WWF Deutschland
z.H. Frau Franziska Mej
Kassel, den 9. Juni 2008
Rebstöcker Straße 55
60326 Frankfurt
D R I N G E N D
Betr.: Verharmlosende Darstellung der Gefahren des beginnenden Experiments mit Protonenkollisionen am größten Teilchenbeschleuniger der Erde (LHC - “Large Hadron Collider” / CERN) bei Genf
Sehr geehrte Frau Mej,
wie telefonisch abgesprochen sende ich Ihnen Materialien zu unserem Anliegen:
wie Sie ggf. der Presse oder der Diskussionen im Internet entnehmen konnten, wird im Sommer bzw. Herbst diesen Jahres ein spektakuläres Experiment im sog. “Large Hadron Collider” bei Genf beginnen. Der Betreiber, CERN (Europäische Organisation für Kernforschung) hat nach wie vor keinen lückenlosen Sicherheitsbericht vorlegen können; er kann nicht mit 100 % tiger Sicherheit die Entstehung sog. “Mini black holes", “Strangelets” und “Monopoles” ausschließen. Über das Verhalten dieser physikalischen Phänomene gibt es in der wissenschaftlichen Diskussion noch keinen Konsens. Die meisten Physiker schätzen die Gefährdungen zwar gering ein - auf der anderen Seite gibt es jedoch Stimmen, die eine erhebliche, apokalyptische Gefahr prognostizieren: Nach einer von Prof. Dr. O. E. Rössler, Universität Tübingen, Division of Theoretical Chemistry (Tel. privat: 070 71 / 66 323) vorgelegten Studie könnten sog. “Mini black holes” - die ggf. bei den Partikelkollisionen entstehen - dem Gravitationsfeld der Erde nicht entweichen und - zunächst unerkannt - wachsen; im Unterschied zu anderen Prognosen stellt er die Möglichkeit dar, daß sie - bei exponentiellem Wachstum - innerhalb von 50 Monaten die Erde zerstört haben könnten.
Schon der bekannte und arrivierte Astrophysiker Sir Martin Rees, Trinity College, Cambridge hat in einem 2003 erschienen Buch ("Unsere letzte Stunde", Goldmann Verlag, München 2003 ) vor den zwar unwahrscheinlichen, aber nicht unmöglichen, apokalyptischen Szenarien eines solchen Versuches gewarnt.
Er kannte jedoch die neuen Studien von Prof. Dr. O. E. Rössler nicht (sie liegen ihm zur Begutachtung vor).
Wie Sie vielleicht wissen, liegt eine Klage von Walter Wagner (USA) und Luis Sanchez (Spanien) gegen CERN vor, die ebenfalls vor dem Experiment warnen.
Bei dieser Sachlage erscheint es - auch in Anbetracht der UNESCO - Resolution vom 29. November 1997 “Erklärung über die Verantwortung der heutigen Generation gegenüber den künftigen Generationen” - moralisch nicht verantwortbar, das Experiment zu beginnen, bis nicht zumindest in einer offenen Konferenz alle kritischen wissenschaftlichen Stimmen diskutiert und der Öffentlichkeit dargelegt worden sind.
Ich schlage dringend vor, Maßnahmen zu überlegen, die zumindest einen Aufschub des Experimentes bewirken könnten (von Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu juristischen Überlegungen des Erwirkens einer einstweiligen Verfügung gegen CERN) damit eine neue Sicherheitskonferenz stattfinden kann, die vor allem ihre Ergebnisse einer Weltöffentlichkeit darstellt und nicht, wie es bei CERN geschehen ist, die Öffentlichkeit unmündig macht, indem sie sie vor vollendete Tatsachen stellt. Eine Organisation wie die Ihre verfügt ggf. über Möglichkeiten der Aktivitäten.
Das Zeitfenster möglicher Tätigkeiten ist dramatisch klein: die Versuche werden zum Sommer 08 hin starten, wenn nichts unternommen wird, der Schaden, im schlimmsten möglichen Falle, dann nicht mehr rückgängig zu machen sein.
Im Anhang dieser Mail finden Sie einige Informationen über die Gefahreneinschätzung.
In der Hoffnung auf eine schnelle Antwort und mit
freundlichen Grüße
Enrico Pellegrino
| Anhang: | Risiko - Evaluation | |
| Studie von Prof. Dr. O. E. Rössler, Universität Tübingen | ||
| http://www.wissensnavigator.ch/documents/OTTOROESSLERMINIBLACKHOLE.pdf |
2008-06-09 | achtphasen | 11:07:25 |
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