Hallo Frau Carone und Herr Dr. Müller,
es zählt die Wirklichkeit, was ich als sehr beruhigend empfinde; meine Meinung zählt
allenfalls im Falle von Bestätigung. Selten ist es auch besser, sich zu irren.
Hier möchte ich bitte nur gerne Sachargumente tauschen, damit mein persönliches Bild von
der physikalischen Wirklichkeit mit dieser möglichst gut und schnell übereinstimmend
gemacht werden kann. Helfen Sie mir, bitte.
Ich freue mich sehr, dass Sie inhaltlich auf meine Fragestellung eingehen wollen (mein
Eintrag 15.07.2008 | 07:07). Im ScienceBlog sehe ich gerade, dass Sie, Frau Carone, mit
Planetologie befasst sind; für mich gilt, dass ich mit Landmessung beruflich zu tun hatte.
Vielleicht verkürzt dieses Hintergrundwissen den Dialog. - Ranging möchte ich allgemein mit
Streckenmessung übersetzen.
Mit “innerer Genauigkeit” wird die Standardabweichung bezeichnet, die bei
Wiederholungsmessungen mit konstant gehaltenen Versuchsbedingungen durch Mittelbildung
(Ausgleichung) berechenbar ist. Die äußere Genauigkeit ergibt sich erst bei Varierung der
Versuchsbedingungen, z.B. Wechsel des Messinstrumentariums, bis zum Wechsel der
kompletten Messmethode, was detailliert und vollständig dokumentiert zu einer
Messbeschreibung bzw. zum Modell hinzugehört.
Beim LLR ist davon auszugehen, dass die Raumdilation (Raumdilation nach Rössler u.a.) im
Berechnungsmodell des LLR von vornherein nicht enthalten ist (entspricht den bisherigen
Feststellungen von Hr. Dr. Müller).
Aufgrund der Exzentrizität der Mondbahn wird der - mittels der von Rössler angegebenen
Formel - von Hr. Dr. Müller angegebene Wert von 263 mm für eine hypothetische
Raumdilation geringfügig varieren, je nachdem Mondferne oder Mondnähe zum Zeitpunkt
der Messung gegeben ist. (Die Formel steht in einem Lehrbuch von J. Foster und J.D.
Nightingale von 2006 , “A Short Course in General Relativity“ im Springer-Verlag, auf Seite
130 gleicherweise angezeigt, Formel (4.9) )
Hier besteht in der Tat eine für mich nachvollziehbare, grundlegende Gelegenheit, das LLRErgebnis
zur Widerlegung des Rösslerschen Theorems wahrzunehmen !
Verständlich wird für mich, wenn sich maximale Abweichungen der LLR-Ergebnisse zu
seinem eigenen Berechnungsmodell bzgl. Messungen während Perigäums- und Apogäums-
Zeiten des Mondes n i c h t zeigen (wie sehen diesbzgl. die LLR-Ergebnisse aus ?)
Im wesentlich wirkt beim LL Ranging m.E. die hier zu falsifizierende Streckendilation
additiv, rechnerisch genauso additiv wie die Additionskonstante, die sich aus den
Spiegelbemaßungen (Glasbemaßungen des Prismenkörpers) ergibt, sich auswirkt - gleich ob
methodisch physikalisch die Phasenverschiebung oder wie beim LLR die Lichtlaufzeit als
Messgrundlage benutzt wird.
Welcher wohldefinierte Punkt, ggflls. Fläche, in oder an der Spiegelgruppierung als
Referenzpunkt (Endpunkt der zu messenden Strecke /Monddistanz) definiert ist, bestimmt
die additiv wirkende Reflektorkonstante (eine Länge). Welchen genauen Referenzpunkt(/-
fläche) der Beobachter definiert, ist grundsätzlich gleich, nur der Referenzpunkt muß fix sein
und die Definition darf nicht varieren (eine evtl. Vermarkung auf der Mondoberfläche wird
dazu einen dokumentierten, geometrisch bestimmten Bezug haben). Nahezu dieselbe
Auswirkung wie die Spiegelkonstante hat ein fixer Anteil der Raumdilation - zum Zeitpunkt
der Mondnähe (weil sie dann an anderen Stellen der anderswo weiter ausholenden Mondbahn
nicht mehr kleiner werden kann) - nach der oben beschriebenen Formel.
Die Berechnung von Herrn Müller habe ich für eine mittl. Distanz von 384400 km und
für einen Erdradius von 6371 km wiederholt und komme (wg. leicht differenter
Ausgangswerte) auf 259 mm für den Hin- und Rückweg. Für das Mondperigäum erhalte ich
239 mm und für das Apogäum 275 mm.
Frage an Herrn Dr. Müller bitte, gibt es evtl. Restresiduen in den Monddistanzen der LLRResultate,
insbesondere zu Zeiten der Mondnähe/-ferne ?
Für die LLR-Messungen fallen n i c h t die genannten 239 mm (Mondnähe) auf, weil diese
nie unterschritten werden und nicht im Berechnungs- und Ausgleichungskonzept modelliert
worden sind. Hingegen: Der variable Anteil von 239 mm bis 275 mm, also bei einer
Intervallbreite von ca. 36 mm, müsste bei den Restabweichungen / Residuen der LLRResultate
jedoch deutlich werden. Dies wäre, bitte, einmal zu klären.
Angesichts der extrem hohen, offenbar als innere Genauigkeit zu deutenden Präzision von ca.
1 mm des LLR (also nicht mehr weit entfernt von einem Billionstel relativer Genauigkeit)
wäre über die Restabweichungen der LLR-Messwerte (Abweichungen zum LLRRechenmodell)
sogar ein interessanter statistischer Test möglich, wie ich meine.
Daher bitte ich um Bestätigung, dass in den LLR-Resultaten k e i n e Beobachtungsreste
bzw. Residuen entsprechend den hier bekannt gemachten Werten (bis zu 36 mm also)
bestehen.
Ich grüsse Sie herzlich und freue mich, mit Ihnen zusammen, evtl. dazu beitragen zu dürfen,
bald eine doch quälende Diskussion abschliessen zu können - möge die Wirklichkeit bestätigt
und erkannt werden! (Ich finde es phantastisch, dass wir hier nur über etwa wenige Billionstel
reden, was nicht unwichtig zu sein scheint.)
Rudolf Uebbing, 17.07.2008
2008-07-17 | achtphasen | 00:15:40 |
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