Bereits vor einem Jahr haben kanadische und amerikanische Astronomen einen lediglich qua Röntgenstrahlung aufspürbaren Neutronenstern im Sternbild des Kleinen Bären entdeckt. Dieser scheint völlig allein im All zu sein und ist in der kosmischen Nachbarschaft der Sonne gelegen. (Wobei diese kosmische Nachbarschaft immerhin sechsmal weiter entfernt von uns ist als das Zentrum unserer Galaxie. Vielen Dank an Herrn kannenberg für die informative Relativierung!)

Weder besitzt er einen Begleitstern noch ist er von den Überresten seiner Supernova-Explosion umgeben. Dies schließen die Forscher um Robert Rutledge von der McGill University in Montréal aus ihren Beobachtungen. Bislang sind lediglich sieben solcher isolierter Objekte bekannt. Durch gezielte und genaue Beobachtung dieser ‘vereinsamten’ Neutronensterne könnte das in obveröffentlichtem YouTubeFilm, dark matter - the LHC calls for the devil, geschilderte Schreckensszenario seitens der physikalischen Gemeinschaft überprüft und hoffentlich widerlegt werden.

Erste Hinweise auf den Einzelgänger fanden Rutledge und zwei Kollegen von der Pennsylvania State University in den Daten, die der deutsch-amerikanische Satellit ROSAT in den 90er-Jahren gesammelt hatte. Unter den gut 18.000 von dem Satelliten registrierten Röntgenquellen fanden sie eine, für die noch kein Pendant im sichtbaren bzw. infraroten Licht oder im Radiobereich bekannt war.

http://www.scienceticker.info/2007/08/21/einsamer-neutronenstern-in-sonnennaehe/

Neutronenstern mit Zeitzünder | 8. Juni 2006 12:52

Während sich der Zeitpunkt irdischer Beben bislang kaum vorhersagen lässt, gelingt dies im Falle einer exotischen Sternleiche sehr gut. Das berichten amerikanische Forscher auf einer Astronomentagung im kanadischen Calgary. Je stärker das jüngste Sternbeben war, desto länger hat der Neutronenstern Ruhe bis zum nächsten.

Neutronensterne bestehen aus der “Asche” massereicher Sterne, die unter ihrem eigenen Gewicht zu reiner Kernmaterie zusammengesackt ist. Entsprechend extrem liefen die Beben auf diesen Objekten ab, erklärt John Middleditch. Dabei reiße die dichte Kruste des Neutronensterns auf und der gesamte Stern beschleunige schlagartig seine Eigendrehung.

Seit über acht Jahren beobachten Middleditch und seine Kollegen den Pulsar PSR J0537-6910. In der Großen Magellanschen Wolke gelegen, dreht sich dieser Neutronenstern etwa 62 Mal pro Sekunde um die eigene Achse und produziert dabei wie ein Leuchtturm regelmäßige Strahlungspulse. Mit Hilfe des Röntgensatelliten ROSSI konnten die Forscher bei 20 Gelegenheiten verfolgen, wie der Pulsar von Beben geschüttelt und der Abstand zwischen den Pulsen schlagartig kürzer wurde.

Dabei zeichnete sich ein erstaunlich einfaches Schema ab: Die Zeit bis zum nächsten Sternbeben stieg linear um etwa 400 Tage je Tausendstel Promille Beschleunigung. Der Zusammenhang sei derart verlässlich, dass sich das nächste Beben auf wenige Tage genau vorhersagen lasse, so Middleditch. “Wenn die Vorhersage von Erdbeben doch ebenso einfach wäre!”

Laut Middleditch bekräftigen die Resultate eine Theorie zur Ursache der Pulsarbeben. Demnach ist die feste Kruste eines Pulsars mit einem “Neutronen-Superfluid” getränkt. Während die Rotation des festen Neutronensterns allmählich langsamer wird, behält dieses reibungsfrei fließende Superfluid seinen Schwung bei. Erst wenn die Unterschiede zwischen fester und suprafluider Materie einen kritischen Wert überschritten, gebe die Flüssigkeit einen Teil ihres zusätzlichen Dralls schlagartig an die Kruste ab. Als Folge beschleunigt der Pulsar abrupt - wie ein Auto, wenn man plötzlich den Fuß von der Kupplung nimmt.

Forschung: John Middleditch, Los Alamos National Laboratory, Los Alamos, New Mexico; Frank E. Marshall, NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt, Maryland; et al.

Präsentation auf dem 208th Meeting of the American Astronomical Society, Calgary; #4.01
http://www.scienceticker.info/2006/06/08/neutronenstern-mit-zeitzunder/
http://arxiv.org/PS_cache/astro-ph/pdf/0605/0605007v5.pdf

2008-10-26 | achtphasen | 21:30:53 | Email | 4 comments




 

Comment from: ralfkannenberg [Visitor]
Hallo zusammen,

es sei zunächst erwähnt, dass ein Stern in der Grossen Magellan'schen Wolke - also über 6-mal (!) weiter entfernt als das Zentrum unserer Milchstrasse - kaum als Stern in "Sonnennähe" bezeichnet werden kann.
Dieser Artikel - im Original übrigens kostenfrei nachzulesen unter http://arxiv.org/PS_cache/astro-ph/pdf/0605/0605007v5.pdf - ist ansonsten zweifelsohne sehr interessant, hat aber keinen Bezug zum Szenario, dass die Superfluidizität eines Neutronensternes einen Einfluss auf innere Schwarze Löcher hat: Wie in der achtphasen-Zusammenfassung beschreiben führt die Superfluidizität zu einer Reibungsfreiheit und das sind elektromagnetische Kräfte. Ein ungeladenes Schwarzes Loch - und dies sind ja die gefährlicheren, weil geladene Schwarze Löcher bekanntlich seit Entstehung der Erde von der kosmischen Strahlung erzeugt würden und somit seit über 4 Milliarden Jahre in der Erde stecken und in dieser Zeit keinen Schaden verursacht haben - ein solches ungeladene Schwarzes Loch indes reagiert nur auf Gravitation und ist somit unabhängig von der Superfluidizität. Somit ist dieser Fall ebenfalls von den CERN-Sicherheitsanalysen abgedeckt.

Somit bezieht sich der genannte Artikel auf die Prognose von Sternbeben (im Gegensatz zu den derzeit nicht vorhersagbaren Erdbeben) und liefert hochinteressante Schlussfolgerungen auf die entsprechenden Prozesse und zweifelsohne auch auf die Struktur von Neutronensternen, hat aber nichts mit der Sicherheit des neuen Teilchenbeschleuenigers zu tun.

Freundliche Grüsse, Ralf Kannenberg
PermalinkPermalink 2008-10-27 | 10:53
Comment from: achtphasen [Member] Email
Hallo Herr Kannenberg!

ich freue mich, dass Sie weiterhin mit uns im Gespräch bleiben und bin Ihnen sehr dankbar für die Korrektur zum Ausdruck 'Sonnennähe' - ich werde eben nachbessern.

mit freundlichem Gruss, Marc Fasnacht
PermalinkPermalink 2008-10-27 | 11:18
Comment from: achtphasen [Member] Email
Hallo Herr Kannenberg
weil Sie sich schon die Mühe gemacht haben obenstehende Relativierung des Begriffes 'Sonnennähe' einzubringen möchte ich Sie gerade eben noch bitten sich doch auch zum YouTubeFilm "dark matter - the LHC calls for the devil" zu äussern. Insbesonders interessiert Ihre Meinung, ob das im Film skizzierte Szenario aus physikalisch/astronomischer Perspektive betrachtet Humbug ist, oder ob der These, dass Neutronensterne so Aehnliches wie LHC-Experimente schon lange veranstalten und dass aus den Kollisionen der Jets der Neutronensterne mit umgebender Materie dunkle Materie entstehen kann und darum einige dieser Neutronenstern so einsam kreisen ein Wahrheitsgehalt zugestanden werden muss.


In Konsequenz wäre dies ja äusserst beunruhigend für unser offenbar dunklemateriefreies Sonnensystem.


Interessant ist auch, dass nur grössere Sterne als unsere Sonne derart hochenergetische Strahlung aussenden können, dass aus der Kollision dieser Strahlung mit umgebender Materie eben diese Materie nihilisiert wird. ...

ich freue mich auf Ihre Antwort!
freundliche Grüsse, Marc Fasnacht
PermalinkPermalink 2008-10-27 | 11:44
Comment from: ralfkannenberg [Visitor]
Sehr geehrter Herr Fasnacht,

es ist mir ein grosses Anliegen, naturwissenschaftliche Vermutungen nicht als "Humbug" abzuqualifizieren, sondern lieber mit fachlichen Argumenten oder dem Hinweis auf experimentelle Daten zu entkräften.

Bei dem YouTube-Film werden einige Begriffe - konkret "Strangelets" und "Dunkle Materie", aber auch "supersymmetrische Teilchen" und "baryonischer Anteil der Dunklen Materie" vermischt, so dass ein irrtümliches Bild gezeichnet wird. Ich habe versucht, diese Begriffe als Kommentar zu diesem YouTube-Film in den richtigen Zusammenhang zu stellen und damit aufzuzeigen, dass hier kein Anlass zur Beunruhigung besteht.

Zudem habe ich auch dargestellt, warum es meiner Vermutung nach zu diesen Missverständnissen kommen konnte. Somit denke ich dürfte bezüglich "Dunkler Materie" und "Strangelets" alles im grünen Bereich liegen und auch keine Sorge mehr vorhanden sein, dass von supersymmetrischen Teilchen, welche übrigens nicht-baryonisch und nicht-leptonisch sind, irgendeine Gefahr ausgehen wird.

Freundliche Grüsse, Ralf Kannenberg
PermalinkPermalink 2008-10-27 | 16:04
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