Sehr geehrte Herren Budesräte Moritz Leuenberger und Ueli Maurerer!

Endlich hat sich eine Zeitung dieses Landes dem Thema der unkalkulierbaren aber irreführend kleingeredeten Risiken CERNs Ambitionen am Large Hadron Collider LHC angenommen.

Wieder einmal ist es eine zwar ‘randständige’ aber ernsthaften und selbstrecherchierenden Journalismus betreibende Zeitung die die ‘Sache’ auf den Punkt bringt:
die Wochenzeitung WoZ.

Leider schläft das ‘Flagschiff’ der Schweizer Presse aus unerklärlich erscheinendem Grunde noch immer - keine Rede ist in der Neuen Zürcher Zeitung auch in der ansonsten sehr interessierenden Rubrik ‘Wissen‘ zu den diversen absolut ernst zu nehmenden Hinweisen auf intransparente Risikonegationen des ‘Prunkstückes’ europäischer Experimentalphysik.

Und auch das immer auf Bundesrats-Randale erpichte rechtsbürgerliche Blatt ‘die Weltwoche‘ hält - durchaus wohl wider besseres Wissen - noch immer dicht. Hallo Herr Köppel, aufwachen!

Anstehende Gerichtsprozesse vor Bundesverfassungsgericht Deutschlands und vor dem Gerichthof für Menschenrechte werden aus unerklärlich erscheinendem Grunde auf die lange Bank geschoben. Angesichts der Tragweite des zu beurteilenden Sachverhaltes ist diese Verzögerung elementarem, der Aufklärung entspringendem Menschenrecht des Schutzes ‘persönlicher’ Unversehrtheit auch durch Anberufung der Justiz ein Skandal der jedenfalls zu Reden geben wird.

Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um zu vermuten, dass da ein abgesprochenes Schweigen zu den nichtkalkulierbaren (aber per Sprachregelung Cern’s als 0% darzustellenden) Risiken in der europäischen Wissenschafts-Inteligenzia vorhanden ist - wozu nun eine - für Bundesräte wohl zu weit ‘links’ positionierte - Zeitung endlich Klartext zu berichten sich entschlossen hat.

Nach 20 Monaten erschöpfendem Engagements ist mir dieser Artikel in der WochenZeitung eine grosse Erleichterung und Freude!

Ich hoffe, dass das Schweigen zu des Kaisers neuen Kleidern nun endlich auch in ‘bürgerlichen’ Blättern gebrochen werden wird. Ich hoffe, dass wahre Aufklärung zu der Experimentatoren Risikonegationen doch noch rechtzeitig dazu führen wird, dass dem CERN sein (seit Sommer 2008 klandestin*) eiliges Angehen von

Hadronen-Kollisions-Experimenten mit bis dato auf der Erde nie erreichten Kollisionsenergien (bei im Kosmos einzigartigen Kollisionsdichten) seitens der zuständigen Bundesräte und/oder dem zuständigen Bundesgericht so lange verboten wird, bis

transparent und interdisziplinär

abgeklärt worden ist, ob die natur-nicht-identische Experimentationssituation LHC tatsächlich 0%-Risiko katastrophischer Ereignisse - bis hin zur Vernichtung des gesamten Planetens! - mit sich bringen könnte

und ob - angesichts der Tragweite potentiell katastrophischer Ereignisse - es nicht doch als viel weiser anzusehen ist, den LHC (als eine vergleichsweise marginale) Fehlinvestition abzubuchen, die in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts (während des kalten Krieges und noch vor den Berechnungen der faszinierenden aber auch gefahrenaufzeigenden Stringtheorien) geplant und beschlossen worden ist.

In meinen Augen kann nur von einem Linearbeschleuniger mit weitaus geringerer Luminosität behauptet werden, die Kollisionsexperimente wären natürlichen Kollisionsereignissen, wie sie durch die kosmische Strahlung auf Himmelskörper seit Milliarden Jahren stattfinden (Cern’s hauptsächliches Sicherheitsargument), ähnlich.

Das aber, was am LHC bereits Anfangs März stattfinden soll, ist absolut nicht-natur-identisch und als brandgefährlich zu erachten - auch wenn die Eintretenswahrscheinlichkeit katastrophischer Ereignisse vielleicht tatsächlich nahe bei Null liegen sollte - die potentielle Vernichtung von allem gegenwärtigen und zukünftigen Leben macht hier ein super provisorisch verfügtes Moratorium absolut vordringlich!

Mit freundlichem Grusse, absolut ernsthaft!
Marc Fasnacht


Ein US-Rechtsprofessor argumentiert, es müsse vor Gericht geklärt werden, ob das LHC-Experiment am Cern nicht doch ein Sicherheitsrisiko darstelle. Die TeilchenphysikerInnen seien zu befangen, dies zu beurteilen.

...

Die Beschwichtigungen beriefen sich auf einen Bericht der Cern-internen Arbeitsgruppe zur Sicherheit des LHC, kurz LSAG. Jetzt, einige Wochen nach der verspäteten Inbetriebnahme des LHC, sagt der Physiker John Ellis, ein Mitglied der LSAG, Bemerkenswertes: Das Resultat der Sicherheitsstudien habe «im Voraus festgestanden», zitiert ihn die Zeitschrift «PhysicsWorld», und es gebe «keine wissenschaftliche Motivation für solche Studien»

...

Es gehe ihm nicht darum, das ambitionierteste wissenschaftliche Experiment der Geschichte zu stoppen, sagt Johnson – darüber müssten Gerichte entscheiden. Dass aber Gerichte entscheiden sollten, ist für ihn essenziell.

Der Fall LHC hat für den Rechtsprofessor «alle Merkmale eines Lehrbuchfall-Klassikers» und könne als Modell dienen, wie mit ähnlichen Fragen umzugehen sei, die sich allenfalls in den Nanowissenschaften, der Biotechnologie oder im Bereich der künstlichen Intelligenz ergeben könnten. Fasziniert vom Fall ist Johnson, weil erstens hergebrachte Techniken der Risikobewertung versagen, wenn schlechterdings die ganze Welt auf dem Spiel steht. Zweitens sind die Risikoanalysen derart komplex, dass nur wenige Menschen und sicher keine RichterInnen weltweit in der Lage sind, sie nachzuvollziehen. Und drittens seien alle ExpertInnen befangen, denn sie «f&üuml;rchten entweder um ihren Lebensunterhalt oder um ihr Leben».

...

Die TeilchenphysikerInnen bildeten eine verschworene Gemeinschaft, die sich von der Aussenwelt stark isoliere. Solche Gemeinschaften seien besonders anfällig für «Groupthink». So nennt die Psychologie das Phänomen, dass Menschen in einer Gemeinschaft ähnlich denkender Menschen dazu neigen, störende Gedanken auszuschliessen. Groupthink hat laut dem offiziellen Untersuchungsbericht zum Absturz der Raumfähre Columbia im Jahr 2003 beigetragen.

...

Johnson zeigt weiter, wie sich Sicherheitsargumente rund um Teilchenbeschleuniger innert weniger Jahre geändert haben, weil frühere Gewissheiten im Lichte neuer Theorien plötzlich ungewiss geworden sind. Am meisten aber stört er sich daran, dass die LSAG keine unabhängige Instanz ist.

...

Mag sein, dass es die Physiker einfach leid sind, zu unvernünftigen Kritiken Stellung nehmen zu müssen. Ob die Kritiken unvernünftig sind, vermag der Journalist an dieser Stelle ebenso wenig zu beurteilen wie ein Jurist. Vor Gericht wären die Parteien gezwungen, auf die jeweiligen Argumente einzugehen. Kapitulierten dagegen die Gerichte vor der Komplexität der Materie, meint Johnson, «wird die schnell wachsende Sphäre des Wissens die Institution der Gerichte erdrücken und die Rolle des Gesetzes vernichten – gerade wenn wir sie am meisten brauchten.»


http://www.woz.ch/artikel/2010/nr07/wissen/18950.html

Fazit: absolut lesenswert - nicht nur, aber diese Tage besonders dringlich, für in der Schweiz für Sicherheitsbelange zuständige Regierungsmitglieder, Parlamentarier und Juristen.

* klandestin anmutend nenne ich des CERNes beinahe heimliche Weltrekord-Kollisionen Ende letzten Jahres und das Angehen der geplanten Kollisionen mit hohen Energien im März dieses Jahres, weil diese Meilensteine der Experimentationsmaschine - ganz im Gegensatz zu der Jubelpresse bis zum Sommer 2008 - so gut als keine öffentliche Beachtung finden.

Dieses Schweigen der Presse wird wohl nicht an gestrichenem Public-Relations-Budget des CERNs liegen.

2010-02-18 | achtphasen | 12:34:43 | Email | comment




 

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