… Sie muss es mit den Grauen Herren aufnehmen, die den Menschen ihre Zeit stehlen. Während die Welt grauer und grauer wird, führt die weise Schildkröte Kassiopeia Momo zu Meister Hora, dem Hüter der Zeit, der Momo auf ihre grosse Aufgabe vorbereitet. Doch als das kleine Mädchen zu den Menschen zurückkehrt, scheint es schon fast zu spät zu sein: Die Grauen Herren haben die Welt bereits fest im Griff. Aber Momo gibt nicht auf und stellt sich den mächtigen Zeitdieben mit List und Geschick mutig entgegen.
Die Zeichentrickadaption des Klassikers von Michael Ende erzählt die fantasievolle Geschichte über Mut und Freundschaft und die Frage, wie viel Zeit wir uns für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens nehmen, mit sympahtischen Figuren als abenteuerliches Filmerlebnis für die ganze Familie.
Michael Ende…
… ist der erfolgreichste deutschsprachige Autor der Nachkriegszeit. Seine Bücher wurden in vierzig Sprachen übersetzt und erreichten weltweit eine Auflage von über zwanzig Millionen Exemplaren Seine poetischen Visionen und fantastischen Entwürfe erlangten Kultstatus: “Momo” wurde allein in Deutschland über drei Millionen Mal verkauft.http://www.columbusfilm.ch/filme/momo/buch.html
… Von nun an ging es der kleinen Momo gut, jedenfalls nach ihrer eigenen Meinung. Irgend etwas zu essen hatte sie jetzt immer, mal mehr, mal weniger, wie es sich eben fügte und wie die Leute es entbehren konnten. Sie hatte ein Dach über dem Kopf, sie hatte ein Bett und sie konnte sich, wenn es kalt war, ein Feuer machen. Und was das Wichtigste war: sie hatte viele gute Freunde.
Man könnte nun denken, daß Momo ganz einfach großes Glück gehabt hatte, an so freundliche Leute geraten zu sein -, und Momo selbst war durchaus dieser Ansicht. Aber auch für die Leute stellte sich schon bald heraus, daß sie nicht weniger Glück gehabt hatten. Sie brauchten Momo, und sie wunderten sich, wie sie früher ohne sie ausgekommen waren. Und je länger das kleine Mädchen bei ihnen war, desto unentbehrlicher wurde es ihnen, so unentbehrlich, daß sie nur noch fürchteten, es könnte eines Tages wieder auf und davon gehen.
So kam es, daß Momo sehr viel Besuch hatte. Man sah fast immer jemand bei ihr sitzen, der angelegentlich mit ihr redete. Und wer sie brauchte und nicht kommen konnte, schickte nach ihr, um sie zu holen. Und wer noch nicht gemerkt hatte, daß er sie brauchte, zu dem sagten die anderen: “Geh doch zu Momo!”
Dieser Satz wurde nach und nach zu einer feststehenden Redensart bei den Leuten der näheren Umgebung. So wie man sagt: “Alles Gute!” oder “Gesegnete Mahlzeit!” oder “Weiß der liebe Himmel!", genauso sagte man also bei allen möglichen Gelegenheiten: “Geh doch zu Momo!”
Aber warum? War Momo vielleicht so unglaublich klug, daß sie jedem Menschen einen guten Rat geben konnte? Fand sie immer die richtigen Worte, wenn jemand Trost brauchte? Konnte sie weise und gerechte Urteile fällen?
Nein, das alles konnte Momo ebensowenig wie jedes andere Kind. Konnte Momo dann vielleicht irgend etwas, daß die Leute in gute Laune versetzte? Konnte sie z.B. besonders schön singen? Oder konnte sie irgendein Instrument spielen? Oder konnte sie - weil sie doch in einer Art Zirkus wohnte - am Ende gar Tanzen oder akrobatische Kunststücke vorführen?
Nein, das war es auch nicht. Konnte sie vielleicht zaubern? Wußte sie irgendeinen geheimnisvollen Spruch, mit dem man alle Sorgen und Nöte vertreiben konnte? Konnte sie aus der Hand lesen oder sonstwie Zukunft voraus sagen?
Nichts von alledem.
Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war Zuhören. Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder.
Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.
Momo konnte so zuhören, daß dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie ihn ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, daß sie in ihm steckten.
Sie konnte so zuhören, daß ratlose oder und entschlossene Leute auf einmal ganz genau wußten, was sie wollten. Oder daß Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder daß Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf denen es überhaupt nicht ankommt, und er ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf - und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, daß er sich gründlich irrte, daß es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und daß er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war.
So konnte Momo zuhören!
„[…] Übrigens sind Sie bis jetzt der erste, der bemerkt hat, dass die Idee des alternden Geldes im Hintergrund meines Buches Momo steht. Gerade mit diesem Gedanken von Steiner und Gesell habe ich mich in den letzten Jahren intensiver beschäftigt, da ich zu der Ansicht gelangt bin, dass unsere ganze Kulturfrage nicht gelöst werden kann, ohne dass zugleich oder vorher sogar die Geldfrage gelöst wird.“
Michael Ende in einem Brief an Werner Onken
- * Momo – das kleine Mädchen, das eines Tages im Amphitheater auftaucht, so gut zuhören kann und damit andere tröstet. Schwarze Haare, schwarze Augen
- * Gigi – Girolamo Fremdenführer - einer der beiden besten Freunde Momos, der Geschichtenerzähler und Fremdenführer. Außerdem ist er Parkwächter, Trauzeuge, Hundespazierenführer, Liebesbriefträger, Beerdigungsteilnehmer, Andenkenhändler, Katzenfutterverkäufer und noch vieles andere mehr.
- * Beppo – Beppo Straßenkehrer - der andere beste Freund Momos, ein geduldiger Straßenkehrer, der so lange überlegt, bis er eine Antwort gibt, dass die meisten Menschen schon vergessen haben, was sie wissen wollten. Von ihm stammt der berühmte Rat, statt das Ende der langen Straße zu beachten immer nur das nächste Stück zu sehen.
- * Meister Hora – Secundus Minutus Hora – der Hüter der Zeit und der Stundenblumen. Auf Momos Frage, ob er der Tod sei, antwortet er ausweichend.
- * Kassiopeia – Meister Horas Schildkröte, die eine halbe Stunde in die Zukunft schauen kann - und doch nicht sagen kann, was passieren wird. Sie drückt sich mittels geschriebener Worte aus, die sie auf ihrem Panzer erscheinen lassen kann.
- * Die Grauen Herren – Die vielen grauen Herren mit fahler grauer Haut, grauen Hüten, einem ebenso grauen Sakko, „eleganten grauen Autos“ und einer Zigarre aus getrockneter Zeit – ohne die sie nicht existieren können – im Mund. Sie kommen laufend in der Geschichte vor und kontrollieren schließlich die gesamte Stadt, wobei sie allerdings nie so in Erscheinung treten, dass sie im Gedächtnis bleiben.
- * Die Kinder – die vielen Kinder, mit denen sich Momo stets im Amphitheater trifft und mit denen sie aufregende Spiele spielt.
- * Nino – der Gastwirt.
- * Liliana – Ninos Frau.
- * Nicola – der Maurer.
- * Herr Fusi – der Friseur.
- * BLW/553/c (Agent) – Der graue Herr, der versucht, Momo zu bestechen.
- * XYQ/384/b (Agent) – Der graue Herr, der zu Herrn Fusi in das Friseurgeschäft kommt.
- * Bibigirl – die sprechende Puppe.
2008-10-30 | achtphasen | 14:56:13 |
| comment