Sehr geehrter Herr Kannenberg,
erlauben Sie mir eine Überlegung, die das Einfache beim Nachdenken komplex und grundsätzlich werden lässt.
1 + 1 = 2 wie Sie schreiben. Das scheint evident, unmittelbar einleuchtend. Es ist als Alltagsweisheit in jedermanns Munde.
Wenn ich einem Apfel noch einen Apfel hinzu füge, habe ich zwei Äpfel. Über die Äpfel selbst sagt das nichts aus. Es könnten ein gesunder und ein fauler Apfel sein, zwei unterschiedlicher Größe und Sorten usw. 2 ist die abstrakte Bezeichnung einer Menge. Ob es Äpfel sind oder andere Gegebenheiten ist völlig gleich. Es ist eine quantitative Aussage, keine qualitative.
So, wie Sie es verstehen, ist 1+1 nur 2, wenn die Gleichung (+1) + (+1) = (+2) lautet. Nun gibt es aber mathematisch zwei unterschiedliche Werte, nämlich (+1) und (-1). D. h. (-1) + (-1) = (-2) und (-1) + (+1) = 0.
Konsequenz: Ohne qualitative Bezugsrahmen sagen die mathematischen Axiome, Formeln, Rechnungen nichts aus.
Mathematische Systeme haben in den Naturwissenschaften eine dienende Funktion (Einstein hat rechnen lassen), die wesentlich ist zur Absicherung von Theorien und Prognosen, aber über die Inhalte von Theorien und Prognosen nichts aussagen. Deren Bestätigung läuft nicht über mathematische Systeme, sondern über Beobachtung und Experimente.
Nun gibt es zwar mathematisch plausible Theorien und Prognosen, nicht aber die Bestätigung der MBHs, der Hawkingstrahlung, der Strangelets, des Higgsteilchens. Auch der Urknall ist eine nicht unbestrittene Theorie. Wollen Sie das bezweifeln?
In jedem Experiment geht es um die Risikoabwägung.
Wissenschaftliche Redlichkeit bedeutet:
- mit nicht bestätigten Theorien nicht wie mit Fakten umzugehen
- offen zu legen, was - bezogen auf die Risiken - nicht gewusst wird
- sich jeder Kritik zu stellen
- sich der ethisch- gesellschaftlichen-politischen Verantwortung bewusst zu sein.
Wer will eigentlich in Frage stellen, dass wir nicht alles experimentell untersuchen dürfen, was wir können?
Priorität haben immer die ethischen Grundsätze unserer Existenz und unseres Zusammenlebens.
Darüber haben die Naturwissenschaftler nicht zu befinden. Ohne Spezialisten kommen wir nicht mehr aus. Aber über unser Leben und Zusammenleben entscheiden nicht sie, sondern auch auf Grund der Ergebnisse ihrer Arbeiten und Prognosen wir, bis hin zum Verbot von Experimenten.
Freundliche Grüße
Hartwig Struckmeyer.
2008-11-18 | achtphasen | 01:36:44 |
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