Nebst Momo, die bei Meister Hora zunächst ihrer Stundenblumen gewahr wird, und dann nach einigen faszinierenden Abenteuern der grauen Männer () dunklen Plan des den Menschen die Zeit Raubens vereiteln konnte, möchten wir hier als zweites wunderbar zauberkräftiges (Kinder)buch, an Krabat erinnern, der Kraft seines Herzens, Kraft der Liebe, sich und seine 11 potentiell mithangenden Genossen aus den - aus Notlage (selbst)unterworfenen - SachZwängen des Meisters schwarzer Schule befreite.









 

Krabat | Waisenkind und Müllersbursche | Ehrenmitglied der achtphasen

 

2008-12-31 | achtphasen | 20:08:50 | Email | comment





 
Man folgerte aus den Erkenntnissen in den Bereichen der Mikro- und Astrophysik gleichermaßen, dass das Universum einen Anfang gehabt haben muss. Wäre es unendlich alt und schon ewig vorhanden, dürfte der Nachthimmel nicht dunkel sein, sondern vom Licht unendlich vieler Sterne erfüllt werden. Auch gibt es physikalische Prozesse, die irreversibel sind, z.B. das Ausbrennen der Sterne, wenn der Brennstoff in ihrem Innern verbraucht ist. Wie schon deutlich wurde, entstand das Universum beim Urknall aus einer Singularität. Da Raum, Zeit und Materie fest miteinander verknüpft sind, gibt es in ihr weder Raum noch Zeit. Deswegen ist die Frage nach dem, was vor dem Urknall war, nicht zu beantworten, da die Frage falsch gestellt ist: Es gibt kein “vor", die Zeit wurde erst mit dem Weltall erschaffen. Die Ansicht, dass die Welt mit der Zeit und nicht in der Zeit erschaffen wurde, vertrat schon Thomas von Aquin im 5. Jahrhundert nach Christus. Doch diese Sicht legt eine Folgerung nahe, an die wir uns im Rahmen der Quantentheorie schon gewöhnen mussten: Eine Wirkung ohne Ursache. Die Erschaffung des Universums (der Urknall) kann nicht von Gott ausgelöst worden sein, da das eine zeitliche Abfolge darstellt, es jedoch keine Zeit gibt! Doch muss man den Urknall als ein (physikalisches) Ereignis ansehen, dass keine Ursache hat. Diese Verletzung der (klassischen) Gesetze der Physik lässt sich jedoch mit Hilfe der Quantentheorie verschmerzen: Die Entstehung des Universums durch eine (zufällige) Quantenfluktuation wäre keine große Überraschung, da in der Mikrowelt der Quanten ja ständig Prozesse ohne besondere Ursache ablaufen. Doch weitergehende Überlegungen von Stephen Hawking und James Hartle legten nahe, dass ein quantentheoretisches Universum keinen zeitlichen Ursprung besitzt; dieser würde ja leicht die Gedanken zu einem Schöpfer, der das Universum in Gang gesetzt hat, führen. Doch auch diese Sicht lässt sich mit der Lehre von der Schöpfung in Einklang bringen: Nicht die buchstäbliche Schöpfung aus dem Nichts steht dann im Vordergrund, sondern die Erhaltung des Universums zu allen Zeiten. Doch wandelt diese Sicht das Gottesbild grundlegend: Das Weltall selbst übernimmt die Aspekte, die Gott zugeschrieben wurden, wie “Ewigkeit” und “Notwendigkeit". Und aus der Sicht der Quantenmechanik gibt die Theorie von Hawking und Hartle nicht die Wirklichkeit wieder, sondern sagt in einem mathematischen Modell etwas über die Wahrscheinlichkeit aus, dass ein auf eine bestimmte Weise angeordnetes Universum existiert oder nicht. Dann wäre die Schöpfung aus dem Nichts die Verwirklichung von Möglichkeiten!

Max Planck

Max Planck stellt in seinem Aufsatz Religion und Naturwissenschaft direkt gegenüber.
Sein Fazit lautet, dass der nach einer “einheitlichen Weltanschauung verlangende Erkenntnistrieb” fordern darf, die “beiden überall wirksamen und doch geheimnisvollen Mächte, die Weltordnung der Naturwissenschaft und den Gott der Religion miteinander zu identifizieren”. Er folgert diese Vereinbarkeit aus der Tatsache, dass Weltanschauung wie Gott unabhängig vom Menschen existieren und nicht direkt erkennbar sind. Unterschiede sieht er darin, dass Gott am Anfang steht ("Aus ihm quillt alles Leben und alles Geschehen”) und die Weltordnung am Ende (auf dem Wege der induktiven Forschung) der Erkenntnis des Menschen: “Der einen bedeutet er das Fundament, der andern die Krone des Aufbauens jeglicher weltanschaulicher Betrachtung”.
Er findet in dieser Verschiedenheit eine Entsprechung in den Rollen, die Naturwissenschaft und Religion in der Gesellschaft einnehmen: “Die Naturwissenschaft braucht der Mensch zum Erkennen, die Religion aber braucht er zum Handeln”. Auf das Handeln wäre der Weg der Induktion nicht anwendbar, da “wir mit unserem Handeln nicht warten können, bis die Erkenntnis vollständig ist oder bis wir allwissend geworden sind”. Er sieht keine Gegensätzlichkeit zwischen Religion und Naturwissenschaft, sondern in den “entscheidenden Punkten volle Übereinstimmung”. Um ein “in der fernen Unendlichkeit gemeinsames Ziel” zu treffen, muss die Menschheit das Bemühen fortsetzen, “das Wesen und die Aufgaben einerseits der naturwissenschaftlichen Erkenntnis, andererseits des religiösen Glaubens immer tiefer zu erfassen”, vereint durch den “nie erlahmenden Kampf gegen Skeptizismus und gegen Dogmatismus, gegen Unglaube und gegen Aberglaube, und das richtungsweisende Losungswort in diesem Kampf lautet von jeher und in alle Zukunft: Hin zu Gott!”
1858 – 1947, Nobelpreis 1918, Auszüge aus “Religion und Naturwissenschaft”

Sir James Jeans

In seinen Ausführungen sagt Jeans, dass die wichtigsten Leistungen der Naturwissenschaften weder die Relativitätstheorie, noch die Quantentheorie, noch die Spaltung des Atoms ist, sondern “die allgemeine Erkenntnis, dass wir noch nicht in Berührung mit der letzten Wirklichkeit sind”. Auch formuliert er mit Platos Worten “Non in tempore, sed cum tempore, finxit deus mundum” die Rolle des Schöpfers in der Schöpfung. Er stellt die klassische Weltsicht in Frage: “das Weltall sieht allmählich mehr aus wie ein großer Gedanke als wie eine große Maschine”, so dass der Zwiespalt zwischen Geist und Materie an Bedeutung verliert, da “Materie zu einer Schöpfung und Offenbarung des Geistes wird.”
1877 – 1946, Auszüge aus “In unerforschtes Gebiet”

Albert Einstein

Albert Einstein beschäftigt sich mit der Art der Religionen: Er vergleicht die “Furcht-Religionen” primitiver Völker mit den “moralischen Religionen” höherer Kulturen. Ein höheres religiöses Erleben sieht er in der “kosmischen Religiosität”, der kein “menschenartiger Gottesbegriff entspricht”. Dabei fühlt das Individuum die “Nichtigkeit menschlicher Wünsche und Ziele und die Erhabenheit und wunderbare Ordnung, welche sich in der Natur sowie in der Welt des Gedankens offenbart"; es will “die Gesamtheit des Seienden als ein Einheitliches und Sinnvolles erleben”. Auch er sieht aus historischer Sicht “Wissenschaft und Religion als unversöhnliche Antagonisten” in der kausalen Weltsicht. Der Wissenschaft “wurde vorgeworfen, dass sie die Moral untergrabe, jedoch gewiss mit Unrecht. Das ethische Verhalten des Menschen ist wirksam auf Mitgefühl, Erziehung und soziale Bindung zu gründen und bedarf keiner religiösen Grundlage.” Für ihn ist es daher verständlich, dass Religion und Wissenschaft sich seit jeher “bekämpft und ihre Anhänger verfolgt haben”. Doch andererseits ist für Einstein “die kosmische Religiosität die stärkste und edelste Triebfeder wissenschaftlicher Forschung.” Nur der lebendige Glaube an “die Vernunft des Weltenbaues und Abglanzes der in dieser Welt geoffenbarten Vernunft” hat Kepler und Newton “den Mechanismus der Planetenbahnen in der einsamen Arbeit vieler Jahre” entwirren lassen. “Es ist die kosmische Religiosität, die solche Kräfte spendet. Ein Zeitgenosse hat nicht mit Unrecht gesagt, dass die ernsthaften Forscher in unserer im allgemeinen materialistisch eingestellten Zeit die einzigen tief religiösen Menschen seien. … Überzeugungen lassen sich natürlich am besten auf Erfahrung und klares Denken stützen. In diesem Punkt wird man dem extremen Rationalisten unbedingt zustimmen. Der schwache Punkt seiner Auffassungen liegt nur darin, dass sich diejenigen Überzeugungen, die für unser Handeln und Werten maßgebend und nötig sind, allein auf diesem soliden, wissenschaftlichen Wege überhaupt nicht gewinnen lassen. … Nun selbst bei einer reinlichen Scheidung von Religion und Naturwissenschaft bleiben starke wechselseitige Beziehungen und Abhängigkeiten bestehen. Obwohl die Religion das Ziel bestimmt, hat sie doch von der Wissenschaft gelernt, mit welchen Mitteln sich diese von ihr gesetzten Ziele erreichen lassen. Die Wissenschaft kann indessen nur von denen aufgebaut werden, die durch und durch von dem Streben nach Wahrheit und Erkenntnis erfüllt sind. Die Quelle dieser Gesinnung entspringt aber wiederum auf religiösem Gebiet. … Naturwissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Naturwissenschaft ist blind.” Später greift Einstein den Gedanken auf, dass gegenwärtige Spannungen zwischen Religion und Naturwissenschaft aus dem Bild des persönlichen Gottes resultieren:
“Die Naturwissenschaft kann freilich niemals die Lehre von einem in Naturereignisse eingreifenden persönlichen Gott widerlegen, denn diese Lehre kann stets in jenen Gebieten Zuflucht suchen, in denen wissenschaftliche Erkenntnis bis jetzt noch nicht Fuß zu fassen vermochte. Aber ich bin überzeugt, dass ein solches Verhalten der Vertreter der Religion nicht nur unwürdig, sondern auch verhängnisvoll wäre. Denn eine Lehre, die sich nicht im klaren Licht sondern nur im Dunkel zu behaupten vermag, wird zwangsläufig jede Wirkung auf den Menschen verlieren, zum unermesslichen Schaden für den Fortschritt der Menschheit. In ihrem Kampf um das Gute müssten die Lehrer der Religion die innere Größe haben und die Lehre von einem persönlichen Gott fahren lassen, das heißt, auf jene Quelle von Furcht und Hoffnung verzichten, aus der die Priester in der Vergangenheit so riesige Macht geschöpft haben. … Daher glaube ich, die Wissenschaft reinigt nicht nur die Religiosität von den Schlacken ihres Anthropomorphismus, sondern trägt auch zu einer Vergeistigung unserer Lebensanschauung bei. Je weiter die geistige Entwicklung der Menschheit fortschreitet, desto mehr wird sich erweisen – davon bin ich überzeugt -, dass wir die wahre Frömmigkeit nicht in Lebensangst, Todesfurcht und blindem Glauben, sondern nur durch das Streben nach rationaler Erkenntnis erreichen. In diesem Sinne glaube ich, muss der Priester zum Lehrer werden; nur so wird er seine hohe erzieherische Mission erfüllen.”
1879 – 1955, Nobelpreis 1921, Auszüge aus “Religion und Wissenschaft”

Max Born

Max Born beginnt seine Abhandlung mit der Feststellung, dass er sich Zeit seiner Arbeit auf Felder bewegt hatte, “wo Probleme wirklich gelöst werden konnten”. Doch er möchte sich in seinem jetzigen (hohen) Alter den Fragen der Existenz doch zuwenden. Er beschreibt den Begriff Metaphysik als “Untersuchung der allgemeinen charakteristischen Züge der Struktur der Welt und unserer Methoden, die Struktur zu ergründen”. Diese Definition wendet er auf die Prinzipen der Kausalität an des Determinismus an und beschreibt hierin zuerst die Entwicklung der Physik. Das für ihn wichtigste Ergebnis der Quantenphysik ist die Verbindung von Beobachter und Untersuchungsobjekt. Den Schluss, den er für sich zieht, beschreibt er folgendermaßen: “Es gibt komplementäre Bilder, die nicht zugleich angewandt werden können, einander aber trotzdem nicht widersprechen und die das Ganze nur zusammen ausschöpfen. Das ist wohl eine sehr heilsame Lehre, die, recht angewandt, viele hitzige Erörterungen nicht nur in der Philosophie , sondern auch auf allen Zweigen des Lebens überflüssig machen kann.”
1882 – 1970, Nobelpreis 1969, Auszüge aus “Physik und Metaphysik”

Erwin Schrödinger

Schrödinger beschreibt die Naturwissenschaft und findet, dass in der Welt der Naturwissenschaft “alle Sinnesqualitäten fehlen”, es fehlen “Farben, Töne, Greifbarkeit”. Und daher fehlen der Naturwissenschaft die Dinge, “die ihre Bedeutungen in bezug auf das bewusst anschauende, wahrnehmende und fühlende Wesen haben”, vor allem “sittliche und ästhetische Werte, Werte von jeder Art, alles was auf Sinn und Zweck des ganzen Geschehens Bezug hat.” Doch sind diese Werte auch nicht in das Weltmodell einzubauen, da sie als solche falsch werden. Besonders schmerzlich ist aus Sicht Schrödingers “das völlige Schweigen unseres ganzen naturwissenschaftlichen Forschens auf unsere Fragen nach Sinn und Zweck des ganzen Geschehens.

Das Spektakel, das sich da abspielt, erhält einen Sinn offenbar nur durch den Geist, der ihm zuschaut.”
Und schließlich findet er einen Grund dafür, warum der Naturwissenschaft zu Unrecht der Atheismus unterstellt wird: “Der persönliche Gott kann in einem Weltbild nicht vorkommen, das nur zugänglich geworden ist um den Preis, dass man alles Persönliche daraus entfernt hat. Wir wissen: Wenn Gott erlebt wird, so ist das ein Erlebnis, genauso real wie eine unmittelbare Sinnesempfindung oder wie die eigene Persönlichkeit. Wie diese muss er im raum-zeitlichen Bilde fehlen. “Ich finde Gott nicht vor Raum und Zeit", so sagt der ehrliche Naturwissenschaftliche Denker. Und dafür wird er von denen gescholten, in deren Katechismus geschrieben steht: Gott ist Geist”
1887 – 1961, Nobelpreis 1933, Auszüge aus “Das arithmetische Paradoxon – Die Einheit des Bewusstseins”

Wolfgang Pauli

Wolfgang Pauli betrachtet Materie und Geist, einerseits biologisch, andererseits philosophisch und beschreibt wiederum das bekannte Verhältnis zwischen Rationalität und Mystizismus und bezieht auch fernöstliche Glaubensaspekte in seine Betrachtungen mit ein. Aus seiner Sicht wechseln sich überwiegend rationale und mystische Erkenntnisse ab. Wir befinden uns heute, so Pauli, an einem Punkt, “wo die rationalistische Einstellung ihren Höhepunkt überschritten hat und als zu eng empfunden wird.” Er zieht den Schluss, dass “eine Überwindung der Gegensätze, zu der auch eine sowohl das rationale Verstehen wie das mystische Einheitserlebnis umfassende Synthese gehört, für den ausgesprochenen oder unausgesprochenen Mythos unserer eigenen, heutigen Zeit”.
1900 – 1958, Nobelpreis 1945, Auszüge aus “Die Wissenschaft und das abendländische Denken”

Werner Heisenberg

“Die Frage nach Gott ist ja längst keine wissenschaftliche Frage mehr, sondern die Frage nach dem, was wir tun sollen. Das aber ist auch im Wechsel der Zeiten immer ganz einfach: Wir sollen als tätige Mitglieder der menschlichen Gemeinschaft den anderen helfen und tüchtig sein. So bleibt uns in den Symbolen der Gemeinschaft der Hintergrund der Welt lebendig und fruchtbar, dem wir uns als harmonische Mitglieder der Gemeinschaft anvertraut fühlen. Und dieses Aufgehen in der Welt, die zugleich die “Welt Gottes” ist, bleibt auch schließlich das höchste Glück, das uns die Welt zu bieten vermag: das Bewusstsein der Heimat.”
1901 – 1976, Nobelpreis 1932, Auszüge aus “Ordnung und Wirklichkeit”
©: Gott und Physik | Facharbeit für Religion | http://www.thunemann.de/martin/gott/
&
Hans-Peter Dürr (Hrsg.) / David Bohm | Physik und Transzendenz : die grossen Physiker unseres Jahrhunderts über ihre Begegnung mit dem Wunderbaren | ISBN 3-502-19170-0 | http://d-nb.info/910079307

2008-12-25 | achtphasen | 18:31:40 | Email | comment





 

Beschreibung der Lage der Gefangenen

(514 a) Nächstdem, sprach ich, vergleiche dir unsere Natur in bezug auf Bildung und Unbildung folgendem Zustande. Sieh nämlich Menschen wie in einer unterirdischen, höhlenartigen Wohnung, die einen gegen das Licht geöffneten Zugang längs der ganzen Höhle hat. In dieser seien sie von Kindheit an gefesselt an Hals und Schenkeln, so daß sie auf demselben Fleck bleiben und auch nur nach vorne hin sehen, den Kopf aber herumzudrehen der Fessel wegen nicht vermögend sind. Licht aber haben sie von einem Feuer, welches von oben und von ferne her hinter ihnen brennt. Zwischen dem Feuer und den Gefangenen geht obenher ein Weg, längs diesem sieh eine Mauer aufgeführt wie die Schranken, welche die Gaukler vor den Zuschauern sich erbauen, über welche herüber sie ihre Kunststücke zeigen.
Ich sehe, sagte er.
Sieh nun längs dieser Mauer Menschen allerlei Geräte tragen, die über die Mauer herüberragen, und Bildsäulen und andere steinerne und hölzerne Bilder und von allerlei Arbeit; einige, wie natürlich, reden dabei, andere schweigen. (515 a)
Ein gar wunderliches Bild, sprach er, stellst du dar und wunderliche Gefangene.
Uns ganz ähnliche, entgegnete ich. Denn zuerst, meinst du wohl, daß dergleichen Menschen von sich selbst und voneinander je etwas anderes gesehen haben als die Schatten, welche das Feuer auf die ihnen gegenüberstehende Wand der Höhle wirft?
Wie sollten sie, sprach er, wenn sie gezwungen sind, zeitlebens den Kopf unbeweglich zu halten
Und von dem Vorübergetragenen nicht eben dieses?
Was sonst?
Wenn sie nun miteinander reden könnten, glaubst du nicht, daß sie auch pflegen würden, dieses Vorhandene zu benennen, was sie sähen?
Notwendig.
Und wie, wenn ihr Kerker auch einen Widerhall hätte von drüben her, meinst du, wenn einer von den Vorübergehenden spräche, sie würden denken, etwas anderes rede als der eben vorübergehende Schatten?
Nein, beim Zeus, sagte er.
Auf keine Weise also können diese irgend etwas anderes für das Wahre halten als die Schatten jener Kunstwerke?
Ganz unmöglich.
Nun betrachte auch, sprach ich, die Lösung und Heilung von ihren Banden und ihrem Unverstande, wie es damit natürlich stehen würde, wenn ihnen folgendes begegnete. Wenn einer entfesselt wäre und gezwungen würde, sogleich aufzustehen, den Hals herumzudrehen, zu gehen und gegen das Licht zu sehn, und, indem er das täte, immer Schmerzen hätte und wegen des flimmernden Glanzes nicht recht vermöchte, jene Dinge zu erkennen, wovon er vorher die Schatten sah: was, meinst du wohl, würde er sagen, wenn ihm einer versicherte, damals habe er lauter Nichtiges gesehen, jetzt aber, dem Seienden näher und zu dem mehr Seienden gewendet, sähe er richtiger, und, ihm jedes Vorübergehende zeigend, ihn fragte und zu antworten zwänge, was es sei? Meinst du nicht, er werde ganz verwirrt sein und glauben, was er damals gesehen, sei doch wirklicher als was ihm jetzt gezeigt werde?
Bei weitem, antwortete er.

Der Vorgang des Hinaufsteigens zum Licht und das Wiederherabkommen in die Höhle

Und wenn man ihn gar in das Licht selbst zu sehen nötigte, würden ihm wohl die Augen schmerzen, und er würde fliehen und zu jenem zurückkehren, was er anzusehen imstande ist, fest überzeugt, dies sei in der Tat deutlicher als das zuletzt Gezeigte?
Allerdings.
Und, sprach ich, wenn ihn einer mit Gewalt von dort durch den unwegsamen und steilen Aufgang schleppte und nicht losließe, bis er ihn an das Licht der Sonne gebracht hätte, wird er nicht viel Schmerzen haben und sich gar ungern schleppen lassen? (516 a) Und wenn er nun an das Licht kommt und die Augen voll Strahlen hat, wird er nicht das Geringste sehen können von dem, was ihm nun für das Wahre gegeben wird.
Freilich nicht, sagte er, wenigstens nicht sogleich.
Gewöhnung also, meine ich, wird er nötig haben, um das Obere zu sehen. Und zuerst würde er Schatten am leichtesten erkennen, hernach die Bilder der Menschen und der andern Dinge im Wasser, und dann erst sie selbst. Und hierauf würde er was am Himmel ist und den Himmel selbst leichter bei Nacht betrachten und in das Mond- und Sternenlicht sehen als bei Tage in die Sonne und in ihr Licht.
Wie sollte er nicht!
Zuletzt aber, denke ich, wird er auch die Sonne selbst, nicht Bilder von ihr im Wasser oder anderwärts, sondern sie als sie selbst an ihrer eigenen Stelle anzusehen und zu betrachten imstande sein.
Notwendig, sagte er.
Und dann wird er schon herausbringen von ihr, daß sie es ist, die alle Zeiten und Jahre schafft und alles ordnet in dem sichtbaren Raume und auch von dem, was sie dort sahen, gewissermaßen die Ursache ist.
Offenbar, sagte er, würde er nach jenem auch hierzu kommen.
Und wie, wenn er nun seiner ersten Wohnung gedenkt und der dortigen Weisheit und der damaligen Mitgefangenen, meinst du nicht, er werde sich selbst glücklich preisen über die Veränderung, jene aber beklagen?
Ganz gewiß.
Und wenn sie dort unter sich Ehre, Lob und Belohnungen für den bestimmt hatten, der das Vorüberziehende am schärfsten sah und am besten behielt, was zuerst zu kommen pflegte und was zuletzt und was zugleich, und daher also am besten vorhersagen konnte, was nun erscheinen werde: glaubst du, es werde ihn danach noch groß verlangen und er werde die bei jenen Geehrten und Machthabenden beneiden? Oder wird ihm das Homerische begegnen und er viel lieber wollen “das Feld als Tagelöhner bestellen einem dürftigen Mann” und lieber alles über sich ergehen lassen, als wieder solche Vorstellungen zu haben wie dort und so zu leben?
So, sagte er, denke ich, wird er sich alles eher gefallen lassen, als so zu leben.
Auch das bedenke noch, sprach ich. Wenn ein solcher nun wieder hinunterstiege und sich auf denselben Schemel setzte: würden ihm die Augen nicht ganz voll Dunkelheit sein, da er so plötzlich Von der Sonne herkommt?
Ganz gewiß.
(517 a) Und wenn er wieder in der Begutachtung jener Schatten wetteifern sollte mit denen, die immer dort gefangen gewesen, während es ihm noch vor den Augen flimmert, ehe er sie wieder dazu einrichtet, und das möchte keine kleine Zeit seines Aufenthalts dauern, würde man ihn nicht auslachen und von ihm sagen, er sei mit verdorbenen Augen von oben zurückgekommen und es lohne nicht, daß man auch nur versuche hinaufzukommen; sondern man müsse jeden, der sie lösen und hinaufbringen wollte, wenn man seiner nur habhaft werden und ihn unibringen könnte, auch wirklich umbringen?
So sprächen sie ganz gewiß, sagte er.

Erklärung und Anwendung des Bildes

Dieses ganze Bild nun, sagte ich, lieber Glaukon, mußt du mit dem früher Gesagten verbinden, die durch das Gesicht uns erscheinende Region der Wohnung im Gefängnisse gleichsetzen und den Schein von dem Feuer darin der Kraft der Sonne; und wenn du nun das Hinaufsteigen und die Beschauung der oberen Dinge setzt als den Aufschwung der Seele in die Region der Erkenntnis, so wird dir nicht entgehen, was mein Glaube ist, da du doch dieses zu wissen begehrst. Gott mag wissen, ob er richtig ist; was ich wenigstens sehe, das sehe ich so, daß zuletzt unter allem Erkennbaren und nur mit Mühe die Idee des Guten erblickt wird, wenn man sie aber erblickt hat, sie auch gleich dafür anerkannt wird, daß sie für alle die Ursache alles Richtigen und Schönen ist, im Sichtbaren das Licht und die Sonne, von der dieses abhängt, erzeugend, im Erkennbaren aber sie allein als Herrscherin Wahrheit und Vernunft hervorbringend, und daß also diese sehen muß, wer vernünftig handeln will, es sei nun in eigenen oder in öffentlichen Angelegenheiten.
Auch ich, sprach er, teile die Meinung, so gut ich eben kann.
Komm denn, sprach ich, teile auch diese mit mir und wundere dich nicht, wenn diejenigen, die bis hierher gekommen sind, nicht Lust haben, menschliche Dinge zu betreiben, sondern ihre Seelen immer nach dem Aufenthalt oben trachten; denn so ist es ja natürlich, wenn sich dies nach dem vorher aufgestellten Bilde verhält.
Natürlich freilich, sagte er. — Und wie?
Kommt dir das wunderbar vor, fuhr ich fort, daß, von göttlichen Anschauungen unter das menschliche Elend versetzt, einer sich übel gebärdet und gar lächerlich erscheint, wenn er, solange er noch trübe sieht und ehe er sich an die dortige Finsternis hinreichend gewöhnt hat, schon genötigt wird, vor Gericht oder anderwärts zu streiten über die Schatten des Gerechten oder die Bilder, zu denen sie gehören, und dieses auszufechten, wie es sich die etwa vorstellen, welche die Gerechtigkeit selbst niemals gesehen haben?
Nicht im mindesten zu verwundern! sagte er.
(518 a) Sondern, wenn einer Vernunft hätte, fuhr ich fort, so würde er bedenken, daß durch zweierlei und auf zwiefache Weise das Gesicht gestört sein kann, wenn man aus dem Licht in die Dunkelheit versetzt wird, und wenn aus der Dunkelheit in das Licht. Und ebenso, würde er denken, gehe es auch mit der Seele, und würde, wenn er eine verwirrt findet und unfähig zu sehen, nicht unüberlegt lachen, sondern erst zusehen, ob sie wohl von einem lichtvolleren Leben herkommend aus Ungewohnheit verfinstert ist oder ob sie, aus größerem Unverstande ins Hellere gekommen, durch die Fülle des Glanzes geblendet wird; und so würde er dann die eine wegen ihres Zustandes und ihrer Lebensweise glücklich preisen, die andere aber bedauern; oder, wenn er über diese Lachen wollte, wäre sein Lachen nicht so lächerlich als das über die, welche von oben her aus dem Lichte kommt.
Sehr richtig gesprochen, sagte er.

Platon | Phaidon, Politea (S.224-227 Politea) | In der Übersetzung von Friedrich Schleiermacher mit der Stephanus-Numerierung | herausgegeben von Walter F. Otto, Ernesto Grasso,Gert Plamböck, Rowohlts Klassiker | gefunden auf Philos Website

2008-12-19 | achtphasen | 19:40:47 | Email | comment





 
Vertraut denjenigen die die Wahrheit suchen, zweifelt an denjenigen die sie finden.

| achtphasen | 15:54:14 | Email | comment





 
Die Vernunftwahrheiten sind notwendig, und ihr Gegenteil ist unmöglich; die Tatsachenwahrheiten sind zufällig und ihr Gegenteil ist möglich.

2008-12-18 | achtphasen | 09:06:42 | Email | comment





 
“Mein Gott! Was ist das? Wie kommt der hierher?” dachte Fürst Andrej. In dem unglücklichen, schluchzenden, ganz von Kräften gekommenen Menschen, dem soeben das Bein abgeschnitten worden war, hatte er Anatol Kuragin erkannt. Das Sanitätspersonal richtete Anataol wieder ein wenig auf, und einer hielt ihm ein Glas Wasser hin, dessen Rand aber seine zuckenden, geschwollenen Lippen nicht zu fassen vermochten. Anatol schluchzte verzweifelt.
“Ja, das ist er.
Ja, dieser Mensch ist mir auf irgendeine Weise eng und schmerzlich verbunden", dachte Andrej, ohne ganz klar erfasst zu haben, was soeben vor sich gegangen war. “Aber auf welche Weise ist dieser Mensch mit meiner Kindheit, mit meinem Leben verbunden?” fragte er sich, ohne eine Antwort zu finden.
Und jetzt stand plötzlich eine neue, überraschende Erinnerung aus der Welt der Kindheit, der Reinheit, der Liebesfülle vor dem Fürsten Andrej auf. Er sah Natascha vor sich, wie er sie zum ersten Male gesehen hatte, damals auf dem Balle im Jahre 1810, mit dem mageren Halse, den mageren Armen, mit dem ängstlichen und glücklichen Gesicht, das doch nur darauf wartete, in seliger Freude zu erstrahlen, und nun wogten Liebe und Zärtlichkeit mächtiger als je zuvor durch sein Herz. Jetzt wurde ihm auch klar, was ihn mit diesem Menschen verband, der ihn aus seinen verschwollenen, mit Tränen gefüllten Augen trübselig ansah. Nun fiel dem Fürsten Andrej alles ein, er empfand für diesen Menschen ein hingebungsvolles, verzücktes Mitleid, eine hingebungsvolle, verzückte Liebe, welche sein Herz mit Glück füllten.
Den Fürsten Andrej verliess seine Selbsteherrschung, er weinte von Herzen kommende Liebestränen über die Menschen, über sich selbst, über ihre und seine Verirrungen.
“Mitleid und Liebe für unsere Brüder, für die, die uns lieben, Liebe für die, die uns hassen, Liebe für die Feinde, ja, jene Liebe, die Gott auf Erden verkündigt hat, jene Liebe, die Prinzessin Marja mich lehren wollte und die ich nicht verstehen konnte! Ja, das ist es, was mir das Sterben schwer macht, das ist es, was ich noch vor mir gesehen hätte, wenn ich noch weiter hätte leben dürfen. Aber jetzt ist es schon zu spät. Das weiss ich!”
Leo N. Tolstoi, Krieg und Frieden, in der Übersetzung von Werner Bergengruen, Berlin und Darmstadt 1953, S. 1063

2008-12-10 | achtphasen | 11:07:04 | Email | 1 comment





 

2008-12-08 | achtphasen | 18:01:46 | Email | comment





 

“Denn Aufklärung ist totalitär wie nur irgend ein System. Nicht was ihre romantischen Feinde ihr seit je vorgeworfen haben, analytische Methode, Rückgang auf Elemente, Zersetzung durch Reflexion ist ihre Unwahrheit, sondern daß für sie der Prozeß von vornherein entschieden ist. Wenn im mathematischen Verfahren das Unbekannte zum Unbekannten einer Gleichung wird, ist es damit zum Altbekannten gestempelt, ehe noch ein Wert eingesetzt ist. Natur ist, vor und nach der Quantentheorie, das mathematisch zu Erfassende; selbst was nicht eingeht, Unauflöslichkeit und Irrationalität, wird von mathematischen Theoremen umstellt. In der vorweggenommenen Identifikation der zu Ende gedachten mathematisierten Welt mit der Wahrheit meint Aufklärung vor der Rückkehr des Mythischen sicher zu sein. Sie setzt Denken und Mathematik in eins.

(…)

“Denken verdinglicht sich zu einem selbsttätig ablaufenden, automatischen Prozeß, der Maschine nacheifernd, die er selber hervorbringt, damit sie ihn schließlich ersetzen kann.”

(…)

“Die Gleichung von Geist und Welt geht am Ende auf, aber nur so, daß ihre beiden Seiten gegeneinander gekürzt werden. In der Reduktion des Denkens auf mathematische Apparatur ist die Sanktion der Welt als ihr eigenes Maß beschlossen.”

Horkheimer/Adorno, Dialektik der Aufklärung, Frankfurt am Main 1998, (a.a.O), S. 31 f.

2008-12-06 | achtphasen | 10:19:39 | Email | 26 comments





 

| achtphasen | 10:08:34 | Email | comment





 

2008-12-02 | achtphasen | 20:13:06 | Email | comment





 

 

Denn soll Gott sprechen, mußt du schweigen; soll Gott eingehen, müssen alle Dinge ausgehen.
Die Mannigfaltigkeit der Bilder, die das Wort in dir bedecken und sich drüber ausbreiten, die hindern diese Geburt in dir.

Johannes Tauler: Von der Geburt Gottes im Menschen, aus: Mystische Schriften, Diederichs Gelbe Reihe, München 1988, ISBN 3-424-00924-5, S.161

2008-12-01 | achtphasen | 19:03:19 | Email | comment





 

Fachleute sind voll von Vorurteilen, man kann ihnen nicht trauen und muß ihre Empfehlungen genau untersuchen

Beginnen wir mit der Bemerkung, dass Fachleute oft verschiedene Meinungen haben und zu verschiedenen Ergebnissen kommen, und zwar sowohl in grundlegenden Dingen als auch in Fragen der Anwendung. Wer erinnert sich nicht an zumindest einen Fall in seiner Familie, wo ein Arzt eine Operation vorschlug, ein zweiter sich gegen die Operation wandte, während ein dritter ganz andere Ideen hatte. Wer hat nicht die Debatten über nukleare Sicherheit, Ökonomie, die Wirksamkeit (oder Schädlichkeit) von Insektenmitteln, Erziehungsmethoden, den Einfluß der Rasse auf die Intelligenz, die Brauchbarkeit von Intelligenztests und dergleichen mehr verfolgt? Da finden wir zwei, drei, fünf verschiedene Meinungen und wissenschaftliche Verteidiger für jede einzelne von ihnen. Gelegentlich fühlt man sich fast geneigt zu sagen: so viele Wissenschaftler, so viele Meinungen. Es gibt natürlich Gebiete, in denen die Wissenschaftler alle einer Ansicht sind. Das kann aber unser Vertrauen nicht erhöhen. Einmütigkeit unter Wissenschaftlern ist oft das Ergebnis einer politischen Entscheidung: Abweichler werden unterdrückt, oder sie schweigen, um das Ansehen der Wissenschaften als einer Quelle vertrauenswürdiger und fast unfehlbarer Kenntnisse nicht zu kompromittieren. Dann wieder ist die Einheit des Urteils ein Ergebnis gemeinsamer Vorurteile: man macht gewisse grundlegende Annahmen, ohne sie genauer zu untersuchen, und trägt sie mit derselben Autorität vor, die sonst nur Detailforschungen zukommt. Die Wissenschaften sind voll von Annahmen oder, besser gesagt, Gerüchten dieser Art. (…)

Ein zweiter Grund für die Irrtümer der Fachwelt ist, dass der Fachmann, `der einen Gegenstand gründlich und von vielen Seiten her untersucht hat´, oft keine Ahnung hat, wovon er redet. Er hat starke Überzeugungen, er kennt einige Routine-Argumente für diese Überzeugungen, er kennt vielleicht auch Ergebnisse außerhalb seines Faches, die die Ergebnisse unterstützen, er stützt sich aber meistens auf Gerüchte und Tratscherei. Weder Intelligenz noch Fachwissen sind nötig, um das festzustellen. Neugier und ein bisschen Fleiß genügen. Man findet dann, dass viele der `Prinzipien´ oder `Resultate´, die in den Wissenschaften eine so große Rolle spielen, einfach Gerüchte oder Vorurteile sind.

Paul Feyerabend, Erkenntnis für freie Menschen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-518-07502-0, S. 145 f.

| achtphasen | 17:53:10 | Email | 1 comment





 

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