Thomas Samuel Kuhn (* 18. Juli 1922 in Cincinnati; † 17. Juni 1996 in Cambridge, Massachusetts) war ein amerikanischer Wissenschaftstheoretiker und Wissenschaftshistoriker. Er gehört zu den bedeutendsten Wissenschaftsphilosophen des 20. Jahrhunderts.
In seinem Hauptwerk The Structure of Scientific Revolutions beschreibt Kuhn die Wissenschaft als Wechselspiel zwischen Phasen der Normalwissenschaft und der wissenschaftlichen Revolutionen. Ein wichtiges Konzept ist hierbei das des Paradigmas. Eine Revolution ist nach Kuhn stets mit einem Paradigmenwechsel verbunden. Paradigmen von Theorien, die durch eine Revolution getrennt sind, bezeichnet Kuhn als inkommensurabel, nicht mit gleichem Maß messbar.
Thomas S. Kuhn: http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_S._Kuhn
In keiner Weise ist es das Ziel der normalen Wissenschaft, neue Phänomene zu finden; und tatsächlich werden die nicht in die Schubladen hineinpassenden oft überhaupt nicht gesehen. Normalerweise erheben die Wissenschaftler auch nicht den Anspruch, neue Theorien zu finden, und oft genug sind sie intolerant gegenüber den von anderen gefundenen.
Thomas S. Kuhn, Die Struktur wissenschaftlicher Revolution, S.38
Je sorgfältiger sie, sagen wir, Aristotelische Dynamik, Phlogistonchemie oder Wärmestoff-Thermodynamik studieren, desto sicherer sind sie, daß jene einmal gültigen Anschauungen über die Natur, als Ganzes gesehen, nicht weniger wissenschaftlich oder mehr das Produkt menschlicher Subjekivität waren als die heutigen. Wenn man diese veralteten Anschauungen Mythen nennen will, dann können Mythen derselben Art erzeugt und aus Gründen derselben Art geglaubt werden, wie sie heute zu wissenschaftlicher Erkenntnis führen. Wenn man sie hingegen Wissenschaft nennen will, dann hat die Wissenschaft Glaubenselemente eingeschlossen, die mit den heute vertretenen völlig unvereinbar sind. Vor diese Alternative gestellt, muß der Historiker die letztere These wählen. Veraltete Theorien sind nicht prinzipiell unwissenschaftlich, nur weil sie ausrangiert wurden. Diese Wahl macht es aber schwer, die wissenschaftliche Entwicklung als Wachtsumsprozeß zu betrachten.
Thomas S. Kuhn, Die Struktur wissenschaftlicher Revolution (orig. The Structure of Scientific Revolutions, 1962), Suhrkamp Verlag 1973, ISBN 3-518-27625-5, S. 16 f.
2008-11-22 | achtphasen | 13:12:07 |
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