Beim allmählichen Hochfahren des elektrischen Stroms in den supraleitenden Magnetspulen des LHC war es bei einer Stromstärke von 9000 Ampere plötzlich zu einem Defekt an einer Verbindung zwischen zwei Spulen gekommen. Der supraleitende Zustand des Leiters, bei dem elektrische Ströme widerstandslos fließen können, brach zusammen. Als Folge kam es blitzschnell zu einer Überhitzung des betreffenden Leiterstücks, sodass es verdampfte. Der elektrische Strom bahnte sich jetzt in Form eines gleißenden Lichtbogens seinen Weg. Dieser bohrte dann, vergleichbar mit einem heißen Schweißbrenner, ein Loch in den mit minus 271 Grad kaltem Flüssighelium gefüllten Kühltank, sodass sich das Helium schlagartig verflüchtigen und in den Beschleunigertunnel entweichen konnte. Erst Tage später wurde den Cern-Forschern klar, welche Kräfte bei dieser Gasexplosion gewirkt haben müssen. Die Druckwelle der freigesetzten sechs Tonnen Helium war so stark, dass mehr als 20 der lastwagengroßen Magnete aus ihrer Verankerung gerissen und zum Teil seitlich verrückt wurden. Sie alle müssen jetzt mühsam durch den engen Beschleunigertunnel zu einem der Versorgungsschächte transportiert, nach oben gehievt, in einer Werkshalle inspiziert, repariert und dann wieder in die Unterwelt des Schweizer Jura gebracht werden.

„Cern ist ein Weltlabor, das unser Weltbild revolutionieren könnte“, rief die Theologin den Gästen unter der rosa ausgeleuchteten Wellblechdecke zu. „Der LHC hätte auch Platon begeistert. Physik und Philosophie richten beide den Blick auf das Innere der Welt.“

Doch bevor es dazu kommt, gilt es zunächst einmal, den Beschleuniger wieder startklar zu machen. Schwerwiegender noch als die defekten Magnete könnte eine durch den Lichtbogen verursachte Verunreinigung des Vakuumrohrs sein, durch das im Experiment die Protonen flitzen. Auch dieses Metallrohr wurde beschädigt, sodass Ruß ins Innerste der Beschleunigeranlage dringen konnte. Noch ist nicht klar, wie weit diese Verunreinigung sich innerhalb des Strahlrohrs ausbreiten konnte. Sollten größere Teile der Anlage betroffen sein, stünden die Physiker vor einem gewaltigen Reinigungsproblem. Denn solange sich Ruß im Strahlrohr befindet, lässt sich darin kein Ultrahochvakuum erzeugen…

http://www.welt.de/wissenschaft/urknallexperiment/article2614098/Physiker-und-Minister-feiern-kaputte-Weltmaschine.html

2008-11-23 | achtphasen | 08:27:00 | Email | 15 comments




 

Dieses Herumreiten auf dem Unfall am LHC ist sowas von lächerlich...sagen SIe mal, Herr Fasnacht, haben sie eigentlich die letzte Panne an ihrem Auto vorhergesehen? Oder ähnliches?
PermalinkPermalink 2008-11-23 | 18:09
Comment from: achtphasen [Member] Email
ein Bild samt Link aprospos 'sowas von lächerlich ...'

... sowas von lächerlich


PermalinkPermalink 2008-11-23 | 18:47
Comment from: ralfkannenberg [Visitor]
Sehr geehrter Herr Fasnacht,

wie mein Vorredner sehr treffend formuliert hat - es ist in der Tat "sowas von lächerlich".

Das kommt daher, dass "Ingenieurwesen" und "Physik" VERSCHIEDENE Disziplinen sind.

Freundliche Grüsse, Ralf Kannenberg
PermalinkPermalink 2008-11-24 | 09:35
Comment from: achtphasen [Member] Email
Hallo Herr Kannenberg,
Ja! wie Sie und Ihr Vorredner treffend formuliert haben - in der Tat: ... das Ganze ist sowas von lächerlich!!!
Ich gebe Ihnen und Ihrem Vorredner 100% recht - es ist lächerlich auf dem Unfall am LHC herumzureiten und es ist wahr, dass der Unfall NICHT von Spezialisten in ExperimentalPhysik sondern solchen aus dem weiten Feld des Ingenieurwesens zur Verbindung supraleitender Spulen verursacht wurde, wobei auch hier sofortige Relativierung der Schuldfrage angebracht ist.
Niemand ist schuld.
Möglicherweise ist es schlicht ein Riesenglück, dass durch die erneute Havarie ein wenig Zeit gewonnen wurde, auf dass die Spezialisten in TeilchenPhysik sich um Verständnis der neuesten und gänzlich unerwarteten Ergebnisse am Tevatron bemühen können und sich zwischenzeitlich vielleicht doch soviel Vernunft einstellen möge, dass die Ergebnise der BeschleunigerExperimente am RHIC und dem Tevatron ausgewertet würden; BEVOR am CERN mit 7mal höheren Energien, und auf Teufel komm raus, losexperimentiert wird.
freundliche Grüsse, Marc Fasnacht
PermalinkPermalink 2008-11-24 | 21:31
Comment from: ralfkannenberg [Visitor]
Sehr geehrter Herr Fasnacht,

wer hat denn behauptet, dass niemand "schuld" sei ? Es sollte doch wirklich nicht so schwer sein, zwischen Physikern, Ingenieuren und Niemand zu unterscheiden !

Ich persönlich würde übrigens die Wortwahl "verantwortlich" der Schuldfrage vorziehen.

Freundliche Grüsse, Ralf Kannenberg
PermalinkPermalink 2008-11-25 | 12:39
Comment from: bm [Visitor] · http://www.relativ-kritisch.de/forum
Herr Fasnacht,

wie oft hat man ihnen eigentlich schon erklärt, dass am LHC eben nicht "auf Teufel komm raus" direkt bei den hohen Energien "losexperimentiert" wird?

Wie oft?

PermalinkPermalink 2008-11-25 | 16:59
Comment from: achtphasen [Member] Email
Hallo BM
Ihre Kommentare entbehren meist erhellender Information, jedoch sind sie in schulmeisterlicher Strenge verfasst.
Es wurde mir schon manches 'erklärt', jedoch - und ganz offenbar - ist nicht alles so, wie es mir 'erklärt' wurde - klicken Sie doch bitte auf das obenstehende Bildchen ( es zeigt die, den Steuerzahler repräsentierenden, Politiker in InaugarationsFreude ) und hören Sie, was die im verlinkten Filmchen angezeigte Professorin für experimentelle Physik erzählt ...

jedenfalls wurde die 'Höllen'Maschine zu schnell hochgefahren.
freundliche Grüsse, Marc Fasnacht
PermalinkPermalink 2008-11-27 | 10:53
Comment from: ralfkannenberg [Visitor]
Sehr geehrter Herr Fasnacht,

dass die "Höllenmaschine" zu schnell hochgefahren wurde heisst aber nicht, dass sie schon ihre Höchstgeschwindigkeit erreicht hätte. Diese ist erst zu einem späteren Zeitpunkt geplant und würde jetzt auch wenig Sinn machen, da man ja in Kontinuität zum alten Beschleuniger weiterforschen möchte.

Und genau darauf spricht BM meiner Einschätzung nach an.


Freundliche Grüsse, Ralf Kannenberg
PermalinkPermalink 2008-11-27 | 14:10
Hallo Ralf, solange Herr Fasnacht immer noch nicht nachvollzogen hat, bei welcher Art Test der Defekt auftrat, ist eine weitere Diskussion m.E. sinnlos. BM
PermalinkPermalink 2008-11-27 | 21:18
Nachtrag: Herr Fasnacht, wenn ihnen schon soviel erklärt wurde, dann erklären sie doch mal uns, warum sie dann immer wieder an den Anfang des Diskussionsprozesses zurückfallen? Genausogut könnte man versuchen, mit einer Wand einen Dialog zu führen. Kopfschüttelnd BM PS: Ich finde meinen Vergleich mit ihrem Auto in der Tat erhellend. Offenbar wandeln sie aber immer noch in tiefster Nachtschwärze.
PermalinkPermalink 2008-11-27 | 21:30
Comment from: achtphasen [Member] Email
Ach BM!
machen Sie sich doch die Mühe Ihren Vergleich mit wessen Auto, bitte, zu erhellen - auf dass auch Sie uns eine Leuchte in tiefster Nachtschwärze würden!
vielen Dank ...!
PermalinkPermalink 2008-11-28 | 13:01
Comment from: ralfkannenberg [Visitor]
Sehr geehrter Herr Fasnacht,

wenn ich BM richtig verstehe, so diente der Vergleich mit Ihrem Auto der Fragestellung, ob es Ihnen möglich war, die letzte Panne im Voraus zu erkennen. Tatsächlich wäre es weit hergeholt, wenn ein Auto-Gegner aufgrund einer Panne an Ihrem Auto die Forderung untermauert sehen würde, man müsse alle Autos verbieten. Im Falle des LHC wird das aber gemacht.

Freundliche Grüsse, Ralf Kannenberg
PermalinkPermalink 2008-11-28 | 14:39
Comment from: achtphasen [Member] Email
Hallo Herr Kannenberg
BM ist sicherlich im Stande selber Licht in sein erhellendes Beispiel zu geben. Diesen Aufwand müssen Sie ja nicht auch noch treiben.
Ich möchte Sie, aprospos, seit gestern fragen, ob Sie Ihre drei Argumente, das mittlerweile berühmte zu den Hochgeschwindigkeitszügen, Ihr noch unbekannteres zur Mathematik (1+1=2) und das Neueste, das die Lebensdauer der Sonne betreffende, selber zu einem oder drei Artikeln bei den achtphasen ausarbeiten wollen - gerne auch mit Illustrationen Ihrer Wahl -, oder ob ich das unternehmen soll.
Ich meinte Sie persönlich könnten diese drei 'Gleichnisse' am besten einbringen und so wäre es mir angenehm, falls Sie sich dieser Aufgabe widmen wollten.
Ich befürchte nämlich, es sonst doch nicht richtig zu tun.
freundliche Grüsse, Marc Fasnacht
PermalinkPermalink 2008-11-28 | 16:29
Herr Fasnacht, ich bin mir sicher, dass sie nicht mal bei weit weniger komplexen technischen Geräten als dem LHC, wie zum Beispiel ihrem Automobil, in der Lage wären, einen Defekt vorherzusehen. Insofern frage ich mich schon, wieso sie erstens überhaupt so einen Aufwand um diesen Unfall treiben und zweitens, wieso sie in ihrer Überschrift hervorheben("keiner der am Experiment beteiligten..."), das angeblich nur die Physiker am CERN einen solchen Vorfall nicht vorhergesehen hätten. Was wollen Sie damit suggerieren? Das man am LHC nicht weiß, was man tut? Der Fall des Autos ist eine exakte Analogie dazu. Lediglich die Maschine ist weniger komplex. Mit wenig Hoffnung, dass sie jetzt vielleicht verstehen, wie lächerlich ihr Herumreiten auf dem Unfall ist.. BM
PermalinkPermalink 2008-11-28 | 16:41
Comment from: ralfkannenberg [Visitor]
Sehr geehrter Herr Fasnacht,

danke für Ihr Angebot. Ich denke, zum Thema 1+1=2 gibt es schon einen Themenbereich von Herrn Struckmeyer, zu dem ich ja auch ausführlich Stellung bezogen habe; das dürfte für den Moment gut thematisiert sein.

Das Hochgeschwindigkeitszug-Beispiel wird von zahlreichen Lesern vermutlich als polemisch empfunden. Eine solche Emotionalität bringt aber derzeit niemandem etwas und da ich gerne auf der sachlichen Ebene verbleiben möchte, würde ich vorschlagen, uns für den Moment auf das als neutral empfundene "Sonnenbeispiel" zu konzentrieren; ich bin auch überzeugt, dass wenn das gut verstanden ist, dass dann in einer Fortsetzung auch das Schnellzugbeispiel sachlich und ohne Polemik betrachtet werden kann.

Es erscheint mir von grosser Wichtigkeit, ein emotionsfreies Thema wählen zu können, um gemeinsam erarbeiten zu können, wo fast schon selbstverständliche Akzeptanz naturwissenschaftlicher Methoden vorliegt und wo Ängste vorliegen.

Ich will versuchen, bis Montag einen Text zu verfassen, den ich Ihnen dann per mail zuschicke. Ist das ok für Sie ?

Freundliche Grüsse, Ralf Kannenberg
PermalinkPermalink 2008-11-28 | 17:19
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