January 11, 2010
Lieber Herr Landua:
Danke, dass Sie mich zu einem offiziellen Gespräch im Namen des CERN am kommenden Donnerstag empfangen wollen. Das ist besonders anständig von Ihnen, da ich Ihnen öffentlich vorgehalten hatte, dass Sie ein sicherheitsrelevantes gemeinsames Resultat von Ihnen und mir vor der Öffentlichkeit verleugnet hatten (die experimentelle Überprüfbarkeit der von mir ins Spiel gebrachten Widerstandslosigkeit von superflüssigen Neutronensternen für hindurchfliegende schnelle neutrale Teilchen – in Form von Neutrinos durch supraflüssiges Helium im Vergleich zu normalflüssigem Helium in einem nur am CERN durchführbaren Kontrollexperiment).
Ihre und meine Art zu denken sind sehr verschieden, aber oft entstehen daraus die besten Freundschaften.
Im Grunde habe ich nur ein einziges Resultat vorzubringen, wie ich das am 4. Juli 2008 schon versucht habe. Globale Drehimpulserhaltung. Also auch über die Grenzen von Inertialsystemen hinweg. Also auch zwischen “oben“ und “unten“ in einem Schwerefeld.
Ein reibungsfrei frei horizontal rotierendes Speichenrad, das im Schwerefeld heruntergelassen wird, rotiert unten langsamer, hat aber nach dem Wiederheraufholen den alten Drehimpuls. Er war also auch unten erhalten und hätte zwischen oben und unten ausgetauscht werden können. Es muss also unten auch “L = m mal omega mal r-quadrat = constans“ gegolten haben (Drehimpuls gleich Masse mal Drehfrequenz mal Radius-im-Quadrat). Da omega unten kleiner war, müssen m und r verändert gewesen sein. Und zwar m proportional zu omega, und r umgekehrt proportional (wie aus der Bohrradiusformel der Quantenmechanik unabhängig gefolgert werden kann).
Diese Veränderung aller Radien im Schwerefeld ist revolutionär (obwohl sie in einer Arbeit des früheren Präsidenten der kanadischen Physikalischen Gesellschaft, Paul Marmet, von 1997 schon zu finden ist, wie ich von Theodor Haensch gelernt habe). Sie wird von meinem gotischen-R-Theorem aus der Schwarzschildmetrik bestätigt und erklärt.
Ganz kurz: Sie kennen den Ausdruck für die Lichtgeschwindigkeit weiter unten im Schwerefeld. Der ganz außen gültige Wert dr/dt = c geht in Horizontnähe über in: dr/dt –> 0. Zugleich gilt überall dR/d(tau) = c, mit der sogenannten Radialentfernung R und der lokalen Eigenzeit tau. Beide Größen “schwimmen“ sozusagen im Koordinatensystem. Es gibt aber noch zwei weitere sinnvolle Lichtgeschwindigkeiten, d(gotisches R)/dt = c und dr/d(groß Tau) = c. Man kann also erzwingen, dass c konstant bleibt nicht nur lokal (zweite obige Gleichung, was bekannt ist), sondern auch global: die beiden letztgenannten Gleichungen. Wobei entweder die Außenzeit t als “ontologisch“ angenommen wird oder die Außendistanz r. Doch nur der eine dieser beiden Fälle (der mit der Außenzeit t) entspricht sinnvoll der Realität, wie ich in meiner Arbeit über das gotische-R-Theorem gezeigt habe.
Die überraschende geometrische Folge: eine endliche Kugeloberfläche kann ein unendliches Volumen beherbergen (Antifraktal). Das ist der umgekehrte Fall zu dem bekannten Fraktal, bei dem ein endliches Volumen von einer unendlichen Overfläche umhüllt ist.
Die (“gotische“) Radiusveränderung als Funktion der Höhe hat physikalische Folgen. Die von außen gültige Strecke zum und vom Horizont wird in Übereinstimmung mit der Lichtlaufzeit unendlich. Der Horizont wird wirklich (und nicht nur für das Licht) unendlich weit entfernt. Er wird deshalb zum Beispiel auch nicht in endlicher Zeit fertig. Und es kann natürlich nichts in endlicher Zeit entweichen (oder hineingeraten), wie bei der Hawkingstrahlung angenommen. Die Quantenzellen in der Umgebung des Horizonts behalten ihr zeitumkehrsymmetrisches Verhalten für aus dem Nichts entstehende und in es verschwindende Teilchenpaare: keine Hawkingstrahlung. (Auch keine Unruhstrahlung, die das allgemeine Kovarianzprinzip verletzen würde.)
Mit der gefundenen Nichtverdampfung fällt das erste und wichtigste Sicherheitsargument des CERN.
Eine zweite sehr wichtige physikalische Implikation des gotischen-R-Theorems ist der asymptotische Ruhmassen-Verlust jedes hineinfallenden Körpers (m –> 0 bei r –> Schwarzschildradius), obwohl nach dem Birkhofftheorem die Gesamtmasse des fallenden Körpers erhalten bleibt. Dieses Resultat wurde vor kurzem unabhängig von George W. Cox beschrieben. Da lokal das allgemeine Kovarianzprinzip gilt, geht in Horizontnähe parallel mit der Ruhmasse auch die Ladung gegen null. Daher sind Schwarze Löcher (inklusive Fast-Schwarze Löcher, die ich zuerst 1998 beschrieben habe) notwendig ungeladen.
Die Ungeladenheit ist ebenso revolutionär wie die Strahlungsfreiheit. Mit ihr fällt das zweite große Sicherheitsargument des CERN: Dass mini-Schwarze Löcher (zu einem hohen Prozentsatz) “klebrig“ sind und wie Alphateilchen sofort in Materie abgebremst würden. Nur ultralangsame (also künstliche) können in der Erde stecken beleiben, da sie ungeladen und deshalb fast reibungsfrei sind.
Zugleich erhöht die Ungeladenheit Schwarzer Löcher paradoxerweise die Wahrscheinlichkeit der Bildung mini-Schwarzer Löcher im CERN. Denn natürliche (geladene) Leptonen können nun nicht mehr maximal klein (so klein wie ihr formal aus ihrer Masse folgender Schwarzschildradius) sein, da sie sonst ungeladen wären. Daher ist die String-Theorie oder eine verwandte Theorie bereits empirisch bestätigt. Wir sprachen darüber am 4. Juli 2008.
Wie sehr die Wahrscheinlichkeit der Bildung Schwarzer Löcher im CERN dadurch erhöht wird, kann nicht sicher abgeschätzt werden. Alle Werte zwischen einem Schwarzschildradius von 10 hoch minus 35 Metern (Planck-Länge) und 10 hoch minus 18 Metern (empirisch nicht ausschließbarer Maximalwert) sind denkbar. Das sind 17 Größenordnungen, über die empirische Unsicherheit besteht.
Der klassische Planck-Radius gehört zu einer Planck-Masse von 10 hoch minus 5 Gramm oder 10 hoch 18 Protonenmassen. Er ist für technische Zivilisationen unerrreichbar. Doch wenn der Planck-Radius um 17 Größenordnungen größer wäre, also 10 hoch minus 18 Meter, sollten 10 hoch 17 mal weniger Protonenmassen, also 10, ausreichen, um ein mini-Schwarzes Loch zu erzeugen. Das ist empirisch nicht der Fall. Selbst die 1800 Protonenmassen (1.8 TeV) des amerikanischen RHIC haben offenbar noch nicht gereicht. Es bleiben daher noch knapp 15 Größenordnungen empirisch abzudecken, um mit Sicherheit ein Schwarzes Loch zu erzeugen.
Beim Fehlen von weiterer Information würde die beim LHC-Experiment angestrebte Vergrößerung der Kollisionsenergie gegenüber dem RHIC um den Faktor 8 (also etwa eine Größenordnung) mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 15 Schwarze Löcher erzeugen. Mit dem für die Ungeladenheit erzielten Bonus aus der Stringtheorie und Verwandten steigt die Wahrscheinlichkeit nocheinmal um vielleicht den Faktor 2. Damit besäße der LHC des CERN die Wahrscheinlichkeit eines russischen Roulettes – circa 1:6 –, ein in der Erde stecken bleibendes langsames mini-Schwarzes Loch zu erzeugen, oder Millionen, mit einem Steckenbleiber, wie wir es an dem genannten vierten Juli schon ansprachen.
Das neue Resultat der Ungeladenheit (fehlende Klebrigkeit) macht auch das dritte große Sicherheitsargument des CERN, dass natürliche Analoga zum LHC-Experiment aus der Höhenstrahlung ebenso gefährlich wären wie die erhofften künstlichen, falls diese gefährlich wären, zunichte, wie Sie damals anerkannten.
Das Rückzugsargument des CERN, dass wenigstens Neutronensterne gefährdet sein müssten durch die ultraschnellen natürlichen Analoga, wurde von uns damals im Gespräch gelöst (wie bereits erwähnt: Suprafluiditäts-Experiment am CERN).
Sodass insgesamt die Natur entschlossen zu sein scheint, dem CERN zum Erfolg die Hand zu reichen, was das Ziel der Erzeugung künstlicher Schwarzer Löcher angeht.
Dieser guten Aussicht steht eine schlechte Ausssicht gegenüber: das witere Schicksal der mit der Wahrscheinlichkeit von 1 zu 6 gebildeten Zwerge. Während bisher ausschließlich von Relativitätstheorie und Quantenmechanik die Rede war, kommt hier die dritte Grundlagenwissenschaft der nichtlinearen Dynamik ins Spiel, für die es am CERN keine Spezialisten (mehr) zu geben scheint. Beim Problem des weiteren Schicksals eines von der Erde “eingefangenen“ mini-Schwarzen Loches ist die Frage der Wachstumsgeschwindigkeit desselben innnerhalb der Erde entscheidend. Ist sie nichtlinear? Die bekannten riesigen natürlichen Schwarzen Löcher in Quasaren wachsen exponentiell an bei konstantem Nahrungsangebot. Diese sogenannten Quasare sind hochinteressante nichtlineare Maschinen. Durch die neue Eigenschaft der Ladungsvernichtung des zentralen Schwarzen Loches werden viele Eigenschaften dieser magnetogravitativen Dynamos erst verständlich. Sie
existieren notwendig in “allen Größen“. Meine Ihnen damals bereits vorliegende und im selben Monat erschienene Arbeit führt dies bereits aus. Die Zeitabschätzung “50 Monate“ bis zur Beendigung des irdischen Freßvorgangs, da nichts mehr zu fressen übrig ist, ist nach wie vor außerordentlich grob.
Ich komme zum Schlussplädoyer in unserem mündlich fortzuführenden wissenschaftlichen Dialog: Alles, um was ich meine geschätzten Kollegen am CERN seit Jahren bitte, ist diese Gnade des “benefit of the doubt“. Bitte, widerlegen Sie meine eine große Gefahr belegenden Argumente, BEVOR Sie handeln.
Die im April 2008 öffentlich geforderte wissenschaftliche Sicherheitskonferenz (“APetitiontoCERN“) wurde bis jetzt verzögert. Stattdessen haben Sie inzwischen von der geplanten Energieerhöhung um eine Größenordnung – mit der geschilderten Gefahr eines “Ground Zero“ von 1:6 – vor 4 Wochen bereits 4 Prozent realisiert. Das sind, falls Sie nicht ein zwingendes Argument in der Hinterhand haben, das ich in unserem Gespräch zu enthüllen bitte, bereits 0.8 Prozent Armageddon-Gefahr von Ihnen in Kauf genommen worden. Warum?
Ich ersuche CERN hiermit höflich, das Experiment solange nicht über 1.8 TeV zu fahren, bis meine Beweiskette an einer Stelle wissenschaftlich irreparabel durchlöchert ist. Und sich für die vorschnelle Handlung zu entschuldigen.
Umgekehrt entschuldige ich mich für alle harten Worte, die ich im Eifer, ein Unglück im letzten Moment zu verhindern zu versuchen, gemacht habe. Wissenschaft ist Freundschaft. Bitte widerlegen Sie mich und machen Sie dann weiter!
Herzlich Ihr
Otto E. Rössler
2010-01-16 | achtphasen | 09:46:16 |
| 3 comments