Es sieht im Moment danach aus, dass die LHC Befürworter mehr fachspezifische Berechnungspower auf ihrer Seite haben als die LHC Gegner. Die Öffentlichkeit (Politik, Medien) ist davon beeindruckt und folglich blind gegen Argumente außerhalb einer engen fachwissenschaftlichen Diskussion. In der Öffentlichkeit wird die Möglichkeit ignoriert, dass wissenschaftliche Karriereplanung, Informationslenkung, Gruppendruck und mainstream Unterwerfung entscheidend die gebotene fachwissenschaftliche Objektivität beeinflussen könnten. Bei dieser Diskussion können ethische, gesellschaftspolitische, aber auch wissenschaftstheoretische Aspekte nicht mit ausreichender Gewichtung berücksichtigt werden. Zu den wissenschaftstheoretischen Aspekten gehören auch die sich jeweils verändernden Verifikations/Falsifikationsdiskussionen. Darunter lässt sich auch die Risikodiskussion subsumieren.
Bar jeglichen akademischen Aufbauversuches möchte ich jetzt mehr mit dem Bauch agieren:
die bisherigen Risikobeschwichtigungsversuche (Hinweis auf Hawkingsstrahlung und Teilchenkollisionen in der Atmosphäre) beruhen auf spekulativen Hypothesen oder auf unzulässigen Übertragungen auf die head to head Teilchenkollisionen im LHC (mittlerweile schon nichts mehr Neues bei dem Argumentationsgerangle zwischen Pro und Contra LHC).
Eine Ausnahme bilden die Verweise von Giddings und Mangano (Physical Review 2008, sowie in dem Sicherheitsreport 2008) auf die Teilchenkollisionen in Neutronensternen und Weißen Zwergen. Damit ist ein neues Argument in dem Sicherheitsbericht des CERN aufgetaucht: auch überschwere Neutronensterne oder Weiße Zwerge sind dem Bombardement von Teilchenschauern aus dem Weltall ausgesetzt. Hier hätten entstehende Minilöcher diese überschweren Sterne längst in kosmische Schwarze Löcher verwandeln müssen, - so die Behauptung im Sicherheitsbericht. Dem stehe aber die Altersschätzung solcher überschweren Sterne entgegen. Seither gilt „die Beweisführung als abgeschlossen“. Diese Hinweise konnten die LHC Kritiker bislang noch nicht in ihren Analysereports aufnehmen (siehe jedoch die Kritik von Plaga in seinem Papier vom 08.08.08). Die Argumente mit den überschweren Sternen sind jedoch für sich allein stehend nicht sehr überzeugend, da man über die Physik in Neutronensternen bislang wenig weiß (siehe Astrophysiklexikon von Andreas Müller).
CERN/LHC sich in den letzten Jahren schon mehrmals korrigieren müssen: Dass die Teilchenkollisionen in der Atmosphäre nicht mit den head to head Kollisionen in Teilchenbeschleunigern vergleichbar sind, sollte den Wissenschafts-Alpha-Menschen vom CERN/LHC schon lange bekannt gewesen sein. Aber erst im jüngsten Sicherheitsbericht hat man sich bequemt, darauf einzugehen. Oder dem Eingeständnis, dass bei Beherzigung diverser Theorien über die Existenz von Extradimensionen (zu Stringtheorie-Geflecht gehörend) es doch zur Bildung von Schwarzen Löchern im Large Hadron Collider kommen könnte. Was im letzten Sicherheitsbericht nicht steht: Das indirekte Eingeständnis von Giddings und Mangano, dass je nach Interpretation das Vorhandenseins von Extraräumen und je nach Auswahl der brane Modelle (zum Beispiel Randall-Sundrum-Modell) es zu ganz unterschiedlichen Resultaten bei der Berechnung von Lebensdauer, Ausdehnung und Energiefreisetzung von künstlich Schwarzen Löchern kommen kann. Bekanntlich hat der CERN anerkannte Physiker Dr.Rainer Plaga errechnet, dass bei der Annahme einer zusätzlichen Raumdimension das sich gebildete Schwarze Loch mit einer superschnellen Anfangsexpansion (einer Atombombenexplosion vergleichbar) bemerkbar macht und in der Folge ca 17 000 Tonnen Materie im Jahr frisst, die in Form einer ständigen Strahlenumwandlung für die Erde katastrophale Auswirkungen hätte. Giddings und Mangano haben mit einem 2- seitigen Widerlegungsversuch auf die provozierende Schrift von Plaga reagiert. Sie konnten keine Berechnungsfehler finden, ihre vernichtende Kritik an Plaga beruht auf unterschiedlichen Auffassungen über die Anerkennung und Berücksichtigung der sich jeweils auswirkenden Raumdimension (also: ob mal das dreidimensionale konventionelle Raummodell zu berücksichtigen ist oder das vierdimensionale Raummodell, angelehnt an das Randall-Sundrum-Modell II). Eine wichtige Rolle spielt dabei die Bewertung des Randall-Sundrum- Modells, welches offenkundig bei Giddings und Mangano keinen so hohen Stellenwert besitzt wie bei Plaga. Es finden hier kontroverse Diskussionen über bestimmte stringtheoretische Richtungen statt, keine wirklichen hard-fact wissenschaftlichen Widerlegungen (die kann es allerdings auf dem hochspekulativen Gebiet der Schwarzen Löcher in Verbindung mit den verschiedenen - zur Zeit in Diskussion stehenden stringtheoretischen Bran-Modellen - auch gar nicht geben!).
Man muss sich natürlich in Erinnerung rufen, dass die Untersuchung von Plaga nur für den Fall einer 4. Raumdimension wirklich relevant sein könnte. Diese eine Extradimension müsste allerdings nach Ansicht der mainstream – Physiker so groß ausfallen, dass sie vermutlich längst erkannt worden wäre. Lisa Randall, die Mitautorin des nach ihr benannten 5-dimensionalen Raum-Zeit Modells, ist allerdings der Meinung, dass selbst eine unendlich große Zusatzdimension aufgrund ihrer verzerrenden Eigenschaften nicht bemerkt werden könne.
Wir müssen aber große Angst und Misstrauen gegenüber den diversen wissenschaftlichen Sicherheitsargumenten der CERN-Beauftragten haben !!
Risikodiskussion: abgekürzt möchte ich da mit Martin Rees nur argumentieren: Wer nicht bereit ist, bestimmte dead lines (von wo an Beschleuniger-Experimente sofort gestoppt werden) offen einzuplanen, handelt im höchsten Maße verantwortungslos. Aber auch unseriös im wissenschaftlichen Sinne. Denn: wissenschaftliches Handeln bedeutet die Einbeziehung aller relevanten Informationen (auch Risikowahrscheinlichkeit und Folgeneinschätzung). Wenn wir zu den von Martin Rees (siehe „Unsere letzte Stunde“) aufgeführten 4 voneinander unabhängen Risikoarten auch noch die Befürchtungen über mögliche bösartige Bose-Einstein-Kondensat Bildungen sowie die jetzige Plaga-Vermutung hinzufügen, dann kommen wir auf insgesamt 6 verschiedene Risikogruppen. Selbst wenn jede dieser Risiken nur eine geringe Eintrittswahrscheinlichkeit besitzt, so vergrößert sich in der Zusammenschau entsprechend die Wahrscheinlichkeit, dass eines dieser Risiken sich realisieren könnte.
Merkwürdigerweise sind auch etablierte Spitzenwissenschaftler sich nicht zuschade, über LHC Risiken ganz billige Sprüche abzugeben von der Art: „Ein gewisses Restrisiko gibt es immer“ oder „der Ausgang von neuartigen Experimenten lässt sich nicht genau bestimmen, sonst wären sie nicht neu“ oder „wenn der Mensch nicht ab und zu Risiken eingegangen wäre, dann lebte er immer noch frierend in Höhlen ohne Feuer“. Zu wiederholen wäre auch die ironische Feststellung von LHC Kritikern: Die LHC-Experimentatoren wissen nichts Genaues über den Ausgang der Versuche, aber sie wissen genau, dass bei den Schwarze Löcher Experimenten keine Desaster-Risiken bestehen.
Dr.Georg Petera
Hebborner Str.160
51467 Bergisch Gladbach
2008-09-08 | achtphasen | 09:35:56 |
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