an alle Menschen, die am größten Experiment der Menschheit planend, handelnd, vor- und nachbereitend beteiligt sind, die folgenden Worte von Hans Jonas im Herzen zu bewegen:

Jetzt kommt es nur auf die Feststellung an, dass sich unter den Einsätzen im Spiel ein, bei aller physischen Herkünftigkeit, metaphysischer Tatbestand befindet, ein Absolutum, das als höchstes und verletzlichstes Treugut uns die höchste Pflicht der Bewahrung auferlegt. Diese Pflicht überragt ohne Vergleiche alle Gebote und Wünsche des Meliorismus in den Außenbezirken, und wo sie betroffen ist, handelt es sich nicht mehr um die Wägung endlicher Gewinn- und Verlustchancen, sondern um die keinem Wägen mehr unterwerfbare Gefahr unendlichen Verlustes gegen die Chancen endlicher Gewinne. Also ist für dies um jeden Preis in seiner Integretität zu erhaltende Kernphänomen, das sein Heil von keiner Zukunft zu erwarten hat, da es schon “heil” in seiner Anlage ist, in der Tat die genügend einleuchtende Unheilsprognose maßgeblicher als die vielleicht nicht weniger einleuchtende, aber auf eine essentiell niedrigere Ebene bezügliche Heilsprognose. Der Vorwurf des “Pessimismus” kann gegen solche Parteilichkeit für die “Unheilsprophetie” kann damit beantwortet werden, daß der größere Pessimismus auf seiten derer ist, die das Gegebene für schlecht oder unwert halten, um jedes Wagnis möglicher Verbesserung auf sich zu nehmen.

“Der ethische Grundsatz, von dem die Vorschrift ihre Gültigkeit bezieht, lautet also: Niemals darf Existenz oder Wesen der Menschen im Ganzen zum Einsatz in den Wetten des Handelns gemacht werden. Daraus folgt ohne weiteres, dass hier bloße Möglichkeiten der bezeichneten Ordnung als unannehmbare Risiken anzusehen sind, die keine gegenüberstehenden Möglichkeiten annehmbarar machen. Für das Leben der Menschheit gilt (was für den Einzelpatienten nicht immer zu gelten braucht). daß auch unvollkommene Palliative der vielversprechenden Radikalkur vorzuziehen sind, über der der Patient sterben kann.”

Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1984, S. 74 f.
Enrico Pellegrino

2008-09-12 | achtphasen | 17:18:53 | Email | comment




 

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