
Den Gefeierten selber, den in einem 27 Kilometer langen, 100 Meter unter der Erde eingegrabenen Beschleuniger, bekamen die geladenen Gäste allerdings nicht zu sehen. Kurz nach der geglückten Betriebsaufnahme am 10. September war es zu einer Panne gekommen, wodurch die rund 5 Milliarden Franken teure Maschine lahmgelegt wurde. In seiner Begrüssungsansprache beruhigte der Generaldirektor des Cern, Robert Aymar, die Forschergemeinde. Zum Glück handle es sich um einen isolierten Defekt und nicht um einen Systemfehler. Man müsse jetzt eben noch etwas Geduld haben, bis die «installation unique», für deren Planung und Bau mehr als 20 Jahre nötig gewesen seien, wieder hochgefahren werden könne, sagte der Hausherr. Zum Fenster hinaus sprach er seine Werbebotschaft für die teure Grundlagenforschung, den Motor aller Innovationen, als er sagte, ohne Einstein gäbe es kein GPS.
Den Reigen der Gratulanten eröffnete die deutsche Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan. Deutschland ist der wichtigste Geldgeber des Cern und finanziert rund ein Fünftel des jährlichen Budgets von 910 Millionen Franken. Sie sprach vom «grössten Physikexperiment», das jemals durchgeführt wurde. Dieses solle Erkenntnisse über die Entstehung der Welt ermöglichen, Erkenntnisse, die in den Augen der Ministerin unser Weltbild revolutionieren könnten. Auch sie sprach von der Nützlichkeit der Grundlagenforschung und wies darauf hin, dass das Internet im Cern entstanden sei und hier wichtige medizinische Therapien ihren Ursprung hätten.
Eine positive Seite der Globalisierung
Premierminister François Fillon, der seinerzeit als französischer Forschungsminister das Projekt LHC gefördert hatte, malte den Kontrast zwischen positiver und negativer Globalisierung aus. Zur ersteren, vielversprechenden gehöre das Beispiel Cern, zur zweiten die Destabilisierung auf den Finanzmärkten. Bundespräsident Pascal Couchepin zeigte sich etwas melancholisch angesichts des Betriebsunfalls beim LHC, sagte aber, er sei nicht traurig, denn die Wissenschaft schreite voran, weil sie kritikfähig sei und aus Fehlern lerne. Auch er sang ein Loblied auf die Grundlagenforschung, die er als prioritäre Staatsaufgabe bezeichnete. Er verglich sie mit den Gletschern: Wenn man deren Schrumpfen eine Zeitlang vernachlässige, sei das verzeihlich. Aber wenn sie nicht mehr da seien, dann sei es eine Katastrophe.
Mehr als alle Gruss- und Dankesworte dürfte den Anwesenden der Auftritt des Orchestre de la Suisse romande unter Carolyn Kuan in Erinnerung bleiben. Zum Abschluss der Zeremonie spielten die Musiker Ausschnitte aus dem Opus «Live: A Journey Through Time» des Komponisten Philip Glass. Das Cern hatte eine eigene Version, «Origins», in Auftrag gegeben. Zu der von idyllischen Passagen zu explosiven Momenten wechselnden Musik wurde ein ständig wechselnder Bildteppich mit spektakulären Aufnahmen aus der Natur auf Grossleinwände projiziert.http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/genf_cern_einweihung_couchepin_1.1147896.html
2008-10-22 | achtphasen | 01:16:09 |
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