“Wir können Schlimmeres verhindern, wenn wir uns entscheiden, bewusst und verantwortungsvoll zu leben. Wenn wir unser Verhalten nicht ändern, wird unser Planet weiter zerstört. Den Menschen werden die Lebensgrundlagen entzogen, die Gesellschaft kommt ins Wanken. Die meisten Konflikte, wie in Sri Lanka oder im Swat-Tal, sind Nebeneffekte unseres Wirtschaftmodells, das so gierig nach Rohstoffen ist, dass es anderen die Ressourcen stiehlt. Und die Bestohlenen werden sich erheben. Man hat eine ökologische Zeitbombe und die ökonomische - und man weiß nicht, welche zuerst explodiert.”
()
“Ich habe schon viele Pflanzensamen gesammelt. Und je verzweifelter ich werde, umso mehr Samen sammele ich und setze sie ein. Und eines ist sicher: Der Drang in mir, biologische Vielfalt zu wahren, örtliche Landwirtschaft zu schützen und den ärmsten Menschen ihre Lebensgrundlagen zu sichern, wächst proportional mit der Zerstörungswut der globalen Wirtschaft.”
()
“Wir konzentrieren uns sicherlich zu sehr auf die ökonomische Krise - natürlich auch, weil die Regierungen und die Automobilindustrie sie als den Anfang vom Ende darstellen. Als würde die Welt ohne Banken und Autobauer zusammenbrechen. Dabei verkauft die Automobilindustrie zu viele Wagen, die keiner wirklich braucht, und die Banken spekulieren ständig mit neuen Papieren. Statt das zu korrigieren, wird alles getan, um rettend einzugreifen. Das ist so, als hätte ein Luftballon ein Loch, und man pustet trotzdem weiter Luft hinein. Aber ein kaputter Ballon ist kaputt.”
()
“Gärtnern kann die Welt retten. Wir sind an einem Punkt, an dem Gartenarbeit viel ändern kann - materiell, emotional und politisch. Jeder sollte gärtnern. Für die Menschen, die keinen Platz haben, müssten die Gemeinden dafür öffentlichen Raum schaffen - statt neuer Parkplätze. Im Krieg wurden () in Deutschland auch an den Rändern der Städte große Gärten angelegt, damit sich die Menschen ernähren konnten.”
()
“Das ist nicht naiv, das ist die Art, wie unser Planet funktioniert. Andere Lebewesen schaffen die Grundlagen für unser Leben, darum haben sie ein Recht auf Gleichberechtigung. Bäume beispielsweise geben uns den lebensnotwendigen Sauerstoff und haben ein Recht auf Wasser. Es ist dumm und arrogant, zu sagen, der Boden, das Wasser, die Luft - all das gehört den Menschen. Denn damit zerstören wir unsere Lebensgrundlagen. Besonders Männer mit Macht sind gut darin - sie haben uns auch in die momentane Krise gebracht.”
()
“Eine kategorische Ersetzung von Männern durch Frauen ist nicht die Lösung. Man könnte hundert Margret Thatchers haben und hätte mehr Kriege als jetzt. Was wir brauchen, ist eine bessere Verbindung eher weiblicher Kompetenzen wie zum Beispiel Fürsorglichkeit mit der Politik. Die Fähigkeit, sich zu kümmern, ist bei Frauen besser ausgebildet, aufgrund der vorherrschenden Arbeitsteilung. Wir brauchen Frauen, die sich diese Qualität erhalten haben und dadurch Entscheidungen anders treffen. Wir brauchen Menschen an der Macht, die sich um die Umwelt, die Menschen und die Gesellschaft kümmern.”
()
“Mein Herz treibt mich, mein Bewusstsein, mein Geist. Was ich tue, tue ich nicht aus irgendeinem unechten Grund, sondern weil es einfach zwingend notwendig ist. Und dann fließt automatisch die ganze Energie des Universums hinein. Außerdem binde ich meinen Widerstand an kreative Alternativen, die täglich umgesetzt werden können. Samen wachsen zu sehen und sagen zu können, wenn ich morgen nicht mehr da bin, wachsen sie trotzdem weiter - das ist befriedigend.”
()
“Ich bin von Beruf Physikerin und musste diese Leidenschaft opfern, um mein jetziges Leben zu führen. Auch ich muss Grenzen akzeptieren - der Tag hat nur 24 Stunden und mein Körper hat ein Limit. An manchen Tagen vermisse ich die Physik, das intellektuelle Spiel. Aber es wäre schrecklich egoistisch, mich in meinen Lieblingsgedankenspielen zu verlieren, während die Welt untergeht.”

Vandana Shiva ist in einer Familie aufgewachsen, für die Gerechtigkeit und Einfachheit naturgegebene Werte waren. Ihre Eltern, ein Forstbeamter und eine Schulrätin, traten vom Staatsdienst zurück und ließen sich als Bauern nieder. Sie lebten sehr einfach, teilten aber alles, was sie hatten. Shivas Engagement begann, als sie sah, wie der Wald in ihrer Heimat, am Fuße des Himalaya, verschwand.
Shiva hat sich dem Kampf für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung und soziale Gerechtigkeit verschrieben. Sie strebt die “Erd-Demokratie” an, eine Form des Zusammenlebens, in der Menschen, Tiere und Pflanzen gleichberechtigt sind. Bereits in den 70er Jahren engagierte sie sich bei Chipko, der ersten indischen Umweltbewegung: Frauen umarmten Bäume, damit sie nicht gefällt wurden. Heute widmet sie sich insbesondere der Artenvielfalt und natürlichen Anbaumethoden. Außerdem macht sie sich für Frauen in der Dritten Welt stark.
Das Zentrum von Shivas Arbeit liegt in ihrem Heimatort Dehradun, wo die von ihr gegründete Stiftung Navdanya sitzt. Hier wird geforscht und gelehrt. Navdanya sammelt und sichert Sorten traditioneller Ernährungspflanzen und baut sie auf der Versuchsfarm an. Die Bauern bekommen Saatgut und lernen, Getreide und Hülsenfrüchte ohne Pestizide anzubauen, damit sie kein patentiertes Saatgut brauchen. Außerdem hält Shiva rund um die Welt Vorträge, wie auf dem Evangelischen Kirchentag in Bremen. Sie berät die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen, ist Mitglied des Club of Rome und des Exekutivkomitees des Weltzukunftsrates.
Shivas Inspiration ist Mahatma Gandhi, der große Anführer des gewaltfreien Widerstands der Inder gegen die Briten. So wie Ghandi mit dem Spinnrad der Textilindustrie der Kolonialherren Einhalt gebieten wollte, sammelt Shiva Samen. Der Slogan “Quit India” der ursprünglich den Briten galt, wird nun auf internationale Gentech-Firmen übertragen.
Shiva kämpft gegen neoliberale Wirtschaftspolitik, Produktpiraterie und Genfood. Seit einigen Jahren engagiert sich besonders gegen die Patentierung von Saatgut durch internationale Konzerne. Eine global operierende Industrie versuche mit allen Mitteln, die Welt von ihren gentechnisch veränderten Pflanzen abhängig zu machen, so Shiva. Ihren Angaben zufolge haben Hunderttausende indische Bauern Selbstmord begangen, weil sie Schulden aus dem Kauf und Anbau von Gensamen nicht zurückzahlen konnten. Zu den Firmen, die Shiva bekämpft, gehört auch der US-Konzern Monsanto, der auf Biotechnologie und die Herstellung von gentechnisch verändertem Saatgut fokussiert ist.
1993 erhielt Shiva den Alternativen Nobelpreis, weil sie “Frauen und Ökologie im Zentrum des modernen Diskurses um Entwicklungspolitik platziert” habe, so die Jury. Shiva habe sich zunehmend einen Namen als “total engagierte, sehr produktive und effektive Aktivistin-Anwältin-Intellektuelle” gemacht. Außerdem wurde sie mit dem Global 500 Award des Entwicklungsprogramms der UN geehrt und vom “Time"-Magazine als eine von fünf “Heroes for the Green Century” ausgezeichnet.
2009-05-25 | achtphasen | 13:23:28 |
| 2 comments