… nie eine Frage, dem sich menschliche Entscheidungsträger stellen mussten. Gut 30 Jahre nach dem 16. Juli 1945 stellten sich Kernphysiker diese Frage noch immer. Und auch heute werden Fragen von derart umfassendem Allgemeinbetreffnis offenbar noch immer am liebsten nur in internen Diskussionen besprochen.
Im Morgengrauen von Alamogordo, so erzählte Compton, habe Enrico Fermi, einer der Bombenväter, plötzlich Wetten angeboten. Wettgegenstand: Ob der bevorstehende Atomblitz nur den Himmel über New Mexico oder -- in einer ungebremsten Kettenreaktion -- die Atmosphäre über der ganzen Erde in Brand setzen werde.
Aber nicht nur Fermi, sondern auch andere Atomphysiker befürchteten damals einen möglichen Brand des Planeten. Das wird aus Dokumenten deutlich, die nach 30jähriger Geheimhaltung jüngst freigegeben wurden.
Für J. Robert Oppenheimer etwa, von 1943 an Wissenschaftlicher Leiter des "Manhattan Project", das zum Bau der ersten Atombombe führte, war nicht nur die Luft bedroht. Oppenheimer: "Und was passiert mit dem Wasserstoff? Könnte die Atombombe nicht auch die Ozeane explodieren lassen?"
Doch dann ergaben Berechnungen, das Risiko eines atomaren "Ausreißers" betrage höchstfalls drei zu einer Million. "Wenn die Wahrscheinlichkeit größer gewesen" wäre, so erklärte Compton später, hätten er und andere Physiker "nicht weitergemacht". Compton damals: "Es ist besser, die Sklaverei der Nazis zu ertragen, als den letzten Vorhang über die Menschheit fallen zu lassen."
Die Atombomben-Abwürfe über Hiroshima und Nagasaki und einige hundert Testexplosionen in Ost und West seither scheinen die eher beruhigenden Berechnungen der Physiker von damals zu bestätigen. Aber nun, unversehens, sind die Weltuntergangsvisionen in den Köpfen der Physiker wieder aufgelebt. Im Novemberheft des "Bulletin of the Atomic Scientists", zu dessen Gründern neben Oppenheimer Albert Einstein und der Chemie-Nobelpreisträger Linus Pauling zählten, wird die Debatte erneut aufgegriffen.
Nur einem "Glücksfall wie beim Würfeln" sei es zu verdanken, meint dort Horace C. Dudley, Strahlenphysiker an der University of Illinois, daß in den drei Jahrzehnten seit Alamogordo nichts Welterschütterndes passiert sei. In Wahrheit sei die Gefahr eines atomaren Hasardspieles seit Oppenheimers Tagen, durch die Vervielfachung der Zerstörungskraft je Bombe, noch gestiegen. Beschwörend ruft Physiker Dudley seine Kollegen auf, die Risiken der Atombombe von neuem, diesmal mit Computerhilfe" durchzurechnen.
Daß den Sowjets der Test einer Superbombe vom Typ "City buster" (Sprengkraft: 50 Millionen Tonnen herkömmlichen Sprengstoffs) glückte, ohne daß Wasser und Luft verdampft wären, wertet Dudley nicht als Widerlegung seiner Ängste. Auch nicht, daß es die Erde bisher noch immer überstanden hat, wenn sowohl Frankreich als auch China Atompilze gen Himmel wachsen ließen. Dudleys Kernformel lautet: "Jede Atomexplosion ist ein Ereignis, dessen Folgen nicht exakt vorherzusehen sind."
Als Kronzeugen nennt er in seinem "Bulletin"-Aufsatz den Nobelpreisträger Hans A. Bethe, der als Leiter der Abteilung für Theoretische Physik im Forschungszentrum von Los Alamos A- und H-Bombe entwickeln half.
Bethe hatte 1939 ein grundlegendes Werk veröffentlicht, das in sechs Formeln die Verschmelzung leichter Atomkerne beschrieb, die sogenannte Kernfusion. Im Sonnen-Inneren etwa werden nach diesem Prinzip pro Sekunde 700 Millionen Tonnen Wasserstoff in Helium verwandelt.
Unter extrem hohen Druckverhältnissen und Temperaturen im Bereich von mehreren Millionen Grad, so Bethes Formel, ließen sich aber auch die Atomkerne eines Gases verschmelzen, das den Hauptanteil -- vier Fünftel -- der irdischen Lufthülle ausmacht: Stickstoff.
Doch was, wenn sich dieser Vorgang, unkontrolliert, als Folge einer Atombombenexplosion einstellte?
Auszug aus DER SPIEGEL 01/1976 vom 05.01.1976, Seite 91: http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/17/80/dokument.html?titel=Letzter+Vorhang&id=41330871&top=SPIEGEL&suchbegriff=ernst+hemingway&quelle - sehr lesenswert.
Dass erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts durch den Rutherfordschen Streuversuch und zum Erstaunen der Experimentatoren festgestellt wurde, dass Atomkerne räumliche Ausdehnung haben, das wusste ich nicht.
"Ich hatte den Eindruck, mit einem Gewehr auf ein Stück Seidenpapier zu schießen und dass auf einmal eine der Kugeln nach hinten abprallte." So soll er angeblich das von seinen Assistenten Hans W. Geiger und Ernest Marsden durchgeführte Experiment kommentiert haben. Die Gewehrkugeln sind natürlich symbolisch gemeint. Rutherford lenkte Alphateilchen auf eine hauchdünne Goldfolie und beobachtete, in welche Richtungen die Teilchen abgelenkt wurden. Die Überraschung, dass einige Teilchen zurückprallten, konnte nur eines bedeuten: Im Inneren der Atome musste sich etwas Kleines, Hartes befinden - der Atomkern.http://www.weltderphysik.de/de/415.php
und dass erst 40 Jahre später, also in den 50er Jahren (erst nach dem ominösen Trinity-Versuch und Hiroshima und Nagasaki) die Existenz von Protonen als ebenfalls nicht punktförmigen, sondern räumliche Ausdehnung innehabenden, Elementarteilen gefunden wurde:
Vierzig Jahre nach Rutherfords Entdeckung beschoss Robert Hofstadter an der Universität Stanford in den USA die Kerne von Wasserstoffatomen, also Protonen, mit einem Elektronenstrahl - und stellte fest, dass die Protonen keinesfalls "Punkte" sind, sondern einen messbaren Durchmesser besitzen. Diese "Verschmierung" lieferte den Beweis, dass das Proton eine innere Struktur besitzen muss. Genaueres konnte Hofstadter 1954 allerdings nicht herausfinden, dafür reichte die Energie seiner "Sonden" nicht aus.http://www.weltderphysik.de/de/415.php
das wussten während des ersten Jahrzehntes der Atombombenexperimente offenbar auch die weltbesten Kernphysiker nicht.
Eine weite und sehr interessierende Thematik ist die Kernforschung, also - und ich möchte hier nochmals betonen, dass ich menschliches Erkenntnisstreben, auch mittels TeilchenKollisionen, explizit befürworte.
Jedoch stellt sich betreffs LHC die dringliche Frage, ob es zulässig ist, wenn CERN sich durch G&Ms Berechnungen absolute Risikolosigkeit attestieren lässt, derweil andere nicht unbedeutende Wissenschaftler vor Akkretionsraten warnen die massiv viel höher sein könnten, als von G&M berechnet.
2009-05-17 | achtphasen | 12:20:23 |
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