
B i l d d e u t u n g - ein Versuch
Das Werk “ohne Titel” von Frau Beate Böhmke, zu sehen in der Ausstellung “Graphik aus Dortmund” in der Berswordt-Halle des Stadthauses im Sommer 2008, hatte ich für mich schon vorweg zu deuten versucht, als ich es am 3. Juli das erste Mal, nur als Passant beiläufig erblickt habe und von dem Motiv sofort begeistert war. - Nach einem telefonischen Gespräch mit der Künstlerin habe ich meine Deutung doch noch erweitert - ich versuche hier, dies zusammenzufassen.
Für mich stehen der gemalte Menschenaffe und der gemalte Elefant symbolhaft für die mächtigen Naturkräfte, in die der Mensch und alle Lebewesen auf wunderbare Weise unauflöslich eingebettet sind und von denen der Mensch auf seinem Weg zur Erkenntnis und der Weiterentwicklung ausserordentliche Vorteile schöpft, wobei dies bisweilen einer gefährliche Seilbegehung oder einer Gratwanderung gleich kommen kann und daher größte Achtsamkeit geboten ist - wie im Wasserfarbengemälde (Mischtechnik) von Frau Beate Böhmke lebendig anzuschauen ist.
Frau Böhmke führte aus, dass im asiatischen Kulturbereich der Elefant ein Symbol für Weisheit ist, die der Mensch, wie er sich vorwärtsbewegend in dem Gemälde gezeichnet ist, auch aktiv erreichen will, in dem er die Wegerichtung nach oben einschlägt, hier in Richtung auf den Elefanten. Der Elefant steht somit z.B. für die höheren geistigen Kräfte und der Menschenaffe noch für die niedrigen Kräfte, deren aber beide das Leben gänzlich unverzichtbar bedarf. Jedoch helfen diese Kräfte, nach innen und außen wirkend, nur wirklich weiter, wenn sie untereinander ausgeglichen wirken, wie das gespannte Seil und die auf beiden Seilseiten genau abgestimmten Zugkräfte anzeigen und erst so eine erfolgreiche Balance dem Jongleur und die Fortbewegung entlang dem Seil ermöglichen.
Dabei sind die niedrigen und höheren Kräfte auch direkt innerhalb eines jeden einzelnen menschlichen Individuum aktiv zugange und bedürfen eines konstruktiven, stets nachzubesserndem Gleichgewichtes, der zielgerichteten Balance, wie es im Gemälde sichtbar wird.
Die ausserordentliche, mit den Augen des Betrachters fühlbare Konzentration - bewußt gerichtet auf die präzise bemessenen, großen Kräfte an den Griffstellen am Seil -, die die seilspannenden Wesen bei genau dieser Tätigkeit ausstrahlen, verbinde ich gedanklich mit einer Zielorientierung der Natur, wenn sie dem Menschen in seinem Streben nach Weiterentwicklung voll zur Seite stehen kann - ja höchst selbst mag es die Natur sein, die sich im Menschen realisiert und nach einer höheren Ordnung strebt. Die Aufgabe und die konkrete Verantwortung des Menschen ist dabei, wie das Gemälde zeigt, keinen Fehler, keinen unbedachten und unkontrollierten Schritt zu wagen, da sonst der Fall in einen unbekannten Abgrund unwiderruflich droht.
Jeder Schritt auf dem Seil darf nur voll kontrolliert erfolgen - hierzu
bedarf es eines hellwachen, eines nie ermüdenden und tätigen Bewußtseins!
Physikalisch gesprochen: Im Falle eines Absturzes oder anläßlich einer
Fehlbeurteilung in einer kritischen Situation obsiegt unwiderruflich die Entropie und das Maß der Unordnung wird unweigerlich vergrößert.
Ist dies die Situation des Menschen und auch des menschlichen Forscherdranges, wenn unbewußt oder gar fahrlässig Grenzen überschritten werden, wenn vermeidbare Fehleinschätzungen nicht ausreichend nachgeprüft und
revidiert werden, wenn ein starres Denken, fixiert nur auf ein einziges Ziel, den Blick nach links und nach rechts einschränkt, wenn nur noch Teile und nicht auch ihre Einbindung in dem Ganzen mehr gesehen werden können, wenn z.B. eine bislang bewährte Mehrheitsmeinung in einer Grenzsituation nicht zusätzlich hinterfragt wird ?Rudolf Uebbing, rudolfuebbingdo at aol.com
2008-07-05 | achtphasen | 13:00:26 |
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