Fachleute sind voll von Vorurteilen, man kann ihnen nicht trauen und muß ihre Empfehlungen genau untersuchen
Beginnen wir mit der Bemerkung, dass Fachleute oft verschiedene Meinungen haben und zu verschiedenen Ergebnissen kommen, und zwar sowohl in grundlegenden Dingen als auch in Fragen der Anwendung. Wer erinnert sich nicht an zumindest einen Fall in seiner Familie, wo ein Arzt eine Operation vorschlug, ein zweiter sich gegen die Operation wandte, während ein dritter ganz andere Ideen hatte. Wer hat nicht die Debatten über nukleare Sicherheit, Ökonomie, die Wirksamkeit (oder Schädlichkeit) von Insektenmitteln, Erziehungsmethoden, den Einfluß der Rasse auf die Intelligenz, die Brauchbarkeit von Intelligenztests und dergleichen mehr verfolgt? Da finden wir zwei, drei, fünf verschiedene Meinungen und wissenschaftliche Verteidiger für jede einzelne von ihnen. Gelegentlich fühlt man sich fast geneigt zu sagen: so viele Wissenschaftler, so viele Meinungen. Es gibt natürlich Gebiete, in denen die Wissenschaftler alle einer Ansicht sind. Das kann aber unser Vertrauen nicht erhöhen. Einmütigkeit unter Wissenschaftlern ist oft das Ergebnis einer politischen Entscheidung: Abweichler werden unterdrückt, oder sie schweigen, um das Ansehen der Wissenschaften als einer Quelle vertrauenswürdiger und fast unfehlbarer Kenntnisse nicht zu kompromittieren. Dann wieder ist die Einheit des Urteils ein Ergebnis gemeinsamer Vorurteile: man macht gewisse grundlegende Annahmen, ohne sie genauer zu untersuchen, und trägt sie mit derselben Autorität vor, die sonst nur Detailforschungen zukommt. Die Wissenschaften sind voll von Annahmen oder, besser gesagt, Gerüchten dieser Art. (…)
Ein zweiter Grund für die Irrtümer der Fachwelt ist, dass der Fachmann, `der einen Gegenstand gründlich und von vielen Seiten her untersucht hat´, oft keine Ahnung hat, wovon er redet. Er hat starke Überzeugungen, er kennt einige Routine-Argumente für diese Überzeugungen, er kennt vielleicht auch Ergebnisse außerhalb seines Faches, die die Ergebnisse unterstützen, er stützt sich aber meistens auf Gerüchte und Tratscherei. Weder Intelligenz noch Fachwissen sind nötig, um das festzustellen. Neugier und ein bisschen Fleiß genügen. Man findet dann, dass viele der `Prinzipien´ oder `Resultate´, die in den Wissenschaften eine so große Rolle spielen, einfach Gerüchte oder Vorurteile sind.
2008-12-01 | achtphasen | 17:53:10 |
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