe (wie der von geschätzte Fachmann ICH), das tote Pferd noch zu schlagen. Dieser Ermüdung liegt offenbar der Eindruck zugrunde, ich hätte auf die unter die Gürtellinie zielenden öffentlichen “Stellungnahmen” von Nicolai, Giulini-und-Nicolai und Mättig - drei mir persönlich nicht bekannte, prominente selbsternannte Kritiker vom Fach - zu zögerlich und zaghaft reagiert, sodass es ihren Schlagzeilen nichts Handfestes entgegenzusetzen gibt.
Das betrübt mich, da ich in der Sache wie ich glaube überzeugend war. Nach zwei Tagen des Nachdenkens ging mir heute ein Licht auf, was ich falsch gemacht bzw. übersehen habe. Ich hatte bei meinen Repliken die Hauptsache unerwähnt gelassen, die allen Kritiken bisher gemeinsam ist: Den Knackpunkt. Dass es bisher keine Kritiker gibt.
Ist das Albert-Einstein-Institut der Max-Planck-Gesellschaft etwa nicht prominent genug als Kritiker? Oder das vielköpfige Kommitee für Elementarteilchen-Physik? Wenn sie alle ihren gleichsinnigen Verriss aussprechen, sind schmalbrüstige Widerlegungen jedes einzelnen Teilpunktes offenkundig fehl am Platz - selbst, wenn sie alle zutreffen. Das Gewicht der Einhelligkeit der renommierten Kritiker bleibt überwältigend im Vergleich. “Dagegen ist schwer anzustinken” würde Einstein, der in Caputh oft mit schlimmen Winden von der benachbarten Kläranlage zu kämpfen hatte, sagen. Also: eine blutige Nase und ein ‘Soll die Welt doch sehen, wie sie sich selbst rettet’? Keineswegs.
Genauso, wie die Kraft der Gegner sich durch die Einheitlichkeit ihres Verdiktes verdichtet - wie Tecumseh’s Pfeilbündel, das nicht mehr zu knacken ist im Gegensatz zu einem einzelnen Pfeil -, so bündelt sich das FEHLEN des einzigen entscheidenden Gegenarguments, wenn es in allen fehlt. Sodass sie alle gegenstandslos sind auf einmal und auf den Boden fallen. Das wurde mir auf dem zweitätigen Nachdenktrip klar, auf den mich Marc Fasnacht und Enrico Pellegrino geschickt hatten. Es ist blamabel genug, dass es mir nicht gleich aufgefallen ist. Ich komme damit zum Kernstück meines heutigen Briefes an Marc, den er mich bat, etwas webtauglich zu machen, was ich durch die vorstehenden Sätze versucht habe. Er lautete:
“Ich habe etwas herausgefunden: Keiner meiner angeblichen Kritiker hat sich gegen mein neues Theorem gewendet. Welches ich schließlich aus der Allgemeinen Relativitätstheorie als neue Konsequenz zwingend abgeleitet habe. Statdessen reden sie darum herum, konstruieren eigene Vorstellungen und Interpretationen und widerlegen dann diese. Darum geht es aber nicht. Es geht um ein THEOREM. Solange dieses Theorem (das gotische-R-Theorem) nicht widerlegt ist, steht meine Warnung unangetastet im Raum.
Die Fachleute mögen sagen, es ist “unwahrscheinlich", dass Einstein so klug war, dass man noch nach 93 Jahren eine neue Konsequenz aus seiner Mathematik
ableiten könnte. Aber das ist kein Argument, nicht wahr? Sie sollen lieber zeigen, dass meine mathematische Folgerung mathematisch falsch ist (nicht: “bisherigen Ansichten widerspricht", wie ich selbst gezeigt hatte). Um ANSICHTEN geht es nicht! Wer, ohne das Theorem zu widerlegen oder auch nur zu erwähnen, widerspricht, verliert dadurch seinen eigenen Ruf als Fachmann. Alle, die sich bisher geäußert haben (soweit sie das Theorem nicht implizit unterstrichen haben wie der erwähnte ICH), sind keine Fachleute in diesem Sinn. Es sei denn, sie tragen dieses Versäumnis schleunigst nach und entschuldigen sich dabei vor der Öffentlichkeit.“
Mit diesem zweiabsätzigen Brief von heute mache ich es mir keineswegs zu einfach. Das ist sozusagen der “zweite Tecumseh-Effekt” - der die Pfeile der aus dem Hinterhalt Schießenden zersplittern lässt in der Luft. Die Welt hat damit doch noch eine Chance, vor dem Planetocaust - nach dem Holocaust - gerettet zu werden. Einstein kann wieder lachen: “schon wieder gewonnen!” Es ist ihm wichtig, meine ich. Nach der Nachricht vom Bombenabwurf im Radio sagte er zu Helen Dukas aus dem zu Tübingen benachbarten Hechingen, seiner getreuen jahrzehntelangen Sekretärin und Haushälterin (und späteren Biographin) nur ein Wort: “Oj-weh” (Abraham Pais, Einstein Lived Here, Oxford Clarendon Press 1994, Seite 219). Das geht mir immer noch nach. Ihr Otto E. Rössler. Für J.O.R.
2008-08-17 | achtphasen | 02:48:03 |
| 6 comments
Perhaps Prof. Roessler has simply not read the criticisms closely enough. The comments by an anonymous relativist, and those of Nicolai make the same points, but they do not call them a 'disproof' of a 'theorem'.
It may well be possible to write the Schwarzschild metric with a coordinate gothic-R such that the speed of light is constant in these coordinates. Then the problem is that this gothic-R is not of much help in answering physical questions about the behaviour of black holes.
Perhaps, indeed, the theorem is mathematically correct, but the physical consequences that are claimed to follow from it are wrong. It should be familiar to every student beginning in GR that a coordinate infinity or singularity is not always a physical infinity or singularity. Similarly the fact that gothic-R goes to infinity may not have any physical meaning. You not only need a mathematically correct theorem, you need a correct physical interpretation of it - some interpretations will not be correct or meaningful.
One needs to calculate a measurable physical quantity in the new gothic-R-coordinate system, such as the proper time taken by an object to fall to the event horizon. Why is this not done in the paper?
The criticism of Nicolai is certainly relevant to the safety of LHC. As Roessler himself writes, if his interpretation of his own theorem is correct, black holes never form or grow, since nothing can ever reach the horizon. So, if Roessler is correct, then there is no black hole danger, since all black holes are infinitely far away and it will be an infinite time before we fall into one. Should we not be happy?