Müßiggang ist nicht eine jener Tugenden, denen Wissenschaften nachzugehen pflegen; besonders nicht in einer Zeit technologischer Pseudorevolutionen der Mikroebene. Etwas Gewaltiges wäre der Menschheit seit dem Bau der Atombombe kaum anzulasten. Selbst der Flug zum Mond war zu erwarten, was keineswegs polemisch gemeint ist.
Doch was gibt es „da draußen“ noch Spannendes, was, wenn wir es wüßten, uns auch nur ein Stück darin voranbringen könnte, was wir dringender, als jede faxende Kaffeemaschine im Internet benötigen? Zweifelsohne, die technischen Innovationen der letzten Jahrzehnte bis etwa zum Ende des vergangenen Jahrhunderts haben uns große Dienste geleistet und die allermeisten Dienste abgenommen. Aber nicht wirklich. Ein zeitgenössischer Poet pflegte zu sagen: „Der Computer bereitet uns Probleme, die wir früher nicht hatten.“ Und so geht es auch mit dem Auto. Ist es erst einmal da, wirft es immer wieder neue Probleme auf. Seine stetige Fortentwicklung verschlimmbessert sein Auswirkungen immer mehr. Nebst Staufolgen, die selbst in einem hoch technologisch entwickelten Fahrzeug allenfalls dazu führen, daß wir auf dem Nachhauseweg das Gefühl haben, wir befänden uns schon zuhause. Eine trügerische Entwicklung also, wie ebenso die des Computers, der uns erst zum Sitzen zwang und nun zum Gehen verpflichtet. Es scheint, als sei die Menschheit entweder nicht soweit, sich selbst von dieser Art Entwicklungsdrang dahingehend zu emanzipieren, daß sie dem Forscherdrang Vorrang einzuräumen hätte oder – das wäre weitaus bedenklicher - sie (die Menschheit von eben) weiß das und versucht vermittels der Entwicklung die Forschung zu überholen. Denn das Eine ist etwas Anderes als das Andere Eine. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung ist also etwas gänzlich anderes, als etwa eine Entwicklungs- und Forschungsabteilung. In der Gerade logischer Folgen aller „evolutionären“ Revolutionen bedacht, wirken Experimente, wie das am CERN, im LHC, recht gegenstandslos, solange mit Mikroskopen etwas untersucht werden soll, was den Weg in die Existenz noch nicht geschafft hat. In unsere Existenz jedenfalls.
DIE EIXISTENZ
Die allzu bekannte Frage nach der Erstheit der Henne oder des Eis tritt zwar auf den Plan, aber sowohl die Henne als auch das Ei sind wohlbekannt und können also gut voneinander, wenn auch kaum getrennt unterschieden werden. Welche Frage aber stellt man, wenn, nehmen wir einmal an, das Ei uns nicht bekannt wäre. Das klingt fürchterlich nach einem Scheinproblem, da wir das Ei ja kennen. Es steht auf unserem Frühstückstisch, es liegt in Hühnerställen; es gibt A- und B-Eier, sogar C-Eier. Der Biologe würde sich kaum – auch wenn es das Ei gar nicht gäbe, er aber eine Theorie davon hätte – davon beeindrucken lassen, wenn ein Philosoph daher käme und behauptete, daß man Eier auch auf einem Kopf zerschlagen könnte und das Eiinnere dann übers Gesicht des Betroffenen rinnen würde. Der Biologe ginge seiner Theorie nach und würde der, in diesem Falle „ersten“ Henne das Ei durch verschiedene Praktiken regelrecht abringen. Wenn es das Ei gäbe. Gäbe es das Ei nicht, würde irgendwann ein Tierschützer den Biologen davon überzeugen, daß die nicht artgerechte Haltung der Henne selbst im Falle einer Ei-Existenz (Eixistenz) zu deren Tod und also zum Verlust des Eis führen würde. Der vernünftige Biologe mit Hang zur Natur wäre spätestens dann versucht, dem Ei-Experiment (Eixperiment) ein Ende, und nicht der Henne, zu bereiten. Damit wäre die Theorie der Eixistenz egalisiert und man könnte, bis es diesem oder einem anderen Biologen je gelänge, ein Ei der Henne abzutrotzen, die These auf Eis legen. Nach Hunderten Eixperimenten ließe man davon sicher ab und würde eventuell einem Frosch ein Pferdejunges unterjubeln.
Nicht anders etwa geht die hohe Physik der kleinen Teilchen am CERN vor. Auf Gedeih (und in geringer Wahrscheinlichkeit „Verderb“) wird der LHC, der Large Hadron Collider, alle Jahre neu angeschaltet, um a) die Henne zu geben und noch schneller zu gackern (3,5 TeV, 6 TeV, 7 TeV usw.?) und b) dieses Ei zu finden, als sei unsere Existenz davon abhängig. Mit allerlei physikalischen Begründungen wird das Higgs-Boson in der Henne vermutet, doch weit und breit finden sich keine Tierschützer, um der armen Henne zu helfen. Das Mitleid des Verfassers mit dem Collider hält sich in Grenzen, gleichwohl: die armen Nobelpreisforscher sind inzwischen so vernarrt in ihre Entwicklung, daß sie offenbar gar nicht gemerkt haben, daß sie in anstelle einer Forschungsabteilung in einer Entwicklungsabteilung werkeln, deren quasi Nebenbeigeburt zu allem Ungemach auch noch dazu führt, daß einige Prinzipien der Forschung plötzlich mit der verschwindenden Existenz des Higgs-Boson verschwunden sind. Entwicklung hat den Vorteil, daß man nichts mehr beweisen muß, weil man behaupten kann, daß es schon erforscht wäre, um es überhaupt entwickeln zu können. Und so forschen die CERN-Physiker nicht am Urknall, denn den gibt es ja noch nicht, sondern sie entwickeln ihn einfach. Das müssen sie ja auch, sonst könnten sie ihn schließlich nicht erforschen. Dazu benutzen Sie Teilchen, von denen sie wissen, daß es sie gibt und hoffen andere zu finden, von denen sie nicht wissen, ob es sie gibt. (gack-gack)
WAS IST DER PIK WISSEN?
Diese Vorgehensweise, das sogenannte ‚Gack-Gack‘, ist eigentlich Sache der Philosophie und nicht Angelegenheit der Physik. Doch ähnlich wie im Manifest zum freien Willen der Neurophysiologen vor einigen Jahren bleibt die Philopsophie behäbig. Das kann daran liegen, daß die Philosophie in einer durch und durch eierisierten Welt annimmt, garnicht da zu sein oder eben nur Teil der Physik, weil deren Entwicklungen inzwischen die Forschung überholt haben. In einer Tischerlerwerkstatt würde man das als Wurstelei oder Gewurstel bezeichnen. Heute nennt man das „kreativ“, „innovativ“, „mutig“ und – der Begriff ist nicht genauer untersucht – „fortschrittlich“. Man könnte es auch als Pik Wissen bezeichnen, - ein höchst fataler Endumstand im Ergebnis mangelnder Demut beim Umgang mit der Theorie seit Jahrzehnten der Marktwissenschaft, die alles um sich herum fleißig miteinander verknüpft.
Doch zurück zur Tischlerwerkstatt. Ein Meister verläßt, um eine große Büroeinrichtung eines extravaganten Kunden zu „entwickeln“, seine Fabrikationsstätte und beauftragt seinen Gesellen oder sonst einen Angestellten mit der Aufgabe, einen Schrank nach seinem Plan zu bauen. Irgendwo im Plan taucht das Wort „Pflirnunz“ auf und der Betraute weiß, obschon er recht gelehrt erscheint, mit diesem Wort nichts anzufangen. Es stünde dort geschrieben: „Zwischen Tür und Scharnier setzt Du ein Pflirnunz“. Pflirnunz klingt weiblich, als hat der Meister ein „e“ vergessen. Das merkt der Betraute noch, verbessert es und dann stimmt es? Keinesfalls. Denn ein(e) Pflirnunz würde sich auch nicht erklären, wenn er in verschiedenen Enzyklopädien nachschlüge. Ein abenteurliches Problem. Ähnlich , wie mit der Relativitätstheorie. Der Meister ist weg und keiner verstehts („Doch, ich!“). In aller Kürze gesagt, hat unser Geselle nun zwei Wege; 1) er wartet, bis der Meister zurück ist oder ein anderer Meister käme und es ihm erklärt, was denn „Pflirnunz“ sei oder aber 2) er beginnt zu denken und löst das Problem. Jedenfalls ist klar, daß ein Drauflosbau ohne Kenntnis dessen, was da Tür und Scharnier noch miteinander verbindet, für einen potenziellen Kunden möglicherweise fatal, geringstenfalls zwecklos enden könnte.
Ganz zu schweigen von einem Arzt, der einen hustenden Patienten nach mehrmaliger erfolgloser Tablettenbehandlung, verdachtsweise aufschnitte und während der Operation der Schwester berichten würde, daß da neben Leber und Niere weitere Organe aufgetaucht seien, die er zwar nicht richtig einschätzen könne, aber erst einmal forschungswissenschaftlich geklammert habe. Ab hier wäre gewiß die Zustimmung des Patienten für mindestens einen Experten gegeben, um die Sache restlos aufzuklären. Wenn aber alle Ärzte dem einen Kollegen zustimmten in seiner zweifellos zweifelhaften Vermutung, dann wäre – von außen betrachtet – der Schaden wenigstens moralisch einklagbar.
DIE URKNÄLLE-PHILOSOPHIE
Der Organismus CERN läßt einen ebensolchen Schritt unausweichlich erscheinen, da neben Chirurgen, Dentologen und Psychologen vor Ort wenig ursinnliches Feingefühl zu verspüren ist, obwohl es um den Urknall geht, der entweder vor Jahrmillionen passiert ist und jetzt wieder passieren könnte (er wird ja entwickelt) oder aber gar nicht passieren kann, weil es ihn nie gegeben hat und er ein Vehikel menschheitlicher Therapie ist. Bevor also Physiker, - Astrophysiker, Teilchenphysiker, Atomphysiker ihre über alle menschlichen Zweifel erhabenen entwickelnden Kräfte walten lassen, weil sie auf anderem Wege nichts erklärbar Ausreichendes erforschen konnten, um das zu wissen, was passieren könnte (Eixistenz et.al.) sollten weitere Fachleute herbeigerufen werden, um Sinn und Tragweite eines Experiments einschätzen zu können, dessen sämtliche Befunde lediglich auf der Wahrscheinlichkeit von umfassender Sicherheit und nicht auf umfassender Sicherheit beharren.
Es wäre demgemäß ein selbstverständlicher Schritt, wenn auch die Menschen, die sich eingehend mit der „Materie“ des CERN und ihrer materiellen Umgebung auseinandergesetzt haben, weil eben sie zur unmittelbaren Nachbarschaft der Henne gehören, in die Prüfung der Eixistenz eingebunden wären. Ihre Stigmatisierung zu Skeptikern kann solange als ungerechtfertigt gelten, bis das Higgs-Boson gefunden und jedwede Gefahr als praktisch ausgeschlossen gelten dürfte. Dies ist gegenwärtig nicht der Fall und nach offenkundiger Aktenlage des CERN auch nur wahrscheinlich möglich.