Der Gelehrte Heinrich Faust zweifelt am Erkenntniswert der Wissenschaft, die weit davon entfernt ist, zu erklären, was die Welt im Innersten zusammenhält. Er zieht die Summe seiner langjährigen Studien: Und sehe, dass wir nichts wissen können! Um der realwissenschaftlichen Sackgasse zu entkommen, greift er nach dem Vorbild des Nostradamus zur Magie und beschwört den Erdgeist.
Faust hofft, durch dieses Geistes Kraft in höhere Sphären zu gelangen: Der Du die Welt umschweifst, geschäftiger Geist, wie nah fühl ich mich dir!, wird aber von jenem nur verhöhnt und schmerzvoll an seine eigene Sterblichkeit erinnert: Wo ist der Seele Ruf? Wo ist die Brust, die eine Welt in sich erschuf? Wo bist Du, Faust, des Stimme mir erklang? Ein furchtsam weggekrümmter Wurm!. So verlässt der Erdgeist Faust auch bald wieder und Wagner tritt auf.

Fausts lerneifriger und bornierter Famulus Wagner ist der Typus des auf reine Buch-Gelehrsamkeit bauenden, dabei optimistischen und fortschrittsgläubigen Wissenschaftlers. (Er wird im zweiten Teil des Faust als Professor und Reagenzglas-Genetiker auftreten.)
Faust beschließt aus Verzweiflung und in einem letzten Wunsch nach Grenzüberschreitung, sich das Leben zu nehmen, wird jedoch durch das Läuten der Glocken zum Ostersonntag davon abgehalten, weniger durch die christliche Botschaft (Vers 765) als durch die Erinnerung an glückliche Kindertage.
2009-02-28 | achtphasen | 15:04:11 |
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