“Das CERN veranstaltet seine Experimente, deren Ausgang völlig offen ist, ohne jede öffentliche Kontrolle. Dazu ist es durch den Vertrag von 1955 ausdrücklich berechtigt. Die Wissenschaftler des CERN stehen auf dem Standpunkt, dass der Öffentlichkeit eine Einmischung nicht zusteht, weil sie nicht über die physikalischen und mathematischen Kenntnisse verfüge, die notwendig wären, das Gefahrenpotential der Versuche am Teilchenbeschleuniger zu beurteilen. Die Bevölkerung soll es hinnehmen, dass CERN entscheidet, welches Risiko zu tragen sie bereit sein muss. Bei einer anderen Wissenschaft, vor deren Ergebnissen sich Menschen mit und ohne Fachkenntnisse ängstigen, gibt es jedoch durchaus staatliche Beschränkungen. Was man in der Gentechnologie darf und was nicht, bestimmen in Deutschland und anderen Ländern Gesetze. Ein Nationaler Ethikrat versucht, die Interessen von Wissenschaftlern und Bürgern auszutarieren und eine öffentliche Diskussion über Vorzüge und Gefahren der Genforschung in Gang zu halten. Bei den Experimenten des CERN dagegen fehlen solche staatlichen Rahmensetzungen.
Eine öffentliche Debatte findet nur in den Hinterhöfen von Internet-Blogs statt. …”

“Aus dem Nachwort des Autors Wolfgang Zöllner zu seinem Roman “Atlas ohne Schweiz", Grimma 2009.”

2009-10-23 | achtphasen | 21:41:47 | Email | comment




 

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