anstelle des ‘‘Uhren- & Schmuck-Messepublikums bestimmen derzeit die Waren Gunst & Günstler das Stadtbild.

Basel, einst eine der handelsmächtigsten Städte Europas () beherrschte damals, mit schnellsten Kutschenverbindungen zwischen europäischen Hafenstädten, das Geschäft Einkünfte aus dem Tuch- und Sklavenhandel in Landbesitz zu verwandeln, sonnt sich diese Tage - mit Fug und Recht - als die Mutter aller ARTen.

Gutes altes Geld

Die gemietheten Neger sind in der Regel verdorbene Individuen», schreibt der Schweizer Bundesrat im Jahr 1864 auf eine Anfrage aus dem Nationalrat, wie man denn mit Schweizern umzugehen gedenke, die im Ausland noch immer Sklaven hielten. «Deshalb sei es», so der Bundesrat weiter, etwa «von den in Brasilien niedergelassenen schweizerischen Handwerkern vorteilhaft und zeitgemäss, sich Negerknaben zu kaufen und ihnen das Handwerk zu lehren. Für gute Sklaven muss man einen höheren Ankaufspreis bezahlen, will man Jahre lang verlässige Dienstboten besitzen.»

Das Verständnis der Schweizer Landesregierung gegenüber der Ware «Neger», die als Empfehlung für den Sklavenkauf an Schweizer Auswanderer zu verstehen war, darf als charakteristisch für die Geisteshaltung bezeichnet werden, die damals in der Schweiz zum Thema Sklaverei herrschte. Und dies, obwohl die Sklaverei in Europa vom Wiener Kongress schon ein halbes Jahrhundert zuvor abgeschafft worden war.

Hier zu Lande betrachtete man den «Neger» selbst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zumindest für die Auslandschweizerkolonien noch immer als begehrte Arbeitskraft und wichtige Einkommensquelle. Finanzielle Aspekte überwogen humanistische Forderungen bei weitem, wie die damalige Antwort des Bundesrates zeigt. Zumindest war damals dem Bundesrat noch bekannt, dass Schweizer zwei Jahrhunderte lang recht aktiv in den Sklavenhandel und die Sklavenhaltung involviert waren. Wenn auch nicht im gleichen Masse wie die Kolonialmächte, verdankten auch Dutzende von wohlhabenden Schweizer Familien und Schweizer Handelsfirmen von der zweiten Hälfte des 17. bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein einen stattlichen Anteil ihres Vermögens dem Geschäft mit dem Sklavenhandel.

Ein Beispiel, wie es zu solchen Verlusten auf Schweizer Sklavenschiffen kam, hat Bouda Etemad in den Vermerken zu einer Schiffsladung auf dem Schiff «La Ville de Bâle» gefunden, einem Sklavenschiff, das von den Basler Händlern () und () und Söhne ausgestattet worden war. Das Boot verliess den Hafen von La Rochelle im Frühjahr 1786 in Richtung afrikanische Westküste, wo in wenigen Wochen rund 300 Sklaven eingekauft wurden. Ein Glücksfall, dauerte es doch auf Grund der intensiven Konkurrenz mit englischen und portugiesischen Sklavenschiffen oft ein ganzes Jahr, bis die Schiffe die 300 bis 400 Sklaven zusammenhatten. Sie wurden während der Atlantiküberquerung im Schiffsbauch unter unmenschlichen Bedingungen eingepfercht (pro Fahrt starben im Durchschnitt 10 bis 15 Prozent aller Sklaven).

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Um die Bedeutung des Sklavenhandels zu verstehen, muss man sich vergewissern, dass in Zeiten vor der Industrialisierung die Anlagemöglichkeiten nicht allzu üppig waren. Wer in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Kreis der Wohlhabenden gehörte, zögerte in den wenigsten Fällen, sich am Sklavenhandel zu bereichern. Das zeigt sich etwa am Beispiel des Verkaufs des Sklavenhandelsmonopols 1713 durch die britische Krone an die neu gegründete South Sea Company. Zu deren Aktionären gehörten Mitglieder der Königsfamilie ebenso wie zahlreiche Parlamentarier, aber auch Schriftsteller und Wissenschaftler wie Daniel Defoe, Isaac Newton, Jonathan Swift (der Verfasser von «Gullivers Reisen»), und sogar der Schweizer Kanton Bern zögerte nicht, hier zu investieren. Der Berner Staat hielt die Aktien zwischen 1719 und 1734 und war damit, wie die Berner Regierung kürzlich offiziell eingestand, «indirekt» am Sklavenhandel beteiligt.

Text© Dominik Flammer | www.Bilanz.ch
noblesse oblige

2009-06-08 | achtphasen | 23:08:23 | Email | comment




 

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